Carlow : Ein Pastor geht in Ruhestand

Gute Bücher und Musik  begeistern Bernhard Kähler.  Fotos: volker bohlmann
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Gute Bücher und Musik begeistern Bernhard Kähler. Fotos: volker bohlmann

Bernhard Kähler bestimmt das Kirchen- und Kulturleben in Carlow mit / Abschiedsgottesdienst am Sonntag um 14 Uhr

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03. Juli 2015, 23:49 Uhr

Die Begegnung mit Menschen, mit ihnen über das Leben, den Alltag und die Zukunft sprechen, das erfüllt Bernhard Kähler. Der Pastor der Kirchgemeinde Carlow wird am morgigen Sonntag Abschied nehmen. Es wird ein Gottesdienst mit viel Musik und mit Kultur, wie sie Bernhard Kähler in den zurückliegenden 25 Jahren mitprägte.

Im Pfarrhaus von Carlow heißt es bereits Koffer packen. „Ab Sommer beginnt der Umbau, die Sanierung des alten Hauses aus dem Jahr 1850“, sagt Kähler. Es wird ein Umbruch, aber auch ein Neuanfang für ihn und das Haus gleichermaßen.

In den Zeiten des Umbruchs nahm Bernhard Kähler 1990 seine Arbeit als Gemeindepastor in Carlow auf. „Zuvor war ich auf dem Schweriner Dreesch, konnte dort die hochspannende Wendezeit mit dem Arbeitskreis ,Mehr Gerechtigkeit in der DDR‘ mitgestalten.“ Heute klingt so etwas harmlos, damals war es provozierend, fügt er hinzu.

Die DDR gibt es nicht mehr. Geblieben sind die offenen Gespräche. Waren es in den Wintermonaten drei Abende die Leute mit Interesse wahrnahmen, habe er heute ein Gespür dafür, den Fragen zu begegnen. „In den 25 Jahren in Carlow war ich nie der große Planer. Eher jemand, der spürt was gebraucht wird“, sagt Kähler. Dazu gehört nicht allein der meditative Gottesdienst, der mit Stille und Taizégesänge in der hektischen Zeit die Menschen entschleunigt. Bernhard Kähler gibt es sich gerne unkonventionell. Zelebriert die Taufen an der Maurine beim Gottesdienst im Grünen und steht auch schon Mal mit seinem Talar, dem knöchellangen schwarzem Obergewand, zur Taufe in einem See.

Überraschungen wie diese kommen an, sorgen für Begeisterung beim gemeinsamen Erleben von Natur und Kultur. Der Förderverein der Kirche zu Demern wird aus der Taufe gehoben, ein Kleinod entsteht. „Dort haben wir eines der ersten Theaterstücke, ’Dunkelrote Rosen‘ aufgeführt und viele neue Talente in der Gemeinde entdeckt“, so der Pastor. Das sei ein Beitrag für ein lebendiges Dorfleben gewesen. Die Menschen blieben dabei. Heute begeistern sie mit dem Stück „Die Glocken von Carlow“. Die Chorkonzerte und „Rock in der Kirche“ dürfen nicht unerwähnt bleiben. Vor allem bei letzterer Veranstaltung reichten die Sitzplätze im Gotteshaus nicht aus. Heute bringt „Rock an der Kirche“ Menschen unterschiedlichster Gesellschaftsschichten zum Thema Flüchtlinge zusammen. „Es ist das Thema der Zukunft. Wir müssen offen sein für die Ängste der Menschen und damit entsprechend umgehen. Aber ebenso offen jenen Menschen begegnen, die mit anderen Traditionen zu uns kommen. Es ist eine Herausforderung, ein Lernprozess.“ Wenn Bernhard Kähler Carlow verlässt, beginnt für ihn ein neuer Lebenszyklus. Er geht nach Schwerin, einer Stadt, die ihm wie das ländliche Carlow Raum zum Fahrradfahren und vor allem Kultur bietet. Damit nimmt er Abstand von Carlow. Aber das gehöre dazu, wenn ein neuer Pastor nach der Sanierung des Pfarrhauses die Gemeinde übernimmt. Einige Kontakte und Erinnerungen bleiben, vor allem an die Menschen die mit Liebe das Leben auf dem Lande gestalten. Der Abschiedsgottesdienst für Bernhard Kähler findet am morgigen Sonntag, 5. Juli um 14 Uhr in der Carlower Kirche statt. Anschließend gemütliches Beisammensein mit Kaffee und Kuchen und Musik.

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