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Debatte in Wismar : Echte Arena oder nur Investruine?

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Unter dem Arbeitstitel „WISMarena“ könnte in Wismar für 63 Millionen Euro eine Multifunktionsarena mit 10 000 Sitzplätzen entstehen

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 20:45 Uhr

Medienauflauf im Senatszimmer des Wismarer Rathauses. Kein Wunder, wenn der Investor eines 63 Millionen Euro schweren und spektakulären Projekts selbiges erstmals der Öffentlichkeit präsentieren will. Der Mann heißt Waldemar L. Vogt, ist Geschäftsführer der Investorengruppe Fox & Friends Ltd & Co. KG, und will in der Kreisstadt eine Multifunktionsarena für Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Messen und Geschäftskunden-Events mit einer Kapazität von 10  000 Sitzplätzen errichten. Ein zusätzliches kleines Sportcenter für 1500 Besucher, eine Außensportanlage sowie ein Reha-Zentrum inklusive. 120 Arbeitsplätze sollen entstehen, 353  350 Menschen die Einrichtungen jährlich frequentieren.

„Auf die Stadt Wismar kommen keinerlei Kosten zu“, versichert der Bankkaufmann aus dem baden-württembergischen Ludwigsburg. Die würde lediglich das Gelände rund um das marode Kurt-Bürger-Stadion, wo der neue Komplex entstehen soll, im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages zur Verfügung stellen. Zur Finanzierung stünden zwei US-amerikanische Privatinvestoren sowie eine große deutsche Versicherung zur Verfügung. Namen werden keine genannt. Darüber hinaus hofft der 52-Jährige auf Fördermittel aus Schwerin. 16,5 Millionen Euro soll das Wirtschaftsministerium locker machen. Erste Gespräche gab es bereits. Gegenüber SVZ erklärte Gunnar Bauer als Pressesprecher des Ministeriums, dass noch Unterlagen eingereicht und geprüft werden müssen, um festzustellen, ob das Vorhaben überhaupt förderfähig sei. „Wenn eine Förderfähigkeit vorliegen sollte, würde eine Entscheidung auch von einer volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Prüfung abhängig gemacht werden“, so Bauer.

Fließt allerdings weniger Geld aus dem Fördertopf, wird’s mit der Finanzierung eng. Und fließt überhaupt kein Geld aus der Landeskasse in das Projekt Multifunktionsarena nach Wismar, steht das gesamte Vorhaben in Frage. Doch was dann? – Offensichtlich umdenken. „Als bekannt wurde, dass wir diese Arena für Wismar planen, traten auch andere Kommunen mit der Frage an uns heran, warum man das Projekt denn nicht bei ihnen realisieren würde. Unter anderem auch die Hansestadt Lübeck“, erklärt Investor Vogt.

In der Verwaltung der Wismarer Partnerstadt indes hat man von derlei Vorstößen noch nichts gehört. „Bei uns ist davon niemandem etwas bekannt, weder dem Bürgermeister Bernd Saxe noch Bausenator Franz-Peter Boden“, sagt die Pressesprecherin der Hansestadt Lübeck, Nicole Dorel.

Auch die Präsentation des millionenschweren Projekts stimmt nachdenklich: Mappe statt Computeranimation, abschweifende Antworten auf konkrete Fragen. So gebe es beispielsweise auch keine Computergrafik des spektakulären Baus. „Wir warten noch auf das Signal von der Stadt, dass die Arena wirklich gewollt ist, dann legen wir los“, sagt Architekt Mirko Riede aus Peine. Und von „bestimmten“ Konzerten, mit denen man in Wismar Fuß fassen könne, spricht Stefanie Lemmermann. „Da denke ich beispielsweise an Ina Müller oder TV-Produktionen mit Carmen Nebel oder das Musikantenstadl“, so die Geschäftsführerin der Hamburger Veranstaltungsagentur „smart and more“.

Ungewohnt zurückhaltend bewertet Thomas Beyer das Ganze. „Wir müssen erst die Gewissheit haben, ob das ein Projekt ist, das sich nachhaltig trägt oder am Ende eine Investruine wird“, so der Wismarer Bürgermeister.

Kommentar: Nicht ernst nehmen
Mal ganz ehrlich: Wer braucht diese Arena? Hat irgendjemand dafür Bedarf angemeldet? Unmittelbar nebenan steht das Kurt-Bürger-Stadion, das für  fünf  Millionen Euro saniert werden kann. Die Drittliga-Handballerinnen sind in der Sporthalle Bürgermeister-Haupt-Straße gut aufgehoben, das aufwendig sanierte Theater ist Spielstätte kultureller Höhepunkte. Carmen Nebel, Ina Müller und das Musikantenstadl  – na ja. Aber was passiert zwischen solchen Events? Sporttalente, die dort angeblich zu Spitzensportlern ausgebildet werden sollen, bringen kein Geld, die kosten eher. Und wie man Bedürftigen, die nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt in der Wismarer Tafel nach Lebensmitteln anstehen, weil sie kein Geld für das Nötigste haben, diesen 63 Millionen-Bau erklären will, ist mir schleierhaft. Meine Meinung: Dieses Projekt am besten gar nicht erst ernst nehmen.
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