Gadebusch : Ein Brückenschlag gen Westen

Günter Blankenberg: „Wir waren 1989 zwar hoffnungsvoll nach Trittau gefahren, hatten aber auch Angst, als wir uns auf den Weg nach Hause machten. Denn damals war vieles unklar.
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Günter Blankenberg: „Wir waren 1989 zwar hoffnungsvoll nach Trittau gefahren, hatten aber auch Angst, als wir uns auf den Weg nach Hause machten. Denn damals war vieles unklar.

Vor 25 Jahren unterzeichnete der damalige Bürgermeister Günter Blankenberg den Partnerschaftsvertrag mit Trittau

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22. September 2015, 23:34 Uhr

„Feiern Sie mit uns!“ – unter diesem Motto wird am Vorabend des Einheitstages die 25-jährige Partnerschaft von Trittau und Gadebusch gefeiert. Den Vertrag dafür unterzeichneten 1990 die damaligen Bürgermeister Jochim Schop und Günter Blankenberg. SVZ-Redakteur Michael Schmidt sprach mit dem heute 75-jährigen Blankenberg über die Anfänge dieser Verbindung in der Wendezeit.

Was bedeutet Ihnen das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft mit Trittau?

Günter Blankenberg: Das Persönliche steht bei mir nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist, dass diese Städtepartnerschaft ein Vierteljahrhundert lang gehalten hat, so wie es damals unser Wunsch war. Das ist einerseits schön, andererseits gibt es noch viel zu tun, dass Deutsche gleich denken.

Wie meinen Sie das?

Aus wirtschaftlicher Sicht ist man sich sicherlich näher gekommen. Aber in den Köpfen einiger Menschen gibt es leider immer noch ein Ost-West-Denken. Im Fall von Gadebusch und Trittau ist aber zu konstatieren, dass jeder vom anderen viel gelernt hat – auf der sozialen Strecke, aber auch im Bereich der Infrastruktur.

Wie kam es damals zu ersten persönlichen Kontakten mit Trittau?

Indem wir am zweiten Wochenende nach der Grenzöffnung mit einem Škoda Richtung Hamburg fuhren und plötzlich das Schild Trittau sahen. Dieser Ortsname war mir in Erinnerung, also sind meine Frau und ich spontan dorthin abgebogen. Denn ich wollte wissen, wer Jahre vor der Wende aus Trittau einen Brief an die Stadt Gadebusch geschrieben hatte. Das Schreiben landete damals beim Rat des Kreises, Abteilung Inneres. Und dann tat sich nichts, da Berlin zu jener Zeit noch keine Freigabe für Partnerschaften kleiner Städte gegeben hatte. Zu erwähnen ist, dass die Trittauer uns auch schon 1972 einen Brief geschickt und sich um eine Partnerschaft mit Gadebusch bemüht haben sollen. Davon haben wir aber erst in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre etwas erfahren.

Wem begegneten Sie als erstes in Trittau?

Einem Mitarbeiter einer Tankstelle, den ich nach dem Namen und Weg zum Bürgermeister fragte. Danach sind wird zum Haus meines Amtskollegen gegangen und haben einfach an dessen Haustür geklingelt und uns vorgestellt. Ein  „Kommen Sie rein, kommen Sie rein“, war die Folge und ein persönlicher Brückenschlag von Ost nach West war gelungen. Festzuhalten ist aber auch: Wir waren zwar hoffnungsvoll nach Trittau gefahren, hatten aber auch Angst, als wir uns auf den Weg nach Hause machten. Denn in der damaligen Zeit war vieles unklar. Als wir Zuhause ankamen, standen vor unserer Tür viele Kerzen, damals gab es in der Stadt eine Demo des Neuen Forums. Als ich die Kerzen sah, meinte ich scherzhaft zu meiner Frau: „Also mir ist schon lange ein Licht aufgegangen.“

Mit welchen Erwartungen schlossen Sie im Februar 1990 den Partnerschaftsvertrag ab?

Eines der Ziele war, dass sich Menschen aus Ost und West endlich näher kommen und kennen lernen können. In den Jahren zuvor durften meistens nur Rentner nach „drüben“ fahren.

Welche Erwartungen haben Sie für die Zukunft?

Es wäre wünschenswert, wenn wir die begonnenen Verbindungen unterschiedlicher Interessengruppen aktivieren könnten. Nämlich, dass Vereine, Schulen und die Bürger beider Städte wieder näher zusammen rücken. Dabei ist klar, dass die Euphorie von damals nicht 25 Jahre lang anhalten würde. Aber am 2. Oktober besteht in Trittau die Möglichkeit zusammen zu feiern. Das sollten sich die Menschen nicht entgehen lassen.

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