zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

22. November 2017 | 08:33 Uhr

Wismar : Die zweite Chance für junge Leute

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Projekt „Just“ - Jugend stärken“ ermöglicht Jugendlichen und jungen Erwachsenen neue Zukunftsperspektiven

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 07:45 Uhr

„Ohne das Projekt wäre ich den Bach runter gegangen“, erzählt die junge Frau am Kaffeetisch und berichtet aus ihrem Leben. Den Schulabschluss hat sie, dann hört es auf. Keine Ausbildung, keinen Job, keine Perspektive. Mit den falschen Freunden kam der Alkohol dazu.

Sandra ist 24 Jahre alt und kommt aus Dorf Mecklenburg, ihren Klarnamen möchte sie in der Zeitung nicht lesen. Genauso wie der gleichaltrige Michael aus Wismar. Keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, keine Arbeit. Dafür die Computerspielsucht und 100 Kilogramm Übergewicht.

Es hätte böse enden können mit den beiden jungen Menschen. Die beiden Sozialpädagogen Stine Stefan und Bernd Schindler versuchen das zu verhindern. Und haben erste Erfolge. „Ich möchte Altenpflegerin werden“, erzählt Sandra mit leuchtenden Augen vom großen Traum. Vom Ziel im Leben. Vorher, bevor sie Bernd Schindler als Betreuer im Projekt „Just“ an die Seite bekam, hatte sie „zu nichts Lust“. Das Leben organisieren, Bewerbungen schreiben, sich um Rechnungen und Ämtergänge zu kümmern – vieles blieb auf der Strecke.

Bei der „berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme“, in die das Jobcenter sie steckte, glänzte sie durch Fehlzeiten und brach ab. „Ich habe große Fehler gemacht und mich mit den falschen Leuten eingelassen, das habe ich nun gemerkt“, erzählt die junge Frau. „Ich hätte schon so viel haben können, wenn ich das nicht abgebrochen hätte. Aber aus Fehlern lernt man und ich hab's gelernt, ich möchte jetzt einfach nicht mehr zu Hause sitzen, ich will arbeiten!“

Das ständige zu Hause sitzen wurde auch für Michael zum Problem. Statt zu arbeiten spielte er Computer, den Frust stopfte er mit vielen Kalorien in sich hinein. Irgendwann war der Körper zu schwer, die Wege zum Arzt oder zur „Maßnahme“ zu anstrengend. Den Teufelskreis galt es zu durchbrechen. Die Wohnung entmüllt, erste Termine beim Arzt und der Adipositas-Sprechstunde im Wismarer Krankenhaus gemacht, die Schuldnerberatung in Anspruch genommen – das bisher erreichte ist viel, wenn auch erst der Anfang.

Sandra und Michael sind dank der aufmerksamen Berater im Jobcenter in das Projekt gekommen. „Auf solche Menschen sind wir angewiesen“, weiß Stine Stefan. Denn die Chance, dass einer ihrer „Klienten“ sich einen Flyer schnappt und von sich aus die Hilfe sucht, ist gering. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 26 Jahren können mitmachen. „Ziel ist es, dass die Menschen merken, dass sie etwas verändern können in ihrem Leben“, erzählt Stine Stefan. Sandra: „Aber man muss den Mut und den Willen dazu haben!“ Michael: „Und die Einsicht, dass man was verändern muss.“ Einsicht, Mut und Willen haben die beiden nun dank vieler Gespräche und ganz praktischer Hilfe. Der Rest wird, so die Hoffnung, kommen.

Hintergrund und Kontakt

Seit Januar 2015 und bis Ende 2018 läuft das Projekt „Just“ in Trägerschaft der Wismarer AWO. Dank Förderung des Landkreises Nordwestmecklenburg, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und ESF-Fördermittel der Europäischen Union können Betroffene bis zu eineinhalb Jahre lang begleitet werden. Insbesondere, wenn der Schulabschluss durch eine aktive oder passive Schulverweigerung gefährdet ist, die Menschen Hilfe beim Erwerb der Berufsreife brauchen, der Abschluss der berufsvorbereitenden Maßnahme oder der Ausbildung gefährdet ist oder wenn die Jugendlichen an sich in schwierigen Lebenslagen stecken, können die Fachleute von „Just“ helfen.

Kontakt: AWO Soziale Dienste gGmbH Wismar, Erich-Weinert-Promenade 2,  23966 Wismar, Telefon: 03841-710020

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen