Die etwas andere Bürgerbefragung in Thandorf : Drei Wünsche an die Gemeinde

Bürgermeister Wolfgang Reetz und Gemeindevertreter Henry Michaelis besuchen Michael Blanke(v.l.) und drücken  geben ihm die Umschläge für seine vierköpfige Familie.
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Bürgermeister Wolfgang Reetz und Gemeindevertreter Henry Michaelis besuchen Michael Blanke(v.l.) und drücken geben ihm die Umschläge für seine vierköpfige Familie.

Ideen, Tipps, Anregungen: Gemeindevertreter verteilen Wunschzettel, damit das Leben in Thandorf bald noch ein bisschen mehr Freude machen soll

svz.de von
15. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Noch gut eine Woche, dann ist Weihnachten. Jetzt ist die Zeit der Wunschzettel. Und „Wünsch dir was“ heißt es auch in Thandorf, denn dort wurde am Sonnabend eine außergewöhnliche Aktion gestartet. Unter dem Motto „Drei Wünsche für Ihre Gemeinde“ haben der Bürgermeister und die sechs anderen Mitglieder der Gemeindevertretung allen 162 Einwohnern einen Wunschzettel in den Briefkasten gesteckt.

Auf dem Wohnzimmertisch von Bürgermeister Wolfgang Reetz türmen sich die Briefumschläge. Die Kuverts sind weiß, die Namen der Adressaten sind aufgeklebt. Aber Briefmarken sind nicht nötig, denn alle Umschläge werden persönlich in die 62 Haushalte in den wenigen Straßen von Thandorf und Schlagsülzdorf gebracht. Ob der sechs Monate alte Tamme oder die 93-jährige Liane Lafrenz – sie alle bekommen persönlich Post von ihrer Gemeinde. In den Umschlägen sind Zettel, auf denen die Bewohner des Dorfes ihre Anregungen, Ideen und Gedanken aufschreiben können, denn die Gemeindevertretung möchte wissen, was sich die Einwohner für das Leben in Thandorf wünschen.

„Wir möchten erfahren, wodurch das Leben hier noch ein bisschen mehr Freude machen kann“, sagt Wolfgang Reetz. Die Idee zu dieser Aktion stamme, so der Bürgermeister, aus den Niederlanden. Dort bekamen alle Bürger einen Wunschzettel, als Königin Beatrix im Frühjahr abdankte und den Stab an ihren Sohn Willem-Alexander weiter reichte. „Auf unserer Perspektivtagung im November haben wir uns dann entschlossen, diese Idee auch bei uns umzusetzen“, ergänzt Michaelis. Auf der Perspektivtagung der Gemeindevertreter geht es um die Zukunft des Dorfes, darum, wie es sich für die kommende Zeit positionieren will, wie es mit der Frage der Selbstständigkeit oder mit den Auswirkungen des demografischen Wandels umgeht.

Jetzt gehen Reetz, Michaelis und Co. aber er einmal los, um die Briefe im Dorf zu verteilen. Bis auf ein paar Senioren, die bereits bei der Weihnachtsfeier vom Wunschzettel erfuhren, wissen die Einwohner Thandorfs nämlich noch nichts von dieser Aktion. „Ihr habt aber tolle Ideen“, sagt Michael Blanke und nimmt die Briefumschläge für seine Frau und die beiden Kinder Jonna und Tamme entgegen, als die beiden Gemeindevertreter vor seiner Tür stehen. Jonna ist drei Jahre alt. Sie wird bestimmt nichts schreiben. „Aber ihr könnt das Kind auch einen Vorschlag etwas malen lassen“, schlägt Michaelis vor. Michael Blanke, der vor drei Jahren nach Thandorf gezogen ist, will sich Gedanken machen. „Es muss ja nicht unbedingt etwas materielles sein. Vielleicht etwas für die Gemeinschaft“, denkt er schon einmal laut nach.

Bis zum 24. Dezember können er und alle Dorfbewohner die Wunschzettel im extra für diesen Anlass aufgestellten Briefkasten am Gemeinschaftshaus wieder einwerfen. Im Januar wollen die Gemeindevertreter die Zettel auswerten, bei der Einwohnerversammlung Ende März dann Vorschläge erörtern und Stellung zu Umsetzungsmöglichkeiten nehmen. Einen Vorschlag haben sie schon bekommen. Auf der Seniorenweihnachtsfeier wurde ein „Plattdeutscher Abend“ in Thandorf angeregt. „Gute Idee“, finden Reetz und Michaelis. Viele weitere Ideen sollen jetzt folgen.

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