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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

18. Oktober 2017 | 22:35 Uhr

Rehna : Dreiste Abzocke statt Erster Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Berliner Unternehmen Defimed wirbt mit Defibrillatoren und installiert sie nicht. Rehnaer Unternehmen fühlen sich betrogen, inzwischen ermittelt die Polizei

von
erstellt am 07.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Rehna Lebensrettung durch Sponsoring: Mit diesem  Leitspruch wirbt das Berliner Unternehmen Defimed  um finanzielle Unterstützung. Aktuell geht es um die  Aufstellung von Defibrillatoren –  Geräte, bei denen mit einem Stromstoß beispielsweise  Herzkammerflimmern und  Herzrhythmusstörungen entgegengewirkt werden kann. Ein Engagement, das zu zahlreichen Haustürgeschäften in Nordwestmecklenburg führte.  Im Ergebnis fühlen sich zahlreiche Unternehmen  in Rehna abgezockt. Jetzt ermittelt die Polizei in 18 Fällen.

Unter ihnen befindet sich Hans Georg Haupt aus Rehna. Der Betreiber der „Moordiele“ ist  bedient,  hat die Nase voll von  Defimed und seinen  Geschäftspraktiken.   „Das Telefon klingelt und  der Vertreter erzählt, dass er im Auftrag des Landkreises arbeitet, da nimmt man sich  schon  mal  ein wenig Zeit“, sagt Haupt. Das vorgetragene Anliegen, mit  der Installation von Werbetafeln die Anschaffung  von  Defibrillatoren im öffentlichen Raum zu ermöglichen, das  sei auch löblich gewesen. Drei Standorte waren im Gespräch.  Neben der Schule Lüdersdorf auch die Stadt Rehna, erzählt er. Nach einer Bypass-OP  weiß er, was lebensrettende Maßnahmen bedeuten.  Folglich zögert Haupt nicht  und signalisiert Unterstützung und handelt monatliche  Raten bei einer Laufzeit von drei Jahren aus. Unterm Strich kommen 720 Euro Werbebeitrag zusammen.  Der  Vertreter legte den Vertrag  zur Unterschrift vor:  „24 mal 30 Euro, ich dachte das geht“, sagt Haupt. 

 Einen Durchschlag ließ der Außendienstmitarbeiter nicht   da.  Kurz darauf kam das böse Erwachen. „Zwei Rechnungen mit Beträgen von rund 487 Euro flatterten ins Haus“, so Haupt.   Anders als vereinbart. Erst auf Nachfrage  habe er bei Defimed einen  Vertragsdurchschlag per Fax erhalten.  Der wurde augenscheinlich geändert: „Sämtliche  Vereinbarungen wurden darauf gestrichen, handschriftlich Änderungen vorgenommen und  eine weitere Kostenpauschale draufgesetzt“,  so Haupt.

 Nicht weniger gelinkt fühlt sich Apotheker Sven Koloske. Auch er  gibt seine Unterschrift für eine Anzeige  und Installation auf einer Werbetafel mit Defibrillator in Rehna. Er erhält einen Durchschlag. Sein Fehler:  Das Kleingedruckte auf der Rückseite findet  im Glauben, Gutes zu vollbringen, keine Beachtung. „Eine Vertragskündigung ist schwer möglich“, so Koloske.

 Derartige Geschäftspraktiken sprechen sich in Rehna herum.  Die Unternehmer werden stutzig und finden sich zum Krisengespräch zusammen.  „Die Beiträge wurden anscheinend willkürlich gewählt, zwischen dreistelligen und vierstelligen Summen im Jahr bei unterschiedlichen  Laufzeiten“, so Koloske. Das sind Tausend Euro für die mehrere Defibrillatoren hätten gekauft werden können.  In Rehna selbst  wurde bis heute kein einziges Gerät installiert. 

Einzig und  allein  im Atrium der Schule Lüdersdorf lässt Defimed die Werbefläche für einen bereits vorhandenen Defibrillator  erweiterten. „Die Firma wollte noch mehr an Werbung unterbringen. Das haben wir abgelehnt“, sagt die Schulsekretärin  gegenüber der SVZ.  Sie selbst sei erstaunt über die umfangreiche Werbung aus Rehna. In ihrem Hause handele es  sich  um  eine  Erneuerung des Kooperationsvertrages.

Landrätin Kerstin Weiss weist jede Form von Unterstützung oder gar Schirmherrschaft  für das Defimedprojekt zurück.  Das Unternehmen  selbst  hält sich bedeckt.  Lediglich ein Anrufbeantworter meldet sich unter der Berliner Firmennummer.  Trotz Bitten um Rückruf, meldet sich niemand  in der SVZ-Redaktion. Bewegung gibt es hingegen bei der  Kriminalpolizei: „Uns liegen bislang 18 Fälle vor“, so die Polizeisprecherin. Eine Bewertung durch die Staatsanwaltschaft steht noch aus. 

Das Berliner Unternehmen machte bereits in Wismar von sich reden. Auch dort  wurden anscheinend Unternehmen mit falschen Versprechungen geködert.  In Rehna  wird deutlich: Verdient hat  anscheinend nur Defimed, die Menschen und hilfsbereiten Unternehmen  haben das Nachsehen.

Volker Bohlmann

 

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