„Begegnung, Information, Willkommen“ : Dragun begrüßt seine Flüchtlinge

Said aus Syrien erklärt den Draguner welche Route er für seine Flucht genommen hat.   Fotos: manja nowitzki
Said aus Syrien erklärt den Draguner welche Route er für seine Flucht genommen hat.

Einwohner lernen bei Infoveranstaltung 14 Syrer kennen. Kirchgemeinde will bei Ausstattung der Wohnungen helfen

svz.de von
08. November 2015, 21:00 Uhr

Die große Weltpolitik ist im kleinen Dorfgemeinschaftshaus von Dragun angekommen. Seit Dienstag leben 14 syrische Flüchtlinge in Dragun und ohne viel Zeit zu verlieren, haben die Kirchgemeinde, der Kultur- und Sportverein, die Gemeinde selbst und die Wohnungsgesellschaft Radegasttal eingeladen. „Begegnung, Information, Willkommen“ stand auf dem Zettel, der an die Einwohner verteilt wurden. Und die Draguner beweisen, dass zum Willkommenheißen erst einmal nicht viel gehört: Kaffee und Kuchen und ein paar Einwohner, die Englisch sprechen.

Die Bürgermeisterin Sabine Schirrmeister zum Beispiel. Ihr gehen die Worte in geschliffenem Englisch über die Lippen. „We wish and work for a better understanding“, sagte Bürgermeisterin Schirrmeister und übersetzte an ihre Einwohner gleich, „wir wünschen uns eine bessere Verständigung und werden dafür arbeiten.“ Weil das noch Zukunftsmusik ist, übernahm Said aus Syrien die Übersetzung ins Arabische.

Am 1. November hat der Landkreis Nordwestmecklenburg drei Wohnungen in Dragun gemietet. Drei Tage später zogen die neuen Bewohner bereits ein. Viel Zeit zur Vorbereitung blieb nicht. Deshalb sollte es für die Draguner am Sonnabend die Möglichkeit geben, nachzufragen, Bedenken zu äußern und Hilfe anzubieten. Die 13 syrischen Männer und die junge Frau auf der anderen Seite sollten ihre Nachbarn kennenlernen und sich vorstellen.

Matthias de Boor von der Kirchengemeinde hatte im Saal des Dorfgemeinschaftshauses eine große Landkarte aufgehängt und zeigte den Weg, den die Flüchtlinge genommen haben. Syrien, Türkei, mit dem Boot nach Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich und dann ins sichere Deutschland. Über einen Monat sind die Syrer um ihr Leben gelaufen.

In Dragun geht es jetzt erst einmal um praktische Hilfe.„Wir wollen koordinieren, was gebraucht wird“, sagt de Boor. Der Landkreis habe große Schwierigkeiten, schnell Wohnungen zu finden und dann auch noch eine Ausstattung dafür zu organisieren.

Der Nordwestkreis hat zur Unterstützung ehrenamtlicher Helfer wie in Dragun eine Broschüre zum Thema Asylbewerber herausgegegeben. Darin werden Antworten auf die Frage nach den Asylverfahren, Zuständigkeiten und Ansprechpartnern gegeben.

Doch das größte Problem in Dragun löst keine Broschüre. Der Bus verkehre nicht regelmäßig, sagt Erich Weidemann vom Kultur- und Sportverein. Aber auch dafür werden die Dragun sicher eine Lösung finden. So viel ist am Sonnabend klar geworden.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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