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Flüchtlinge in MV : Die Welt in einem Klassenzimmer

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Russen, Ukrainer, Afghanen, Bosnier, Albaner und Syrer drücken gemeinsam die Schulbank – Probleme scheinen da programmiert

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Ein ganz normales Klassenzimmer in einer ganz normalen Berufsschule. Doch etwas ist anders. Und zwar völlig anders als im Zimmer nebenan. Denn die 18 jungen Menschen, die hier in der Beruflichen Schule des Landkreises in Wismar gemeinsam die Schulbank drücken, stellen auf wenigen Quadratmetern das Abbild einiger der schlimmsten Krisengebiete der Welt dar. Sie kommen aus Russland und der Ukraine, aus Afghanistan, Bosnien, Albanien und Syrien. Da scheinen Probleme vorprogrammiert - Gemischte Klassen von jungen Männern und Frauen. Junge Männer, die es ablehnen, von Frauen unterrichtet zu werden. Islamische Feiertage, an denen die Schüler dem Unterricht schon mal fernbleiben.

„Es stimmt, das kann hier und da zu echten Problemen führen, von denen wir bislang weitestgehend verschont geblieben sind“, sagt Holger Stein. Weitestgehend. Denn zum Opferfest, einem der wichtigsten Feiertage der islamischen Welt, das in diesem Jahr zwischen dem 24. und 27. September gefeiert wurde, fanden an zwei Tagen neun Schüler der Asylbewerberklasse nicht den Weg in die Schule. „Für den Schulbesuch muss es allgemeingültige Regeln geben. Und im deutschen Schulsystem gibt es ja bereits festgelegte Feier- und Ferientage. Daran sollten sich ausländische genauso wie deutsche Schüler und Auszubildende gleichermaßen halten müssen. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun“, so der 58-jährige Leiter des Berufsschulzentrums Nord (BSZ Nord).

Ein Jahr lang büffeln die jungen Asylbewerber jetzt 25 Stunden pro Woche die deutsche Sprache. Hausaufgaben inklusive. Doch: deutsche Sprache schwere Sprache. Und dass die meisten von ihnen diesbezüglich bei Null anfangen, macht die Sache nicht gerade einfacher. Das weiß insbesondere auch Sylwia Machmüller. Die 40-Jährige wurde in Polen geboren und ist heute Dozentin bei der SBW Aus- und Fortbildungsgesellschaft für Wirtschaft und Verwaltung mbH in Schwerin. Und als solche ist sie für vorerst ein Jahr am BSZ Nord dafür zuständig, ausländische Schüler in der deutschen Sprache so fit zu machen, dass sie im Anschluss eine Berufsausbildung beginnen können oder aber in ein berufliches Orientierungsjahr gehen. „Ich habe unseren Schülern von vornherein gesagt, dass dieses ein richtig hartes Jahr für sie werden wird. Aber die meisten machen ihre Sache gut. Einige sind super fleißig, andere eher weniger. Also wie eine ganz normale Klasse mit deutschen Schülern“, so Sylwia Machmüller.

Eine ihrer eifrigsten Schülerinnen ist Heda Schichmursaera. Die 17-Jährige kam bereits vor neun Monaten aus dem krisengeschüttelten Tschetschenien nach Deutschland und lebt derzeit in Grevesmühlen. Ja, der Unterricht am Berufsschulzentrum mache ihr Spaß. Und sie weiß, was sie will. „Ich habe ein großes Ziel, ich möchte Medizin studieren und Chirurgin werden.“

 

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