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DEUTSCHE EINHEIT : Ein Fest von Bürgern für Bürger

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

In Schlagbrügge feiern Hunderte die Wiedervereinigung mit einem Sternenmarsch /Teilnehmer erzählen von ihren Erinnerungen

Was für ein Fest! Der Tag hätte schöner nicht sein können: Hunderte waren gekommen, um am Sonnabend unter der strahlenden Herbstsonne in Schlagbrügge die Silberhochzeit von Ost und West zu feiern. Aus Schlagsdorf und Schlutup, aus Groß Molzahn und Groß Grönau und vielen anderen Gemeinden waren sie in einem Sternmarsch nach Schlagbrügge gezogen. Begleitet vom Fanfarenzug aus Groß Grönau und der Utechter Blaskapelle.

Es schienen kaum weniger Menschen auf den Beinen als vor 25 Jahren. Am Ende passte keine Maus mehr in die Schlagbrügger Reithalle und noch immer standen viele draußen. Und es wurde Wort gehalten: Keine ausschweifenden Politikerreden zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung, sondern ein Fest von Bürgern für Bürger wurde in Schlagbrügge gefeiert. Schließlich war auch die friedliche Revolution vom Volk ausgegangen. Die Politik hatte sich nur auf den fahrenden Zug gesetzt.

Wenige wissen, wie schmal der Grad zwischen Frieden und Krieg damals wirklich war. „Bei der ersten Demo in Leipzig warteten Chirurgenteams auf Abruf und Leichensäcke lagen bereit“, erzählt der Ratzeburger Historiker Hartwig Fischer. Zusammen mit seiner Frau Heike hat er ein Buch über die Grenze zwischen Nordwestmecklenburg und dem Herzogtum Lauenburg geschrieben.

„Es war hochemotional“, erzählt Hartwig Fischer, 1990 Geschichtslehrer in Ratzeburg. „Als in Mustin die Grenze geöffnet wurde und ’Nun danket alle Gott’ erklang, haben alle geweint.“ Seine Frau Heike ergänzt: „Ende 1990 war so gut wie nichts mehr von der alten Grenze zu sehen.“

Natürlich dürfen auch Geschichten aus dem Publikum nicht fehlen. Als er vom Moderator und Thandorfer Bürgermeister, Wolfgang Reetz, gefragt wird, gesteht der 85-jährige Otto-Peter Semper: „In unseren Herzen war das vereinigte Deutschland der ideale Zustand.“ Der gebürtige Lübecker Reetz übrigens ging nach der Maueröffnung in den Osten. Seine Co-Moderatorin Corinna Kindereit den umgekehrten Weg: aus Groß Molzahn nach Mechow.

„Sie sind meinem Mann damals vor Freude um den Hals gefallen“, verrät die ehemalige Lehrerin Ingrid Lappe. Ihr Mann war zuständig für die Auszahlung des Begrüßungsgeldes in Ratzeburg.

Erinnerungen ganz anderer Art rief Stargast „Bauer Korl“ ins Gedächtnis, begrüßt die Bürger aus den „verbrauchten“ Bundesländern: „25 Jahre ist es her, dass wir Euch befreit haben. So’n Leben hinter Mauern, das war doch nix.“

Was für eine gelungene Silberhochzeit.







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