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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. Oktober 2017 | 21:24 Uhr

gottesgabe : Dieter Muche übergibt Staffelstab

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Bürgermeister verlässt nach 18 Jahren die Kommunalpolitik / Infrastruktur erneuert, kleine Schandflecke im Ortsbild bleiben

von
erstellt am 03.Jun.2014 | 00:00 Uhr

Dieter Muche geht: Nach 18 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit als Bürgermeister von Gottesgabe reicht der 74-Jährige in wenigen Wochen den Staffelstab an Bärbel Jürß weiter. Es ist ein Wiedersehen, denn Jürß übergab 1996 die Amtsgeschäfte an Muche. Nun sei es aber an der Zeit für einen Wechsel. „Bis zum 80. Geburtstag wollte ich nicht das Amt bekleiden“, meint Dieter Muche und lacht.

Gottesgabe hat sich in zwei Jahrzehnten verändert, wurde aus der Kommune mit ihren Ortsteilen Groß Welzin, Klein Welzin und Rosenhagen sowie Gottesgabe ein ansehnlicher Ort zum Leben. „Wir verfügen heute über eine gesunde Infrastruktur. Ende der 1990er-Jahre haben wir eine Prioritätenliste erstellt. Rosenhagen stand ganz oben auf. Straßen, Wege, Spielplatz sowie die Beleuchtung wurden komplett im Ort erneuert“, erinnert sich Muche. In Gottesgabe könne sich heute kaum noch jemand an das Kopfsteinpflaster der Ortsdurchfahrt erinnern. Für Turbulenzen sorgte der Ausbau der Kreisstraße als Ortsdurchfahrt in Klein Welzin. Der Streit um die Kastanien blieb in Erinnerung. Bürger setzten sich für den Erhalt der Allee ein, forderten eine schmale, statt nach Normen ausgebaute Ortsdurchfahrt. Man habe richtig gehandelt, meint Muche, „alles ist bestens angelegt, neue Bäume gepflanzt.“

Der Gemeindechef blickt weiter zurück. Der Mann aus der Oberlausitz kam 1963 nach seinem Studium für Landwirtschaft in die damalige LPG „Theodor Körner“ nach Gottesgabe. Aufbauarbeit war gefordert, denn die Menschen sollten ausreichend versorgt sein. Folglich war Muche in den 26 Jahren bis zur Wende am Aufbau der landwirtschaftlichen Produktion beteiligt. Mit dem Mauerfall erlebte er auch den Niedergang der Produktionsstätte. Die Spuren sind heute in Gottesgabe noch sichtbar. Dazu gehören die Reste der ehemaligen Schweinestallanlage, die ein privater Investor einst zum Bauland umfunktionieren wollte und der ehemalige Kuhstall. Dieser beherbergt heute das Gemeinschaftshaus. „Ein gutes Projekt“, sagt Muche. Der Gemeinde und den Menschen im Ort sei es nach dem Niedergang der LPG gelungen, ein neues Zentrum zu schaffen. „,Jugend baut auf’ hieß das Programm mit dem Arbeitsamt. Zwölf junge Menschen waren daran beteiligt. Sechs davon wurden mit Fertigstellung in 2003 von der Baufirma übernommen“, sagt er. In Eigenregie beräumte die Kommune das umliegende Areal. So etwas verbinde.

Ob bei all den Projekten immer alles perfekt gelaufen ist, könne er nicht sagen. „Das Schlechte vergeht und als Mensch erinnert man sich generell lieber an die positiven Geschichten“, sagt der 74-Jährige. Für ihn gebe es nur einen Schlüssel zum Erfolg: „Es ist immer gut mit den Menschen, der Feuerwehr und dem Dorfclub zusammenzuarbeiten, denn allein kann lässt sich als Bürgermeister nichts bewerkstelligen – man braucht immer Unterstützung.“

So wurde Bauland, das die Kommune einst verkaufte, vom Bund neu bewertet, musste teuer bezahlt werden - und der Erlös ging an den Bund. „Knapp 200 000 Euro mussten wir als Kommune zahlen“, erinnert sich Muche. Dennoch sind Bauflächen in allen Orten entstanden.

Ganz ohne Schandflecke geht es nicht. Dazu gehört das verwilderte Baugebiet „Schweinemast Gottesgabe“ und in Klein Welzin ein privates Grundstück an der Ortsdurchfahrt. Das eingestürzte Haus gilt als öffentliches Ärgernis. „Viel Papier haben wir beschrieben. Der letzte Brief ist vom 15. Mai 2014 – der Besitzer hat erneut gewechselt. Der Landkreis kennt das Problem, bearbeitet den Vorgang. Da es sich um Privatland handelt, sind uns die Hände gebunden“, sagt Muche. Ordnungsverfügung, Versteigerung – nichts habe zum Ziel geführt. Folglich wird der Schandfleck bleiben. „Es gibt nur eine Möglichkeit: Die Gemeinde geht in puncto Abriss in Vorkasse, aber das können wir uns nicht leisten“, sagt Dieter Muche. So bleibt die Beseitigung der Spuren des Verfalls eine Aufgabe für Muches Nachfolgerin.


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