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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. November 2017 | 19:54 Uhr

Seehafen Wismar : Die Zugpferde der Ostsee

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Früher waren Schlepper im Seehafen von Wismar Teil des Alltags, heute dient die Hansestadt als Umschlagplatz für die bulligen Kraftpakete.

„Fairplay XII“ steht weit sichtbar an Rumpf und Aufbauten eines See-Schleppers zu lesen. Einst war es ein gewohnter Anblick im Hafen. Heute ist es eher seltene Präsenz, wenn so ein Schlepper zwischenzeitlich im Wismarer Alten Hafen festmacht, wie kürzlich an der so genannten Multimedia-Pier.

Wenig später nimmt das schwimmende Kraftpaket mit seiner 3360 PS starken Antriebsleistung Kurs auf die Werft-Dockhalle, wo bereits der zweite Schlepper „Bugsier 16“ wartet. Die gemeinsame Aufgabe: Das bereits gelenzte Dockhallentor ist herauszuziehen, an die Seite zu legen und am Ende wieder einzuschwimmen. Dann gilt es, einen See-Ponton gemeinsam an den Haken zu nehmen und in die Dockhalle zu schleppen.

Solche Aktionen sind längst zur Routine geworden. Spätestens dann, als in Wismar noch Neubauschiffe „am laufenden Band“ die Dockhalle verließen. Zudem florierte noch das Schlepper-Alltagsgeschäft im Seehafen. Deshalb verfügte Wismar damals über eine eigene Schlepperbasis.

„Präsent im Hafen sind wir nur noch, wenn größere Schiffe Unterstützung anmelden“, weiß „Fairplay“ Kapitän Wolfgang Künzel. Das maritime Urgestein ist seit 1971 mit der Seefahrt verwachsen und ab 1975 auf Schleppern tätig. Seit 15 Jahren hat er selbst das Kommando. Doch seit 2008 hat die internationale Schifffahrtskrise in dieser Branche vieles verändert. Das weiß auch Frank Herzer nur allzu gut.

Er ist seit 2002 Regionalchef in Rostock-Warnemünde, einer von sieben Standorten der Reederei Fairplay-Towage. Sie versteht sich als Arbeitsgemeinschaft zwischen der holländischen und polnischen Küste. Aufgrund der damaligen Entwicklung wurde in Wismar der gesamte Festmacherdienst abgegeben. Damit befindet sich auch kein Schlepper mehr vor Ort. „ Das bedeutet wir mobilisieren und demobilisieren von Rostock nach Wismar und zurück“, erklärt Herzer weiter.

Folglich fallen pro Einsatz in Wismar zusätzlich vier Stunden Überfahrt an. Die Schleppercrew lebt mit diesem Umstand, denn sie hat ohnehin 14 Tage am Stück an Bord Dienst, gefolgt von einer ebenso langen Freizeitabgeltung. „Einen solcher Zwei-Wochen-Dienste lässt sich gut aushalten und die Familie hat sich darauf eingestellt“, findet der gestandene Schlepperkapitän, der inzwischen die 60 überschritten hat. Und wie andere kann auch er eine Menge erzählen, von Fahrten mit dem einst größten deutschen Eisbrecher und Schlepper „Stephan Jantzen“.

Mit dem 5  400 PS Kraftpaket und einem 150 000 Tonnen Tanker an der Leine, war er damals noch als Matrose bis nach Portugal unterwegs. „Doch das ist wieder eine andere Geschichte“, meint er mit einem Lächeln.

Jetzt heißt es erst einmal diesen Job zu Ende bringen. Denn der beladene See-Ponton, den beide Schlepper am Vortag anlieferten, muss endlich in die Halle. Und das war, trotz des nasskalten Wetters mit schlappen zwei Grad plus und einer frischen Briese, recht schnell erledigt. Kurz zuvor war noch fix ein schneller Bordbesuch möglich. Erster Eindruck: Angenehme Wärme herrscht im Schiffsinneren und ebenso im rundum verglasten Ruderhaus. Deshalb kann sich Käpt’n Künzel auch eine kurzärmlige Anzugsordnung leisten. Zudem zog ein angenehmer Mittagsduft durch das Schiff. Weil Sonntag standen Rouladen auf dem Speiseplan für die dreiköpfige Crew, zu der ebenso ein Maschinist und Bootsmann gehören. Bei längeren Fahrten über See würden in der kleinen, aber gemütlichen Messe noch zwei Gedecke mehr aufgelegt sein. Denn das 30 Meter lange und zehn Meter breite „maritime Zugpferd“ verfügt insgesamt über fünf Kojenplätze.

 

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