Ein Ouzo auf die Griechen

<strong>Ein Schlückchen Ouzo</strong> genehmigte sich gestern Haralabos Polihronatos in seinem Gadebuscher Restaurant auf die bisher gezeigten Leistungen seiner Griechen bei der EM.<foto>Hans Taken</foto>
Ein Schlückchen Ouzo genehmigte sich gestern Haralabos Polihronatos in seinem Gadebuscher Restaurant auf die bisher gezeigten Leistungen seiner Griechen bei der EM.Hans Taken

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21. Juni 2012, 07:19 Uhr

Gadebusch | Ein Fernsehgerät, das hat im Speiseraum des Restaurants "Der Grieche" von Haralabos Polihronatos nichts zu suchen. Einmal, da hat der Chef aber eine Ausnahme gemacht. 2004, als Griechenland gegen Portugal um die Fußball-Europameisterschaftskrone gekämpft hat. "Wir haben das Endspiel gewonnen und mit der Stammkundschaft gefeiert", erinnert sich der 45-Jährige gerne an diesen größten Tag der griechischen Fußballgeschichte zurück. Und er denkt auch an den Ouzo, an das Nationalgetränk der Griechen zurück, der reichlich floss.

Fußballgeschichte, die haben die Hellenen bei der Fußball-EM jetzt zwar noch nicht geschrieben, aber sie haben in der Vorrunde überrascht - auch Haralabos Polihronatos. "Sie spielen nicht mehr ganz so defensiv wie zu Zeiten von Trainer Otto Rehhagel. Mir haben die drei Spiele gut gefallen", sagt der Grieche, der in Lübeck geboren wurde und dessen Familie von der Insel Kefallonia im ionischen Meer stammt.

Wie so oft in griechischen Restaurants, stehen auch beim Gadebuscher "Griechen" Gelehrte und Helden Pate, wenn es um die Benennung von Speisen geht. Die Gerichte heißen Aristoteles-, Diogenes-, Odysseus- oder Herkules-Teller. Noch gibt es ihn nicht, den Karagounis-Teller, aber Volksheldcharakter hat der Kapitän der griechischen Fußball-Elf jetzt schon. "Jede Mannschaft hat ihren Ronaldo, wir haben Karagounis", schwärmt auch Haralabos Polihronatos. Karagounis’ goldener Treffer im letzten Vorrundenspiel hat Russland aus dem Turnier geworfen und den im Vorfeld als Außenseiter titulierten Griechen das Viertelfinalspiel gegen Deutschland beschert. Doch heute, wenn’s um den Einzug ins Halbfinale geht, kann der Leitwolf nur zuschauen, denn der Hellene sitzt nach zwei gelben Karten gesperrt am Spielfeldrand.

Im Büro des Restaurantbesitzers Polihronatos gibt es ihn doch, einen kleinen Fernseher. Hier schaut er sich die Partien seiner Landleute und die der Deutschen an. "Die Deutschen haben eine symphatische und tolle Mannschaft mit einem guten Trainer", lobt Haralabos Polihronatos. Und er drückt den Deutschen gerne auch die Daumen - wenn es nicht gerade gegen Griechenland geht. 1:0 für Griechenland, das ist der Tipp des Restaurantbetreibers, der seit 19 Jahren in Gadebusch auftischt. "Zweckoptimismus", sagt er. Aber egal, wie dieses Spiel auch ausgehen wird: "Diese EM hat der griechischen Seele schon jetzt gut getan". Die Probleme in seinem von Krisen geschüttelten Land beschäftigen ihn auch hier. " Auf unserer Insel Kefallonia leben die meisten vom Tourismus, der Landwirtschaft und auch vom Weinanbau. Dort hat die Krise die Menschen nicht so hart getroffen wie beispielsweise die in Athen", sagt Polihronatos. Ein Austritt aus der EU, ist er sich sicher, hätte noch größeren wirtschaftlichen Schaden zur Folge.

Heute will sich Haralabos Polihronatos die Partie nicht entgehen lassen. Und für den Fall der Fälle, dafür, dass seine Griechen ins Finale des Turniers in Polen und der Ukraine gelangen, will er doch noch mal eine Ausnahme machen - und ein Fernsehgerät in den Speiseraum stellen.

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