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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

24. November 2017 | 21:38 Uhr

Carlow : Ein Medley zum Abschied

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Helmut Walter als Leiter des Gemischten Chores mit Adventskonzert und stürmischem Beifall verabschiedet

Als Helmut Walter vor 47 Jahren den Carlower Chor ins Leben rief, war er Mitte 20 und ein junger Musiklehrer, der seit einem Jahr an der örtlichen Schule unterrichtete. „Wir waren damals elf Sänger“, erinnert er sich. Heute sind es über fünfzig, die aus Carlow und den umliegenden Gemeinden, sogar aus Lübeck kommen. Unter ihnen auch Walters Schwester Margit Ulmer. „Mein Bruder und ich sind die letzten verbliebenen Gründungsmitglieder.“ Ab Januar ist sie das einzige. Mit einem Adventskonzert verabschiedete sich der Bülower Helmut Walter vom Chor und zahlreichen Fans des Ensembles unter dem Dach der Carlower Kirche.

„Unser Konzertsaal ist zwar die Kirche, aber wir waren nie ein Kirchenchor.“ Längst ist der „Gemischte Dorfchor“, wie Walter ihn mit Stolz nennt, eine kulturelle Institution im Kreis und darüber hinaus. Von geistlicher Musik bis hin zu Klassik, Pop und Folklore waren fast alle Genres vertreten. „Was die Schwierigkeit der Stücke anbelangt, sind wir immer an unsere Grenzen gegangen.“ Nicht immer sei anfangs sicher gewesen, ob der Chor, zusammengestellt aus Sängern aller Altersklassen, die meisten von ihnen Laien, diesen Aufgaben gewachsen sein würde. Doch die scheinbare „Schwäche“ erwies sich als Stärke. „Die Freude am Singen hat uns über alle Schwierigkeiten hinweggeholfen“, sagt der scheidende Chorleiter, denn „sie war und ist die einzige Bedingung für die Aufnahme in den Chor.“

Das alljährliche Adventskonzert unter seiner Leitung ist seit langem der traditionelle Abschluss eines jeden Chorjahres. Diesmal war es für Walter das Ende eines Lebensabschnittes. „Es war Zeit, den Platz frei zu machen für einen Nachfolger, und heute war ein guter Zeitpunkt dafür“, begründet Helmut Walter seinen schon länger geplanten Rücktritt. „Der Chor ist hervorragend aufgestellt, da kann ich mich beruhigt zurückziehen.“ Souverän und routiniert wie immer unterstützte er seine Sänger bei der Pointierung ihres Vortrags, sang selbst mit, wenn er noch mehr Ausdruck einforderte, begleitete die Solistinnen Ulrike Birke und Silke Schülke am Keyboard, spielte mit Hannes Möller vierhändig die Petersburger Schlittenfahrt. Oder sitzt still da, während das Schweriner Blechbläserquintett spielt. Am Ende das mit den Zuhörern gemeinsam gesungene „O du fröhliche“, die standing ovations in der voll besetzten Kirche Carlows. Alles wie immer, nichts ist Walter anzumerken. Er wollte keine Laudatio zum Abschied und kein Aufsehen.

Bereit, die Bühne zu verlassen, hält der scheidende Chorleiter schon den Blumenstrauß in der Hand, als er zurückgehalten wird. Jörn Birke übernimmt den Taktstock und dirigiert ein schmissiges Medley. „Einige von uns haben es zusammengestellt, dann haben wir nur zweimal heimlich mit dem ganzen Chor proben können.“ Die Überraschung war gelungen. Nun war es doch nicht mehr ganz so wie immer und ein beherrschter, aber sichtlich bewegter Helmut Walter nahm die musikalische Danksagung des Chores entgegen, schüttelte die vielen Hände, die sich ihm entgegen streckten.

„Ich bin seit 21 Jahren dabei“, sagt Petra Berger aus Samkow, „es wird schon komisch sein, wenn vorn jemand anderes steht, der ja auch seine eigenen Vorstellungen mitbringen wird.“ Offiziell wird Walter am Mittwoch in den Ruhestand entlassen. „Das wird sehr emotional und ganz sicher fließen dann Tränen“, davon ist Petra Berger überzeugt.

Im Januar übernimmt Felix Renner den Chor, 25 Jahre jung und Musiklehrer. Manchmal wiederholt sich die Geschichte. Als Geiger in „Hildes Dorforchester“ ist er vielen im Kreis bereits bekannt. Erste Erfahrungen in der Chorleitung sammelte er während seines Musikstudiums in Lübeck. Inzwischen hat er im Kreis Wurzeln geschlagen. „Ich würde mir wünschen, dass er dem Chor lange erhalten bleibt, damit Kontinuität gewährleistet ist“, hofft Helmut Walter. Er selbst wird sich nicht langweilen. „Ich spiele weiterhin die Orgel und mit Stefan Bullrich als „Klickermanns“. Und manchmal wird er vielleicht ein Konzert seines Chores besuchen.

 

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