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Busverbot für Gymnasiasten : Die vergessenen Schüler

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Busverbot für Gymnasiasten aus Schlagsdorf / Landkreis hat bislang keine Lösung für die Heimfahrt von Kindern

von
erstellt am 25.Aug.2014 | 00:00 Uhr

Erster Schultag am Gymnasium in Gadebusch: Statt Kennenlernrunde und erste Fachunterrichtsstunden absolvierten gestern acht neue Schüler aus der Region Schlagsdorf die Fachrichtung Bus organisieren. Die Kinder bekommen die Folgen einer Satzung zu spüren, die der Landkreis zur Schülerbeförderung erlassen hat. Sie dürfen den regulären Schülerbus nicht zur Heimfahrt nutzen. Grund: Ihre Eltern haben sich für den Standort Gadebusch und nicht den zugewiesenen Schulort Schönberg entschieden. Die freie Wahl lässt das Land Mecklenburg-Vorpommern als Gesetzgeber zwar zu, regelt allerdings nicht die Busbeförderung. Dafür ist der Landkreis zuständig.

Der spielt aus Sicht der Eltern auf Zeit. Anders kann Christian Wolf aus Schlagsdorf den vorliegenden Brief des Fachdienstes Bildung nicht werten: „Im Mai haben wir den Landkreis über unserer Schulwahl und die Busproblematik informiert. Erst am 21. August antwortet der Fachdienst, erteilte uns eine Absage. Unsere Kinder dürfen nicht mitfahren. Drei Tage vor Schulbeginn können sie nicht mehr reagieren und umdisponieren.“

In der Folge laufen am ersten Schultag die Telefondrähte am Gymnasium heiß. Die Eltern fordern eine Mitfahrgelegenheit, wie sie weitere zehn Schüler seit drei Jahren in Richtung Schlagsdorf nutzen. Dabei handelt es sich um Kinder, die aufgrund der Überfüllung am Standort Schönberg per gesetzliche Regelung ans Gadebuscher Gymnasium kamen. In solch einer Situation regelt die Beförderungssatzung die Busversorgung und deren Finanzierung. Bei der freien Schulwahl greift das Satzungswerk nicht.

Schulleiter Ingolf Litzner vermisst unkonventionelle Lösungsansätze beim Landkreis Nordwestmecklenburg: „Unter bürgernah verstehe ich etwas anderes.“ Obwohl nicht zuständig, versuchten er und sein Team Ruhe in den ersten Schultag zu bekommen. Im Fünfminutentakt wechseln die Gespräche zwischen aufgebrachten Eltern und der Bildungsabteilung des Kreises. Litzner erläutert hörbar die Auswirkungen der Satzung dem Landkreis. Augenscheinlich ohne Erfolg. Nur das Papier scheint bindend. Der Umgang mit Bürgerproblemen ist darin nicht beschrieben. Schlecht für die Kinder. Für sie fährt Stand 12.30 Uhr kein Bus. „Dieses Problem hätte nicht auftreten müssen, wesentlich früher gelöst sein können“, so Litzner. Bereist Ende Mai habe auch das Gadebuscher Gymnasium den Fachdienst über die Schülerzahlen informiert.

Christian Wolf ist ratlos: „In Abstimmung mit der Schule wurden die Ausweise für die Busse beim Nordwestkreis geordert. Bislang ohne Erfolg.“ Auch ein Telefonat mit der Verwaltung blieb nach seinen Aussagen ohne Ergebnis. Somit holten die Eltern gestern ihre Kinder selbst von der Schule ab, organisierten Fahrgemeinschaften. Auf Dauer keine Lösung, so Wolf: „Es gibt Eltern, die müssen im Schichtsystem arbeiten.“ Einige im entfernten Hamburg.

Kreispressesprecherin Petra Rappen verspricht auf Anfrage der SVZ Besserung: „Wir bemühen uns um eine hilfreiche Lösung.“ Sicher, es gebe das Wunsch- und Wahlrecht für Schulen. „Die Schülerbeförderung müssen wir regeln, da lässt das Land uns allein.“ Aus ihrer Sicht werde der Landkreis zum Spielball. Immerhin habe man für den ersten Schultag die Möglichkeit eingeräumt, dass die acht Gymnasiasten von Gadebusch mit dem Bus nach Hause fahren. Problem: Für die Eltern kam die Regelung zu spät.

Rappen bleibt optimistisch: „Was sich regeln lässt, werden wir regeln.“ Somit scheint eine Lösung in Sicht, dass die neuen Kinder mit den bereits seit drei Jahren kostenfrei fahrenden Schülern in einem Bus sitzen können. Die Zusatzkosten für die Eltern: zirka 100 Euro je Kind und Monat. Der Kreis verlangt dafür nochmals Zuarbeit: „Wir brauchen die Zahlen vom Gymnasium, um die Busgröße zu planen“, sagt Rappen.

Busunternehmer Wolfgang Flaegel steht bereit. Gegenüber der SVZ sagt er: „ Mit den zusätzlichen Schülern reicht mein eingesetzter Bus nicht aus. Aber ich kann innerhalb eines Tages einen 18-Sitzer einsetzen.“

 

 

 

 

 

 

 

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