zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 00:22 Uhr

Klein Rünz : Ein ganz privater Rohrbruch

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Klein Rünzer Klaus-Peter Schlomm muss nach Schaden an seiner Trinkwasserleitung selbst für Reparatur aufkommen.

von
erstellt am 23.Aug.2014 | 00:37 Uhr

Klein Rünz Rohrbruch ist nicht gleich Rohrbruch. Eine  Erfahrung, um die Klaus-Peter Schlomm  reicher ist. Eine für ihn teure Erfahrung, denn  die Reparatur des Lecks in der Hauswasseranschlussleitung muss er in Höhe von 134 Euro selbst  übernehmen. So  sehen  es die gesetzlichen Vorgaben  im Einigungsvertrag vor.

An das, was  vor 24 Jahren die Regierungschefs unterzeichneten, denkt selbst Schlomm im Falle eines Defektes seiner  Hauswasseranschlussleitung nicht, zumal seine  Frau  1995 das Anwesen übernahm.

Mitte Juli sprudelt  im Vorgarten seines Anwesens in Klein Rünz das Wasser aus dem Boden.  „Wir waren auf der Koppel, haben Heu gemacht“, erzählt Schlomm. Sein ältester Sohn  schlug Alarm, wenige Minuten darauf stand das Wasser  auf dem  lehmigen Boden  am Hauszugang.

Ein kurzes Telefonat  und der Servicetechniker des Zweckverbandes Radegast steht vor der Haustür. Das Problem ist schnell erkannt. „Bagger bestellen?“, fragt der  Techniker. Eine Reaktion, die Schlomm stutzig macht, denn   aus seiner Sicht ist der kommunale Verband  für das Leck zuständig. Doch Fehlanzeige: „Der Mitarbeiter machte unmissverständlich klar, dass unser Haus vor 1990 einen Hausanschluss erhalten hat. Folglich müssten wir die Kosten übernehmen“, so der Klein Rünzer.

  Zeit für Debatten war angesichts  der  „sprudelnden  Quelle“  nicht. Der Familienvater greift mit Sohnemann zum Spaten, gräbt 1,20 Meter tief. Der Zweckverband repariert das Leck und Schlomm  schließt die Baugrube. „Ehrlich, ich verstehe das nicht. Ich zahle wie alle anderen Kunden 1,70 Euro für den Kubikmeter Trinkwasser und  muss  die Kosten an meiner Hausanschlussleitung selbst tragen. Mein Nachbar nicht“, stellt der Bewohner der Bergstraße verwundert fest.

Er fühlt sich  ungleich behandelt.  Grund:  Alle  Hausbesitzer, die sich vom Verband einen Hausanschluss legen lassen haben, erhielten   mit der Umstrukturierung im  Trinkwassersektor vor einigen Jahren die sogenannten Anschlussbeiträge vom Verband zurück. Sie müssen die Reparatur nicht zahlen. Die daraus resultierenden höheren Wasserpreise seien  aber für alle Kunden bindend.  „In einer Gebühr muss doch alles drin sein, auch Reparaturen“, sagt Klaus-Peter Schlomm.

   Dirk Fröhling,  Technischer Leiter beim Zweckverband Radegast, rät zu einer differenzierten Betrachtung: „Wir reparieren auf  Verbandskosten nur eigene Anlagen, nicht private.“ Der Zweckverband habe auf Grundlage des Einigungsvertrages  seine Satzung erlassen. „Wurden die Hausanschlüsse nach 1990 gebaut , sind diese im Eigentum des Zweckverbandes. Alle zuvor  gebauten, liegen in der Unterhaltungspflicht des Hauseigentümers“, sagt Fröhling. Die Altanschließerbeiträge und deren  Rückzahlung beinhalteten lediglich das  öffentliche Trinkwassernetz. Die Kosten dafür, die  werden heute über die Trinkwassergebühr gedeckt. „Die Hausanschlüsse sind außen vor“, sagt  Fröhling.  Anders bei einem  Neubau: „Lässt Herr Schlomm von uns einen neuen Trinkwasserhausanschluss  bauen, geht die Leitung in die Zuständigkeit des Verbandes“, so Fröhling weiter.Volker Bohlmann

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen