Kurdirektor auf Poel im Interview : Dünen, Seegras und Bürokratie

In Sachen Tourismus hat Markus Frick auf der Insel Poel noch einiges vor. Doch Bürokratie und Gesetze machen dem Kurdirektor das Leben schwer.
In Sachen Tourismus hat Markus Frick auf der Insel Poel noch einiges vor. Doch Bürokratie und Gesetze machen dem Kurdirektor das Leben schwer.

Markus Frick ist Kurdirektor auf der Insel Poel, hat Spaß an seinem Job und mit manchen Themen seine liebe Not

von
03. Mai 2018, 12:00 Uhr

Mit dem Sandburgenwettbewerb startet die Insel Poel am 5. Mai offiziell in die neue Urlaubssaison. 620 000 Übernachtungen zählte die Insel in der Wismarbucht im vergangenen Jahr. Wie die 2500 Insulaner sich auf den diesjährigen Urlauberansturm vorbereiten, verrät Kurdirektor Markus Frick im Interview mit SVZ-Redakteur Holger Glaner.

Wie ist die Insel auf die neue Saison vorbereitet?
Markus Frick: Wie in jedem Jahr haben wir die Insel beim traditionellen Frühjahrsputz auf Vordermann gebracht. Einheimische und Gäste waren unter dem Motto „Poel räumt auf“ gleichermaßen dabei. Staubsauger, Autoreifer, Fernsehgeräte – da kommt jedes Jahr so einiges an Müll ans Tageslicht.

In welchem Zustand befinden sich die Steilküstenabschnitte nach den Stürmen der vergangenen Monate?
Da haben wir jedes Jahr ein paar Abbrüche. Doch diesmal war es halb so schlimm. Die gefährdeten Stellen haben wir aber entlang der Trampelpfade auf den Steilküsten beschildert, um die Gäste dort möglichst fernzuhalten.

Mehr Sorgen als die letzten Stürme hatten uns allerdings die durch das starke Hochwasser im Januar 2017 verursachten Schäden bereitet. Das hatte uns etliche Meter Strand gekostet, weil Sand in großen Mengen weggespült wurde. Im vergangenen Sommer haben wir uns noch mit einer Notlösung behelfen müssen. Doch für diese Saison haben wir alles wieder schick gemacht.

Im vergangenen Jahr war immer wieder zu beobachten, dass Urlauber es sich in den eigentlich geschützten Dünen bequem machten. Wie kann das künftig verhindert werden?
Die Dünen sollen das Hinterland vor Sturmfluten schützen und dürfen deshalb nicht beschädigt werden. Doch weil dort aus Kostengründen seit eineinhalb Jahren keine Dünenzäune mehr stehen, kümmert das – trotz Verbotsschilder – etliche Besucher nicht. Keine Barriere, kein Unrechtsbewusstsein. Jetzt will uns das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt als Verwalter des landeseigenen Strandes Pflöcke und Draht zur Verfügung stellen, um gut drei Kilometer Dünenzäune zum Schutz vor unbefugtem Betreten wieder aufstellen zu können.

Angeschwemmtes Seegras ist ein Problem in vielen Küsten-Gemeinden. Wie gehen die Verantwortlichen auf Poel damit um?
Das ist ein ganz schwieriges Thema. Wenn wir das Seegras am Strand liegen lassen, beschweren sich die Urlauber. Aber in dem Moment, in dem wir es entsorgen, wird das Seegras per Abfallgesetz zu Müll und müsste in einer Abfallbeseitigungsanlage aufwendig entsorgt werden. Im Moment handhaben wir das so, dass das Seegras und der darin befindliche Sand in einer Trommelsiebanlage voneinander getrennt werden. Anschließend wird der Sand von einem Institut beprobt und chemisch analysiert. Wenn diese Probe positiv ausfällt, dürfen wir den ausgesiebten Sand zurück an den Strand schaffen. Das Problem bleibt aber die übrige Biomasse. Das Ganze kostet uns jährlich rund 160 000 Euro. Zum Vergleich: Durch die Kurabgabe erzielen wir jährliche Einnahmen von rund 770 000 Euro.

Denkt man an Top-Urlaubsziele im Ausland, fällt auf, dass in puncto Strandanimation oder aber kulinarischer Versorgung zwischen Boltenhagen, Poel und Usedom wenig passiert. Woran liegt das?
Bürokratie und Einschränkungen durch gesetzliche Vorgaben. So ist laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie außerhalb der Strände in Gollwitz, Schwarzer Busch und Timmendorf alles, was über den gemeinen Gebrauch – also baden und spazieren – hinaus geht, verboten.

Beispiel Landeswaldgesetz. Das untersagt die Errichtung baulicher Anlagen in einem Abstand von weniger als 30 Metern zu einem Wald. Die Baumstreifen, die beispielsweise bei uns am Schwarzen Busch den Strand von dem Hinterland trennen, fallen per Defintion bereits unter die Begrifflichkeit eines Waldes. Also dürfte auf der Promenade kein Crepes-Stand, kein Grill- oder Fisch-Imbiss sein Geschäft betreiben. Dabei geht es doch nur um die Strandversorgung während der Saison-Monate. Angesichts dieser Rahmenbedingungen suchen wir nach sinnvollen Alternativen.

Tourismus ist neben der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftsfaktor auf Poel. Und wir haben noch eine Menge in der Planung: den Neubau der maroden Aussichtsplattform am Schwarzen Busch, die Schaffung barrierefreier Strandzugänge, die Versorgung der Strände mit Internet, den Bau einer Slipanlage im Kirchdorfer Hafen und den seit 2012 in Planung befindlichen Neubau vom Haus des Gastes.

Aber die gesetzlichen Hürden und der bürokratische Aufwand, um all das zu realisieren und den Job als Kurdirektor machen zu dürfen, steigen von Jahr zu Jahr. Unsere Gäste erwarten jedoch zurecht eine gepflegte Infrastruktur und attraktive Rahmenbedingungen. Diese Dinge in Deckung zu bringen ist eine große Herausforderung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen