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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

14. Dezember 2017 | 11:24 Uhr

Flüchtlinge : Ein Mann für alle Fälle

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Sozialarbeiter Roy Rietentidt hilft Flüchtlingen im Nordwestkreis

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2015 | 23:16 Uhr

Das größte Problem, nun ja, es ist doch typisch deutsch: die Mülltrennung. Papier in die blaue Tonne, Verpackungsmüll in die gelbe. Die Bioabfälle wandern in die braune Tonne und dann noch das mit den Flaschen. Kaum eine Nation in der Welt sortiert und recycelt so eifrig wie die Deutschen es tun. Für die rund 320 Flüchtlinge und Asylbewerber, die zurzeit in Nordwestmecklenburg leben, eine Herausforderung.

Zwei Sozialarbeiter kümmern sich um sie. Einer von ihnen: Roy Rietentidt. Gesundheitliche Probleme, Fragen zu den Asylverfahren, Hilfe beim Einkaufen, Busfahren, der Anmeldung in Schule und Kita – und eben das Müllproblem. All das landet jeden Tag auf dem Schreibtisch von Rietentidt.

Im März hat der Landkreis damit begonnen, Sozialarbeiter einzustellen, die sich um den unaufhörlichen Strom von Flüchtlingen und Asylbewerber kümmern. Aktuell laufen noch Ausschreibungen, denn zwei für 320 ist zu wenig.

Aus Syrien, der Ukraine, Afghanistan, Eritrea, Tschetschenien, Ghana fliehen die Menschen ins sichere Europa, nach Deutschland. In den vergangenen Tagen hat die Bundesrepublik mehr als 6000 Hilfesuchenden aufgenommen. Zwei Prozent von ihnen kommen nach Mecklenburg-Vorpommern, sieben Prozent davon wiederum nach Nordwestmecklenburg. Eine Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Den Landkreis stellt das vor eine logistische und soziale Herausforderung. Wo sollen die Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht werden? Wie bezieht man die Bevölkerung ein, um Spannungen zwischen den Neuankömmlingen und den Anwohnern zu verhindern?

In zwölf Orten quer durch den Kreis hat die Verwaltung Wohnungen gemietet. Dabei ist längst nicht jeder Ort geeignet. Denn es geht nicht nur darum, dass eine gewisse Infrastruktur wie Supermarkt, Schule, Arzt vorhanden ist. Auch die Polizei wird in die Wahl der Standorte einbezogen und winkt gelegentlich ab.

„Es ist auch nicht sinnvoll, einen ganzen Block mit Flüchtlingen vollzumachen“, sagt Rietentidt. Nur zwei bis drei Wohnungen anzumieten, funktioniere besser. „Wir versuchen, die Integration in dem Haus zu beginnen“, sagt Rietentidt. Sie reden mit den Nachbarn, versuchen sie einzubeziehen. Wenn das funktioniere, geht man nach außen, bezieht ein größeres Umfeld ein. Manchmal sagt Rietentidt bleibt dafür zurzeit zu wenig Zeit. Manchmal läuft es aber auch ganz ohne Zutun der Sozialarbeiter. In einem Dorf hätten sich die Bewohner sehr rührig um eine schwangere Frau aus Afrika gekümmert, in Beckerwitz haben sich viele Einwohner gefunden, die helfen, die Gadebusch engagieren sich Ehrenamtliche. „Wer helfen möchte, kann sich bei der Mitmachzentrale unter er Nummer 003841-71 23 16 melden“, sagt Rietentidt. Arbeit gebe es genug. Er will mit dem Thema offen umgehen. „Ich halte nichts davon, über die viele ehrenamtliche Arbeit zu schweigen.“ In einigen Kommunen fürchtet man unliebsamen Besuch, wenn bekannt wird, was für die Gäste alles auf die Beine gestellt wird. Er könne die Befürchtungen verstehen, „aber wir müssen aufklären und sensibilisieren“. Anders werde das Zusammenleben nicht funktionieren.

Für das Müllproblem haben sie doch noch eine Lösung gefunden: Sozialarbeiter Roy Rietentidt hat Zettel mit Bildern verteilt. Das Papier in die blaue Tonne, die Verpackung in die gelbe, der Rest in die schwarze. „Das läuft besser.“

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