Interview mit dem Bürgermeister von Thandorf : Ein Campingplatz würde nur die Ruhe im Dorf stören

Wolfgang Reetz ist Bürgermeister der Gemeinde Thandorf.
Wolfgang Reetz ist Bürgermeister der Gemeinde Thandorf. Foto: Holger Glaner

Thandorfs Bürgermeister im SVZ-Interview über junge Familien, Angebote für Jugendliche und Tourismus-Projekte

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19. November 2017, 21:00 Uhr

Thandorf – eine 150-Seelen-Gemeinde. Und damit die kleinste im Landkreis Nordwestmecklenburg. Aber eine, die immer wieder von sich reden macht. Trafo-Bar, Postleitzahlen-Fest, Schräggatter, nicht zu vergessen das schon legendäre Schubkarren-Rennen über den Dorfteich. Nun trafen sich die sieben Gemeindevertreter hinter verschlossenen Türen zu ihrer jährlichen Perspektivtagung. Bürgermeister Wolfgang Reetz verrät SVZ-Redakteur Holger Glaner, was sich dahinter verbirgt.

Perspektivtagung – das klingt mächtig gewaltig. Und was ist es tatsächlich?

Wolfgang Reetz: Eine sehr intensive Zusammenkunft aller Gemeindevertreter, bei der wir eine Rückschau auf das hinter uns liegende Jahr nehmen und Antworten auf die verschiedensten Fragen diskutieren. Was war gut, was weniger gut? Wo können wir noch besser werden? Wo ist was liegen geblieben und vor allem, warum? Wie ist die Stimmung im Dorf? Und natürlich blicken wir nach vorn auf Projekte, die wir in Angriff nehmen wollen. Getreu unserem Motto „Gestalten statt verwalten“ wollen wir Trends erkennen und Möglichkeiten ausloten, was den Einwohnern, dem Dorf und der Region nützt. Und zwar in genau dieser Reihenfolge.

Dann plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen.

Zuerst einmal geht es nicht darum, zu besprechen wo welcher Baum gefällt oder ein Papierkorb angebracht werden soll. Wir sprechen über Projekte mit Langzeitwirkung für das Dorf. Über die Erhöhung der Attraktivität von Thandorf, die Schaffung der dafür erforderlichen Infrastruktur, über die Planung von Veranstaltungen.

Welche konkreten Projekte stehen an?

Wir möchten junge Familien aufs Land ziehen, fünf neue Baugrundstücke stehen dafür zur Verfügung. Die müssen wir aber noch besser ans Dorf anbinden. Für einen neuen Gehweg fehlt allerdings das Geld, der würde uns 425 000 Euro kosten. Eine Alternative wäre die Befestigung des Grünstreifens. Auch eine neue Bushaltestelle ist in diesem Zusammenhang geplant und bereits genehmigt. Aus Kostengründen müssen wir die aber erst einmal zurückstellen.

Fünf junge Familien, deren Kinder schnell älter werden. Wie wollen Sie die in einer so kleinen Gemeinde bespaßen?

Darüber machen wir uns tatsächlich Gedanken. Wir denken beispielsweise über den Ausbau des Dorfgemeinschaftshauses nach, das ja wegen des dort installierten mobilen Internetzugangs bereits jetzt ein beliebter Anlaufpunkt für Jugendliche ist. Die Schaffung eines separaten Raums als Treffpunkt für Jugendliche wäre durchaus denkbar.

Und wie steht es um die Wirkung nach außen, Stichwort touristische Angebote?

Konkret diskutieren wir über die Schaffung von Stellflächen für Wohnmobile. Das ist doch ein Riesenmarkt. Und nachwirkend findet sich vielleicht sogar jemand, der dafür einen Brötchenservcie auf die Beine stellt. Das soll kein riesiger Wohnmobilpark werden, nur ein paar Stellplätze in der Nähe des Dorfteiches. Und wenn wir dann noch eine Ladesäule für Elektroautos aufstellen, würde das unseren Ort noch einmal aufwerten.

Wie wärs dann vielleicht noch mit einem Campingplatz?

Nein, der passt nicht nach Thandorf. Der würde viel zu viel Unruhe ins Dorf bringen.

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