Lottihof bei Mühlen Eichsen : Ein Fest für Mensch und Tier

Streicheleinheiten für die Esel: Hannah und Cathrin Ahrens putzen die Grautiere.
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Streicheleinheiten für die Esel: Hannah und Cathrin Ahrens putzen die Grautiere.

In Seefeld bekommen Vierbeiner ihr wohlverdientes Gnadenbrot und Zweibeiner wichtige Informationen

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21. August 2016, 21:00 Uhr

So viele Streicheleinheiten bekommen die Eseldame Lotti und die vier anderen Grautiere auf dem Lottihof von Seefeld an normalen Tagen nicht. Doch am Sonnabend wurde auf dem Gnadenhof für Tiere – etwas abseits der Landesstraße zwischen Dalberg und Mühlen Eichsen gelegen – Sommerfest gefeiert. Hunderte Schaulustige kamen. Und die wollten nicht nur schauen. „Die meisten Tiere lassen sich anfassen“, sagt Lottihof-Chefin Christine Geburtig. „Sie sind ja ihr Leben lang den Umgang mit Zweibeinern gewöhnt.“ Beim Sommerfest konnten auch ungeübte Besucher Esel putzen, Kaninchen streicheln, Hunde ausführen – im Beisein eines geübten Tierfreundes.

„Ich bin an jedem Sonnabend hier“, erzählt die elfjährige Hannah aus Dalberg. Gemeinsam mit ihrer Mutter Cathrin Ahrens gehört das Mädchen zum Helferkreis, der dem zehnköpfigen Team vom Lottihof zur Seite steht. „Es ist wichtig, dass die Kinder nicht nur vor dem Fernseher oder Computer sitzen“, betont Cathrin Ahrens. „Hier lernen sie den Umgang mit Tieren und sind viel draußen.“ Und die Dalbergerin packt selbst mit an, weil sie erlebt, wie hier hoch betagten und teilweise ausgesetzten Tieren geholfen wird. Am Sonnabend gehörten Mutter und Tochter zu den Helfern, die die Besucher über das elf Hektar große Areal führten, die Tiere vorstellten und auch zeigten, wie ein Esel richtig geputzt wird.

„Richtig schön hier, besonders für Kinder“, lobt Michael Woyke aus Schwerin. Seine beiden Kinder waren schon mit der Kita-Gruppe hier, seine Frau als Begleiterin. Das Sommerfest bot die beste Gelegenheit zum Familienausflug, so dass auch der 38-Jährige den Lottihof kennen lernen konnte. Marco Bandow (30) von der Insel Poel kam ebenfalls mit der Familie nach Seefeld: „Wir waren in der vorigen Woche da, da war nicht viel los. Deshalb sind wir erneut gekommen.“ Für die beiden Familienväter wurde es zudem richtig anstrengend: Sie traten beim Heuballen-Rollen gegeneinander an. Dabei musste ein 70 Kilogramm schwerer Ballen erst 30 Meter bergab und dann die Strecke wieder bergan gerollt werden: Eine Mitmachaktion – wie auch das Schubkarren-Rennen, das Floßfahren auf dem Teich und die Schatzsuche im Räuberwald.

Mit dem Hoffest im Sommer will der Lottihof für sich und den Tierschutz werben. Schon 2011 begann Christine Geburtig mit Hilfe ihrer Familie und der Aktion Tier damit, den Hof aufzubauen. Die Idee kam ihr, weil sie einen Alterssitz für die Eseldame Lotti benötigte. Gemeinsam mit dem Grautier war Christine Geburtig zuvor im Berlin in einem Kinderhospiz tätig. Und aus dem einen Tier wurden schnell viele. Derzeit leben 16 Pferde, 29 Schafe, 7 Ziegen, 5 Esel, 3 Alpakas, ein Hängebauchschwein, ein Graupapagei, 12 Katzen, 6 Hunde, 13 Kaninchen, 5 Chinchillas und unzähliges Federvieh auf dem Lottihof. Gerade erst kamen zehn Pferde hinzu, weil am Niederrhein ein Gnadenhof aufgelöst werden musste.

„Wir haben Christine Geburtig beim Aufbau des Lottihofes von Anfang an unterstützt“, berichtet Doreen Huff von der Aktion Tier. Mehr als 100 Tierheime, Gnadenhöfe und Wildtier-Auffangstationen in Deutschland gehören zu den Partnerprojekten dieses Vereins. Neben dem artgerechten Umgang mit den Tieren geht es dabei auch immer um den Kontakt zu den Menschen, insbesondere Kindern. Schulklassen und Kindergruppen besuchen so den Lottihof. Und seit diesem Frühjahr gibt es auf dem Kinderbauernhof für 30 Kinder und Betreuer die Möglichkeit zu übernachten und so ganze Projektwochen zu gestalten.

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