Dorf Mecklenburg : Die Welt der alten Schätzchen

Sekt zur Funktionstaufe für einen 25 PS Diesel aus dem Jahre 1924. Nach zehn Jahren Aufbauarbeit tuckert das Herzstück der historischen Stromerzeugungsanlage wieder. Gern ließ Falko Hohensee den Sekt sprudeln, während Oliver Kuntz den Motor bediente.
Sekt zur Funktionstaufe für einen 25 PS Diesel aus dem Jahre 1924. Nach zehn Jahren Aufbauarbeit tuckert das Herzstück der historischen Stromerzeugungsanlage wieder. Gern ließ Falko Hohensee den Sekt sprudeln, während Oliver Kuntz den Motor bediente.

Großer Besucherandrang im Kreisagrarmuseum zum 24. Treffen „Oldtimer und PS-Raritäten“ / Taufe eines 91-jährigen Diesels

svz.de von
08. September 2015, 12:00 Uhr

Es dröhnte, lärmte, die Luft war von Qualm gebeizt und die Einhaltung der Abgasnormen stand ausnahmsweise außen vor. Der Grund: Das 24. Treffen von „Oldtimer und PS Raritäten“ am Kreisagrarmuseum in Dorf Mecklenburg.

Aktive wie Besucher schienen die wenig verheißungsvollen Wetterprognosen zu ignorieren und strömten wie gewohnt in Massen der beliebten Veranstaltung entgegen. Petrus war wohl zeitweise gnädig gestimmt. Zumindest bis Sonnabendmittag durften sich die gut 60 Autos, mehr als 120 Zweiräder, sowie etwa 50 betagte Traktoren, Lastwagen und Stationärmotoren noch fast trocken präsentieren. „Wir konnten sogar im offenen Wagen anreisen“, freuten sich Petra und Dietmar Albuschat aus Bad Kleinen. Sie kam im Triumph „Spitfire“ von 1964 angefahren und er im Skoda „Felicia“ von 1960. Die getreue Gruppe der „Jawa Wings“ aus Magdeburg und Umgebung hatte im Ort bereits am Vortag ihr Stammquartier bezogen. Zwar aus Ludwigslust stammend, aber weiterhin eng befreundet mit den Zweiradfreunden aus Sachsen/Anhalt, war auch diesmal Wilfried Bahnemann, genannt Jawa Opi wieder dabei. Der 79-jährige fuhr diesmal auf dem Sozius mit. „Dies ist für mich noch immer ein echter Kult“, erklärt er begeistert.

Mit 80 Jahren gilt ebenso Kurt Demuth aus Dechow zu den ältesten und noch aktiven Teilnehmern und ist zudem noch Mitglied der IG Oldtimer am Kreisagrarmuseum. Seinen betagten Motorroller „Wiesel“, mit dem er einst gemeinsam mit seiner Frau zum Standesamt fuhr, hatte er allerdings zu Hause gelassen. „Im Privatauto fährt es sich bei diesem Wetter bequemer“, so sein Kommentar.

Im Gegensatz dazu dröhnte Bruno Kniep mit dem 180 PS starken Traktorengiganten T    150 K von 1978 aus Selmsdorf heran. Eine Stunde und 45 Minuten benötigte er mit seinem sehr gepflegten Liebhaberstück zur Premiere im Kreisagrarmuseum.

Nicht ganz so weit hatten es die Mahnkes aus Neukloster. Vater Rolf (75) fährt eine Triumph BD 250 W und diese ist damit noch immer ein Jahr älter als sein einstiges „Wehrmachtsmaschinchen“ mit schlappen 6,5 PS. „Der Jüngere von uns sitzt diesmal auf der älteren Maschine“, deutet er auf Sohn Dirk (47), der gerade die NSU Pony von 1928 zur Ausfahrt nach Gägelow startet. Und wenn da nicht von „optischem Leckerbissen die Rede ist, gibt es darauf vom Senior nur ein Argument: „Technisch top in Schuss, aber altersmäßig naturbelassen.“

Als Höhepunkt der Veranstaltung galt die Inbetriebnahme eines 25 PS Diesels aus dem Jahre 1924. Dass nach zehn Jahren Aufbauarbeit das Herzstück einer historischen Stromerzeugungsanlage wieder tuckert, ist vor allem der fachlichen Kompetenz von Oliver Kuntz, einem leidenschaftlichen Schrauber mit „goldenen Händen“, so Falko Hohensee, und Mitglied der IG Oldtimer, zu verdanken. „Sind das nicht großartige Klänge“, zeigt sich der Museumsdirektor begeistert. Der inszenierte vor Freude einen spontanen Taufakt am laufenden Motor.

Geschenkt hatte dem Kreisagrarmuseum die komplette Anlage übrigens das Weingut Schuster in Kallstadt an der Weinstraße, wo noch bis 1957 damit eigener Strom in den Betrieb floss. Dass es endlich mit der Maschinentechnik voran ging, ist der jetzt erst zugänglich gewordenen technischen Originaldokumentation geschuldet. Sie wurde beim Winzer in der Pfalz nach Aufräumaktionen entdeckt.

Sollten die beiden Generatoren sowie die dazugehörigen Armaturen am Ende verkabelt sein, könnte es im Museumsobjekt eine eigene „Erleuchtung“ geben, zumindest bei besonderen Anlässen. Denn auch die Original Schalttafel aus dunklem Marmor wurde bereits durch großzügige Unterstützung von E.ON Edis überholt. Es gab dort sogar einen alten Meister, der sich mit dieser Technik noch auskannte.

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