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Massentierhaltung : Dragun hat Angst vor der Gülleflut

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gemeinde lehnt den Ausbau des Milchbetriebs auf 1600 Tiere ab. Fragen zur Güllebeseitigung und Betriebsführung sind noch ungeklärt.

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erstellt am 16.Jan.2015 | 21:15 Uhr

Das landwirtschaftliche Unternehmen Poortinga GbR baut die Milchproduktion aus, plant eine Erweiterung des Tierbestandes (plus 526) auf insgesamt mehr als 1600 Tiere. Der dafür notwendige Ausbau der Stallanlagen sorgt in Dragun für reichlich Diskussionsstoff.

Entsprechende Planungen der Poortinga GbR lehnte die Gemeindevertretung jetzt in geschlossener Sitzung ab. Nach SVZ-Informationen konnte das gemeindliche Einvernehmen auf Grund fehlender Unterlagen und Mängel in den Planungsunterlagen nicht erteilt werden.

Hauptkritikpunkt sind demnach fehlende Nachweise über den Verbleib anfallender Gülle, nicht genehmigte Güllebehälter am Schönfelder Weg (5500 Kubikmeter), unvollständige Bauzeichnungen als auch naturschutzrechtliche Hinweise des Landkreises. Der Kreis prüft gegenwärtig das Projekt und zieht die Gemeinde in die Entscheidungsfindung mit ein.

„Die Kommune hat kaum Möglichkeiten, gegen das privilegierte Vorhaben von Landwirten vorzugehen, kann nur gehört werden“, so Rommy Elßner vom Amt Gadebusch. Somit richtete die Gemeindevertretung am Donnerstag einen Appell an Investor Jacob Poortinga, der aus Sicht der Bürger in den zurückliegenden Jahren deutliche Spuren hinterließ.

Horst Kraus, Bürger aus Neu Dragun, nahm in der vorausgegangenen öffentlichen und sachlich geführten Debatte dennoch kein Blatt vor dem Mund: „Ihr habt keinen Plan. Wohin mit der Gülle? Somit fahrt ihr achtmal im Jahr eure Gülle auf die Wiesen. Pestizide und Dünger kommen oben drauf. Dabei tourt Ihr ohne Rücksicht auf Abstände und die Natur, zerfahrt die ländlichen Wege.“

Landwirt Jacob Poortinga wehrt sich: „Wir arbeiten nach Vorschrift, so wie es verlangt wird“. Diese würden aber nicht eingehalten, monieren daraufhin Kraus und weitere Bürger auf der Sitzung. Sie berichten angesichts fehlender Kapazitäten anfallender Gülle von „Umpumpaktionen in den Nachtstunden“, daraus resultierender Geruchsbelästigung und das fehlende „Feingefühl für ein besseres Miteinander“.

Poortinga verweist auf die Düngemittelverordnung, sein geführtes „Mineralienbuch“ und das alles besser werde, wenn denn nur der neue Stall erst stehe. Aber eben genau daran zweifeln die Bürger, befürchten mit einem wachsenden Tierbestand größere Güllemengen und ein weiteres „Ignorieren von Umweltschutzvorgaben“.

Bürgermeisterin Sabine Schirrmeister macht deutlich: „Herr Poortinga, das Thema Gülle haben wir öfter angesprochen.“ Besser sei es nicht geworden. Folglich würden die Bürger die Arbeitsweise monieren, dabei möglicherweise auch das Staatliche Amt für Umwelt und Natur einbeziehen, so Schirrmeister weiter.

Bürger und Gemeindevertretung verdeutlichen, dass es ihnen letztlich nicht um den Tierbestand geht, sondern mit den sich draus ergebenen Belastungen und Folgen für die Natur. Des Weiteren herrscht Verwunderung darüber, dass die geplante Biogasanlage zur Verarbeitung der Gülle auf Grund fehlender lukrativer Förderung nicht mehr gebaut werden soll.

Bei den Dragunern wächst damit die Befürchtung, dass die Gülle gänzlich und ohne Vorbehandlung auf den Wiesen und Feldern landet. Als grundsätzliches Problem wird dabei die Flächenverteilung angesehen. Dem Landwirtschaftsbetrieb gehören laut Debatte 500 Hektar, für weitere 8000 Hektar sollen lediglich kurzfristige Pacht- und Güllerverträge bestehen. Somit stuft die Gemeinde den Betriebsausbau als erhebliches Risiko ein.  

 

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