Neue Ausstellung in Wismar : Ein Hamburger zeigt seine Gäste

Besucher können die Ausstellung „Köpfe, Figuren und Räume“ von Martin Hoffmann noch bis zum 10. September bestaunen.
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Besucher können die Ausstellung „Köpfe, Figuren und Räume“ von Martin Hoffmann noch bis zum 10. September bestaunen.

Beeindruckende Ausstellung in der Galerie Hinter dem Rathaus. Martin Hoffmann zeigt „Köpfe, Figuren und Räume“

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16. August 2016, 04:45 Uhr

„Köpfe, Figuren und Räume“ zeigt Martin Hoffmann aus Hamburg in seiner neusten Ausstellung, die in der Galerie Hinter dem Rathaus eröffnet wurde. Seine Kopf-Collagen fallen auf, großformatige Portraits, ohne zu porträtieren. Collagen aus vielen einzelnen, gerissenen Papierschnipseln, durch die Überlagerung und Verdichtung entsteht das Figürliche. Das sind die Gäste von Martin Hoffmann, die der Ausstellung ihren Titel geben.

Der Künstler aus Hamburg erstellt sie seit 15, 16 Jahren, immer wieder und immer wieder intensiv. Auf großformatigen, oft farbigen Hintergrundpapier klebt er, ohne Vorzeichnung und ohne zu ahnen, welches Gesicht so entsteht. Wiedererkennen kann sich so niemand und doch jeder. „Es geht um Offenheit“, beschreibt der Künstler den philosophischen Hintergrund seiner Kunst. „Wenn jemand dort schon im Bild ist, kann man sich nicht hinein begeben.“ Hoffmann bietet den Raum an, bleibt mit seiner Kunst offen, vielleicht vage. Wer ist das, wer könnte das sein, wie fühlt er, was denkt er, welchen Hintergrund hat der Mensch. Martin Hoffmann gibt keine festen Grenzen, keine die Gedanken einengenden Stereotypen vor. Und schafft es so, dass der Betrachter sich in diesen Köpfen verlieren kann. Eine Konfrontation.

„Tief, ernsthaft, nicht melancholisch“, beschrieb Künstlerkollegin Annette Czerny als Rednerin bei der Ausstellungseröffnung aus Plüschow so diese Kopfbilder. Beide, Czerny und Hoffmann, engagieren sich für Geflüchtete. Ende September bis Himmelfahrt hat Martin Hoffmann auf dem Hamburger Bahnhof Tee gekocht, sauber gemacht, gearbeitet. Fünf Stunden am Tag. War den Menschen, den Geflüchteten, sehr nah auf engstem Raum und hatte doch keine Chance, angesichts dieser Massen, den Einzelnen kennen zu lernen. Ihnen und ihrem Schicksal näher zu kommen. Eine Erfahrung, die Annette Czerny ähnlich beschreibt. Hoffmann hat sie künstlerisch verarbeitet in seinem Zyklus „Ankommende“. Auch wieder diese Klebetechnik, diese vage Erscheinungen. Die Figuren laufen nicht mehr, sie können aber auch längst nicht stehen bleiben. Ein Prozess des Ankommens, der dauern kann und dauern wird. Berührende Bilder, der Betrachter unternimmt ganz automatisch den Versuch, aus den Figuren Menschen zu machen, sie erkennen zu wollen mit all dem, was einen Menschen ausmacht. Bei den Bildern kann es nicht gelingen, bei den Menschen vielleicht schon.

Ganz anders die „Räume“ von Martin Hoffmann. Großformatige Bleistiftzeichnungen, Offsetlithografien und -drucke mit einer bemerkenswerten Akribie. Die Räume von Hoffmann sind immer leer, immer perfekt, menschliche Spuren fehlen. Bei seiner Schatten-Serie kommen sie als eben solche ins Bild, wieder vage und unbestimmbar in ihrer Menschlichkeit, aber doch als flüchtiger Anblick vorhanden.

Die Ausstellung ist bis zum 10. September zu sehen, jeweils dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, am Samstag von 11 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt.

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