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BRÜCKENFEST : Die selbstgezimmerte Deutsche Einheit

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Feuerwehren aus Kneese und Kittlitz bauten 1990 Brücke über den Grenzfluss / 26. Auflage der Feier

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2015 | 23:07 Uhr

Im kleinen Kneese sind sie der großen Weltpolitik ein bisschen voraus. Die Deutsche Einheit feiert hier schon ihr 26. Jubiläum. Im Mai 1990 beschlossen sie im Sperrgebiet: genug mit der Teilung von Ost und West und eine klapprige Aluleiter überwand den schmalen Grenzfluss.

Wenn Reinhard Thurow zu DDR-Zeiten aus dem Fenster schaute, sah er eine Mauer. Drei Meter hoch und gut bewacht. Kneese lag in der Sperrzone zum Westen. Als Kind, erzählt der 57-jährige Thurow, konnte er noch im Schaalsee angeln. Irgendwann ist damit Schluss. Die DDR sichert die Grenze und bei Thurow im Garten steht die Mauer. Kontakt nach drüben? Ausgeschlossen.

Auf der anderen Seite steht Klaus Richter. Der Kittlitzer angelte mit seinen Freunden manchmal in dem Fluss. „Das wurde von den Grenztruppen toleriert“, erzählt er. Sie können Kneese zwar sehen, aber mehr auch nicht.

Als 1989 die Mauer fällt, ist auch zwischen Kneese und Kittlitz Schluss mit der Funkstille. Am 12. Mai 1990 treffen sich auf beiden Seiten des Grenzflusses Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und beginnen die Grenzanlagen abzureißen. Reinhard Thurow nimmt zwei Teile des Zauns mit nach Hause und bastelt daraus eine Begrenzung für den Komposthaufen. „Der glänzt noch wie damals“, erzählt er.

Als Zaun und Schranken fallen, legen die Kittlitzer die Leier über den schmalen Grenzfluss und eine Kiste Bier, Holsten Edel, wandert als Westpaket Richtung Osten.

„Unsere alten Hasen haben erzählt, dass es früher eine Brücke über den Fluss gab“, erzählt Klaus Richter. Also beschließen sie, wieder eine Brücke zu bauen. Der Westen lieferte das Material und der Osten die Technik. Einen Tag bauen sie. Dann tuckert das Auto der Kneeser Wehr in den Westen. „Das war herrlich“, erzählt ReinhardThurow.

Als die Kittlitzer das erste Mal in den Osten fahren, schalten sie ihr Blaulicht an. Ist schließlich etwas besonders, so eine Wiedervereinigung. Seitdem feiern sie ihr Brückenfest.

Ein paar Jahre fahren sie über ihre selbstgebaute Brücke, dann beschließen die Behörden den Abriss. „Die Tragfähigkeit wurde bezweifelt“, erzählt Klaus Richter. Doch die Kneeser und Kittlitzer können die Brücke retten und erreichen, das eine neue gebaut wird.

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