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Seezeichenschiff liefert Eisbericht : Die "Sturmmöwe" auf eisigem Kurs

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Eckhard Rath und seine dreiköpfige Crew haben gerade die erste, eisige Kontrollfahrt mit dem Seezeichenschiff "Sturmmöwe" hinter sich. Sie ist Notwendig für einen aktuellen Eisbericht für die Seeschifffahrt.

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2012 | 10:32 Uhr

Wismar | "15 Zentimeter dickes Eis vor den Toren der Hansestadt, und jetzt gibt es auch kein offenes Wasser mehr bis auf Höhe Poel". So lautete der aktuelle Stand am Dienstag.

Die konkreten Angaben stammen von Eckhard Rath. Er und seine dreiköpfige Crew haben in aller Herrgottsfrühe gerade die erste, eisige Kontrollfahrt mit dem Seezeichenschiff "Sturmmöwe" hinter sich. Ganz so dick wie in den Randbereichen der Inneren Wismarbucht kommt es aber vor Poel noch nicht: Dort liegt der eisige Teppich noch bei etwa vier bis fünf Zentimetern. Notwendig sind die täglich zusammengetragenen Werte für einen aktuellen Eisbericht für die Seeschifffahrt, herausgegeben vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie. Für das Wismarer Revier lautet die Diagnose: "Noch nicht dramatisch". Grund dafür ist der rege Schiffsverkehr, der auf der Bundes-Seewasserstraße bis nach Wismar für eine gebrochene Rinne aus Schollen und Trümmereis sorgte. Auch im Seehafen gab es bisher noch keine Behinderungen. Sollte sich das ändern, greift eine vertragliche Regelung mit Schleppern der Fair Play Reederei, war vom Hafenamt zu erfahren.

Die Datenerfassung ist allerdings nur das Vorspiel, denn auf die Mitarbeiter vom Wismarer Außenbezirk des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lübeck wartet dieser Tage ein wirklich "eiskalter Job". Tatsächlich beträgt das Außenthermometer noch minus 16 Grad, als sich gegen 9 Uhr die "Sturmmöwe" in Fahrt setzt und von Schwärmen aufgeschreckter Wasservögel begleitet wird. Die mussten kurzzeitig ihr letztes freies Wasserloch verlassen. Das Eis poltert, rumpelt und kracht, als es vom Bug des 21 Meter langen Fahrzeuges immer wieder in Schollengröße zerteilt wird. Nach einem kurzen Schwenk in den vorderen Bereich des Alten Hafens reagiert das aufgewühlte und damit wärmere Oberflächenwasser spontan mit den besonderen Temperaturunterschieden: Dichter Nebel ist die Folge. Doch dafür haben die Männer an Bord nur einen kurzen Blick übrig. Sie konzentrieren sich auf das zügige Abbergen der empfindlichen Solarkompaktaufsätze.

Diese sind als modernste Leuchttonnengeneration inzwischen im gesamten Fahrwasserbereich der Wismarbucht positioniert und haben gleichzeitig die Generation der gasbefeuerten Seezeichen abgelöst. Winterfest verpackt stehen Lampenfachmann Wilfried Lange sowie die weiteren Crewmitglieder Udo Wollschläger und Techniker Horst Rabenhorst an Deck bereit. Rabenhorst bedient trotz Eiseskälte mit Fingerspitzengefühl den Bordkran. Indessen führen seine beiden Kollegen geschickt das Hebezeug in die Halterung des solaren Leuchtsystems. Es bedarf nur eines kurzen Klicks am Schnellverschluss. Dann hängt die teure und gegen Eispressung empfindliche Lichttechnik am Kranhaken. Wenig später lagern die Leuchtsysteme sicher an Deck. Dies passiert an diesem Tage insgesamt zehn Mal. Die stählernen Seezeichen verbleiben indessen in der See, denn sie besitzen auch weiter eine radarreflektierende Wirkung, zumindest solange sie aus dem Wasser ragen. "Dazu hätten wir früher etliche Tage, wenn nicht so gar Wochen gebraucht, denn damals galt es, die stählernen Monster komplett aus dem Wasser zu hieven und gegen unbeleuchtete zu tauschen", so das Fazit der Besatzung.

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