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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. September 2017 | 18:58 Uhr

Die verschwundenen Bürger

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jun.2013 | 06:39 Uhr

Gadebusch | Die Volkszählung hat es an den Tag gebracht: Es gibt viel weniger Menschen in Nordwestmecklenburg als bisher angenommen. Die erste gesamtdeutsche Volkszählung zum Zensus 2011 ergab demnach, dass nicht 159 294 Menschen im Landkreis Nordwestmecklenburg leben, sondern nur 156 004. Der Bürgerschwund beträgt 2,10 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 1,85 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 1,7 Prozent.

10 568 Menschen - mit dieser Einwohnerzahl rechnete das Amt Gadebusch bisher. Die eigenen Daten, die auf die letzte Volkszählung in der ehemaligen DDR im Jahre 1981 fußten und dann jeweils fortgeschrieben wurden, mussten jetzt von 10 586 Bürgern auf 10 443 nach unten korrigiert werden. "Das sind 143 Menschen oder 1,35 Prozent weniger", sagt Andreas Lausen, Leiter der Verwaltung des Amtes Gadebusch. Fast in jeder Gemeinde des Amtes gab es weniger Frauen, Männer und Kinder, als bisher amtlich ausgewiesen wurden. Nur in der Gemeinde Rögnitz deckten sich mit 194 Menschen die alten und neuen Zahlen. Die Stadt Gadebusch weist jedoch nur noch 5568 anstatt der angenommenen 5640 Bürger auf. Die Differenz beträgt 72. In Krembz fehlen nach dem Vergleich der alten und neuen Zahlen 24 Menschen, in Mühlen Eichsen 23. Einzig die Gemeinde Roggendorf, in der laut Zensus nun 1016 Menschen leben, kann im Amt Gadebusch ein Plus von zwei Bürgern verzeichnen.

Ein Plus verzeichnet auch die Gemeinde Thandorf im Amtsbereich Rehna. 174 Einwohner standen bisher auf dem Papier, laut Zensus sind es jedoch 181. Mehr Einwohner, mehr Geld vom Land - somit gehört Thandorf zu den wenigen Gewinnern dieser Volkszählung. "Pro Einwohner bekommen wir vom Land eine Schlüsselzuweisung von rund 500 Euro. Demnach bekommen wir für die sieben Bürger mehr auch 3500 Euro mehr", sagt Bürgermeister Wolfgang Reetz. Doch für die meisten Gemeinden gilt: Weniger Einwohner, weniger Geld. Und das bedeutet beispielsweise für die Stadt Gadebusch, dass sie mit 36 000 Euro weniger Schlüsselzuweisung rechnen muss. Und das nicht nur für das Jahr 2013. "Auch das Jahr 2012 fällt schon in die neue Rechnung", weiß Andreas Lausen. "Das ist eine hohe Hausnummer", sagt Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest, der nun hofft, das finanzielle Loch mit Fördergeldern stopfen zu können, die üppiger als geplant in den Haushalt einfließen.

Doch der Aderlass war andernorts wesentlich größer: Die Einwohnerzahl in der Landeshauptstadt Schwerin sackte nach dem Zensus-Ergebnis um 4,3 Prozent auf 91 293 Einwohner ab, die Hansestadt Wismar musste ebenfalls über vier Prozent Verlust verschmerzen und zählt nur noch 42 468 Bürger. Im Amtsbereich Rehna ging es runter von 9490 auf 9307. Bundesweit gehörten Hamburg (- 4,9 Prozent) und Berlin (-5,5 Prozent) zu den großen Verlieren. Den deutlichsten Verlust im Bundesgebiet musste die Stadt Aachen mit einem Minus von 8,5 Prozent hinnehmen. Insgesamt wurden in Deutschland nur noch rund 80,22 Millionen Menschen gezählt (SVZ berichtete). Das waren gut 1,5 Millionen Menschen weniger als gedacht.

Den Unterschied zwischen den bisher angenommenen Zahlen und den tatsächlichen zu erklären, fällt auch Andreas Lausen nicht leicht: "Vielleicht waren einige einfach zu faul, sich nach einem Umzug am alten Wohnort abzumelden." Die aktuellen Zensus-Zahlen werden jetzt weiter fortgeschrieben, Geburten, Todesfälle, Heirat oder Umzug von den Behörden erfasst. Ob bei der nächsten "Bevölkerungs-Inventur" weniger große Lücken zwischen Soll- und Ist-Stand herauskommen, kann schon in acht Jahren überprüft werden, denn für 2021 ist die nächste Volkszählung terminiert.

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