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Filmreihe in Schlagsdorf : Durch die Ostsee in die Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Rostocker Erhard Schelter ließ seine DDR-Flucht von 1974 verfilmen und beantwortete im Grenzhus Fragen

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Genau 14 Mal hat der Rostocker Erhard Schelter sich bei der DDR-Handelsflotte und später auch bei der Fischfangflotte beworben. 14 Mal wurde er abgelehnt und sollte sich einen Beruf „landseitig“ suchen. Eine alleinstehende Tante im „Westen“ wurde ihm Ende der 1960er Jahre dabei zum Verhängnis. 1974 hatte der ehemalige Leistungsschwimmer von Empor Rostock die Nase voll und verließ schwimmend von Boltenhagen bis nach Travemünde die DDR. Seine Geschichte hat der Hamburger Regisseur Arend Agthe 2012 verfilmt, 2013 kam die Dokumentation „Über das Meer“ ins Fernsehen und wenig später ins Kino. Nun schauten ihn sich die Gäste im Schlagsdorfer Grenzhus an. Protagonist Erhard Schelter und Arend Agthe standen nach dem Film Rede und Antwort.

„Der Deutschlehrer meines Sohnes erzählte, sein Nachbar hätte da eine dolle Geschichte erlebt. 99 Prozent der Geschichten sind es nicht wert, verfilmt zu werden, aber das hier war echt der Knaller“, erklärte Agthe. Stundenlang hörte der Regisseur sich die Geschichte des heute 76-Jährigen an, drei Mal trafen sie sich, ehe das Drehbuch und der Film entstanden. „Ich war überrascht, als Arend auf mich zukam, denn man muss sich ja komplett öffnen. Aber dann habe ich gesagt, warum nicht“, erzählte Erhard Schelter, der ebenfalls in Hamburg wohnt. 1974 flüchtete er genau unter einem Wachturm am Strand von Boltenhagen Richtung Travemünde, ließ seinen sechsjährigen Sohn und seine Frau zurück. Immer dabei, ein erst eine Woche zuvor kennengelernter zweiter Flüchtiger, der allerdings nach einer Stunde aufgab und von Schelter 30 Stunden lang durch die Ostsee gezogen wurde. Zahlreiche günstige Umstände bis hin zur Rettung durch ein Schiff der TT-Line kurz vor der dem Aufgriff durch ein Patrouillenboot der DDR-Marine schildern der Film und Schelter in zahlreichen spannenden Erzählungen und Geschichten.

1978 sah Schelter Frau und Sohn wieder, 1982 ließen sie sich scheiden, sind bis heute Freunde.

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