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Digitale Bücher : eBooks bedrohen lokalen Buchhandel

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Internetverkäufe von Literatur führen zu Einbußen. Die Stadtbibliothek Wismar verzeichnet Anstieg der Downloads von Büchern

svz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 00:00 Uhr

E-Mails, Sms, elektronische Grußkarten und Zeitungs-Apps – die Welt wird unaufhaltsam digital. Auch beim Buch macht die Technik keinen Halt. Seit einigen Jahren gibt es Bücher nicht mehr ausschließlich in der über Jahrhunderte bewährten, gedruckten, sondern auch in der elektronischen Form – als eBooks. Und die sind auf dem Vormarsch: Rund fünf Prozent des Umsatzes der Buchbranche mache mittlerweile der Verkauf der elektronischen Bücher aus, sagt Michael Menard, der Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Die Umsätze werden sich in den nächsten Jahren wohl so bei 30 Prozent für die eBooks und 70 Prozent für Literatur auf dem Papier einpendeln,“ schätzt der Fachmann. Wenn sich seine These bewahrheite, müssten sich die Buchhändler vor Ort auf das Geschäft mit den elektronischen Bücher einstellen, sonst ginge ein Teil der Umsätze an ihnen vorbei, so Menard.

Doch die Umstellung auf elektronische Bücher fällt schwer. „Ich bin Haptikerin und habe lieber ein Buch in der Hand. Ein eBook käme für mich nicht in Frage“, sagt Kerstin Schnürl, Buchhändlerin aus Gadebusch. Zudem sei bei ihrem Kundenstamm die Nachfrage nach eBooks nicht so groß, sagt sie. Auch ihr Kollege Bernd Resenhöft, Inhaber einer Buchhandlung in Schönberg, sagt, der Verkauf von eBooks sei bei ihm noch nicht stark angelaufen. „Wir haben zwar schon eBooks verkauft, aber nicht so viele. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen immer noch gern Bücher in die Hand nehmen“, so Resenhöft.

Was allerdings den lokalen Buchhändlern Sorge bereitet, ist der Verkauf von Literatur über das Internet, in Supermärkten und Geschäften abseits des regulären Buchhandels. Dies führe zu Umsatzeinbußen. Seit 1997 konnte die Gadebuscher Buchhändlerin Kerstin Schnürl beobachten, dass sich das Kaufverhalten in der Buchbranche sehr verändert habe. „Die Verkäufe sind zurückgegangen“, macht sie deutlich. Besonders problematisch ist für Schnürl der Internetversand von Büchern. Große Buchhändler wie Thalia oder Hugendubel bieten eine nahezu unüberschaubar große Anzahl von Büchern auf ihren Internetseiten an – mit Lieferung per Post oder in die Filiale. Sie stellten so eine massive Konkurrenz zu den lokalen Buchhandlungen dar, sagt Schnürl. „Dabei ist vielen Käufern vielleicht auch gar nicht klar, dass es eine feste Buchpreisbindung in Deutschland gibt“, sagt sie. Deshalb kostet das Buch im Laden von Kerstin Schnürl genauso viel, oder sogar noch weniger, wie im Internet, weil das Porto wegfällt. „Wenn jemand bei mir bis 15 Uhr ein Buch bestellt, ist es am nächsten Tag schon da und zur Abholung bereit“, so die Buchhändlerin. Das wüssten viele nicht, bedauert sie.

Kerstin Schnürl fühlt sich durch den ansteigenden Verkauf von eBooks und Büchern im Internet verunsichert und in ihrer Existenz bedroht: „Ich weiß nicht, wohin das führen soll. Wer weiß wie lange wir uns als Einzelhändler in Kleinstädten noch halten können“, sagt sie.

Von einer generellen Krise des Buchhandels könne man jedoch nicht sprechen, sagt der Geschäftsführer des Börsenvereins. „Der stationäre Buchhandel hat in 2013 zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Plus erwirtschaften können.“ Menard verweist zudem besonders auf die Umsätze der Verlage: „Diese verzeichnen seit neun Jahren einen stetigen Zuwachs. Das muss an dem neuen Vertriebsweg, dem Internethandel, liegen.“

Trotz des ansteigenden Internethandels von Büchern sieht Menard im stationären Buchhandel eindeutige Vorteile: „Die Stärke der Händler vor Ort liegt vor allem darin, Inspiration zu geben.“ Und darauf baut auch Kerstin Schnürl: „Wir bieten besonderen Service an, den man Online so nicht bekommt: Wir beraten, packen Bücher als Geschenk ein und der Kunde hat die Chance, hier bei uns direkt ins Buch zu schauen und zu gucken, ob es ihm zusagt.“

Die Stadtbibliothek Wismar verzeichnet indes eine ansteigende Nachfrage nach eBooks. Das ließe sich aus den vielen Anfragen zur Mecklenburg-Onleihe ablesen. Die Mecklenburg-Onleihe bietet mittlerweile 8000 Medien zum Download für Bibliotheksbenutzer an, darunter auch Zeitungen und Zeitschriften. Zudem bietet die Bibliothek Lesern am 11. Februar um 10.30 Uhr und um 16.30 Uhr einen Kurs an, bei dem Fragen zur Nutzung der Onleihe beantwortet werden. Um Anmeldung zu der Veranstaltung unter 03841-251 40 26 oder stadtbibliothek@wismar.de wird gebeten.

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