Natur und Grenze : Die Würstchenbude am Grenzturm

Kurt Schmischke aus Lassahn  ist beeindruckt von der Fotoschau, die er mit seinem Bild „Grenzturm und Würstchenbude“ mitgestaltet.  Fotos: volker bohlmann
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Kurt Schmischke aus Lassahn ist beeindruckt von der Fotoschau, die er mit seinem Bild „Grenzturm und Würstchenbude“ mitgestaltet. Fotos: volker bohlmann

Fotoschau zeigt die Entwicklung der Natur in der Schaalseeregion

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06. November 2014, 23:35 Uhr

Rückbau am Todesstreifen: DDR-Grenzsoldaten tragen einen Wachturm ab. „Das ist mein Bild, aufgenommen in Lassahn, am Weg zur Stintenburg“, sagt Kurt Schmischke. Vor mehr als zwei Jahrzehnten drückte der Senior aus Lassahn auf den Auslöser seiner Kamera und fing eine durchaus groteske Situation im ehemaligen Grenzland zwischen der DDR und Bundesrepublik ein. „Grenzsoldaten rissen nach dem Fall der Mauer den Beobachtungsturm ab, direkt davor stand eine Würstchenbude, sie wurde unmittelbar nach den Wendetagen aufgestellt, Stiefmütterchen daneben gepflanzt. Den Strom erhielten die Betreiber vom Wachturm. Mit dem Abriss wurde die Leitung gekappt, verschwand die Würstchenbude“, erinnert sich Schmischke.

Der Lassahner ist einer von zehn Fotografen, die Arbeiten aus der Wendezeit für die Fotoausstellung „Natur und Grenze“ des Fördervereins des Unesco Biosphärenreservates Schaalsee und des Biosphärenamtes im Grenzhus Schlagsdorf bereitstellten. „Ein gelungener Spannungsbogen, bei dem alte Aufnahmen und neue Bilder die Standorte auch aus heutiger Sicht zeigen“, sagt Klaus Jarmatz, Leiter des Amtes für das Biosphärenreservat. Die Ausstellung verdeutlicht, wie „der Todesstreifen zur Lebensbühne wurde“, sagt Landrätin Kerstin Weiss.

Bereits 1990 gehörte der Naturpark Schaalsee zum Tafelsilber und wurde im Einigungsvertrag eingebracht. Heute gehört die Biosphäre zum Grünen Band, ein Naturschutzprojekt von 8500 Kilometern durch 24 europäische Staaten. Am Schaalsee ist der Todesstreifen nach 25 Jahren verschwunden, die Natur hat sich ihr Terrain zurückerobert. „Wer Spuren finden will, der muss schon sehr genau hinschauen“, sagen Heike und Hartwig Fischer aus Ratzeburg. Das Paar war nach dem Fall der Mauer ständig im Gebiet unterwegs, fotografierte und dokumentierte die Grenzanlagen. Ein Großteil ihrer Arbeiten bestimmt die eindrucksvolle Fotoschau. Passend dazu stellen sie am morgigen Sonnabend ihr Buch „25 Jahre grenzenlos – Weltgeschichte vor der Haustür“ im Grenzhus vor. Im Vorfeld der Fotoschau gingen die Ratzeburger mit den Juniorrangern der Regionalschule Schlagsdorf auf Spurensuche. „Sie hatten Erfolg und fanden u.a. in Lassahn die Kloppstockeiche“, so Ranger Mario Axel. Ihre Fotodokumentation ist Teil der Ausstellung.

Deren Eröffnung ließ sich Kneeses Bürgermeister Hans-Jürgen Hoffmann nicht entgehen. Er zeigt auf ein Mauerbild: „Die stand in Dutzow, der Blick auf den See war komplett versperrt.“ Als Kinder seien sie durch den Zaun zum Angeln am See gestiegen. „1970 wurde die Grenze komplett dicht gemacht“, erinnert sich Hoffmann. Der Rückbau ab 1989 ging schneller als zahlreiche Menschen sich je erträumt hatten. Heute blicken die Dutzower auf Bäume und ihren See. Genau diese Dynamik der Gesellschaft und der Natur zeigt die Ausstellung. Heike und Hartwig Fischer drücken ihre Hochachtung vor den Menschen in der ehemaligen DDR aus, „die durch ihren Mut die Grenze öffneten“ und ein bedeutendes Stück Natur sich frei entfalten durfte.
 

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