Leben wie die Wikinger : Die "Skidbladnir" beim Rahseglertreff

Das Wikingerboot „Skidbladnir“ hat sich Bootsbauer Sebastian Hollatz (33) aus Wismar selbst gebaut. Seit zehn  Jahren segelt er mit diesem „Boot der Götter“ - der Name stammt aus der Mythologie – regelmäßig auf der Ostsee.Gunnar Herbst (2)
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Das Wikingerboot „Skidbladnir“ hat sich Bootsbauer Sebastian Hollatz (33) aus Wismar selbst gebaut. Seit zehn Jahren segelt er mit diesem „Boot der Götter“ - der Name stammt aus der Mythologie – regelmäßig auf der Ostsee.Gunnar Herbst (2)

Tagelang lebten zwei Familien aus NWM wie die Wikinger vor 1000 Jahren. In Haithabu trafen sie sich zum großen Rahseglertreffen. 22 Wikingerboote aus ganz Europa waren zu Gast, auch die "Skidbladnir".

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19. Juli 2012, 11:13 Uhr

Wismar/Nordwestmecklenburg | Vier Tage lang lebten zwei Familien aus Nordwestmecklenburg wie die Wikinger vor 1000 Jahren. Im Schleswig-Holsteinischen Haithabu trafen sie sich zum großen Rahseglertreffen. 22 Wikingerboote aus ganz Europa waren zu Gast, dazu zahlreiche Händler und Darsteller für genau diese Zeit. Unter den Booten war auch die "Skidbladnir" - ein 6,30 Meter langer Wikingerbootsnachbau aus Wismar. Dazu natürlich die Besatzung, fünf Erwachsene und sechs Kinder. Das ist die Wikingersippe "Barnakarl" - übersetzt für kinderfreundlich.

Auch Journalistin Nicole Hollatz tauschte die Jeans gegen das Leinenkleid, Laptop gegen Feuerstelle und Fotoapparat gegen Schafswolle und Handspindel. Damit trat die 33-Jährige zusammen mit dem Rest der "Sippe" die Reise 1000 Jahre in die Vergangenheit an. Auf historischem Boden - mitten im ehemaligen Wikingerhandelsplatz Haithabu - schlugen sie ihre Zelte auf. "Reenactment", so Nicole Hollatz. "Wir versuchen die Zeit der Wikinger so authentisch und korrekt wie möglich darzustellen." Geschichtliches Wissen statt Hollywood. Handgenähte Leinenkleider statt "Theaterkostüme" mit Reißverschluss. Und möglichst auch das Essen, was es vor 1000 Jahren laut Fachpresse gegeben haben könnte. "Met", lacht Wikinger Carsten Möhring (39) aus Karow. Den gab es abends in gemütlicher Runde. Schön heiß zum Wärmen von Innen. Dazu Gemüsesuppe - ohne Salz natürlich, das war zu wertvoll, Teigfladen, Schweinefleisch. Nicole Hollatz: "Getreidebreie wären noch authentischer, im Zweifelsfalle morgens, mittags und abends. Aber morgens waren, der Kinder wegen, Brötchen und Nussnugatcreme erlaubt. Dazu Kaffee für die übernächtigten Erwachsenen."

Ein großes Abenteuer - die Kinder machten mit Holzschwertern und dem "Bollerboot" von Sebastian Hollatz den Platz unsicher. In der Zeit segelten und ruderten die Männer auf der Schlei. "Wir haben die Polen in Grund und Boden gerudert", freute sich Sebastian Hollatz (33). Er genoss das Segeln unter Gleichgesinnten sichtlich bei perfektem Segelwind und dem Ausblick auf die anderen Wikingerboote. Und die Frauen: kümmerten sich um das Feuer, nähten, flickten, bestickten die Kleidung. Oder sie wiesen die Männer an, wie sie Gemüse zu schnippeln hätten! So emanzipiert waren die Wikingerinnen schon.

Mit 22 neuen, erhandelten Kaninchenfellen sind die Barnakarl-Wikinger wieder in Wismar und Karow und damit im Jetzt angekommen. Um sich auf die nächsten Märkte in Oldenburg und Cuxhafen vorzubereiten. Mitte Oktober werden sie auch wieder beim Mittelalterfest in Bäbelin bei Neukloster erwartet.

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