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Tierische Unterstützung für Polizei : Die Schnüffler vom Dienst

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Walter Strohschein ist Polizei-Hundeführer und vertraut "Cap’tn Balu". Der Schäferhund machte schon so manchem Ganoven das Leben schwer. Zuletzt führte er sein Herrchen zur Haustür eines flüchtigen Unfallfahrers.

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erstellt am 12.Okt.2012 | 07:43 Uhr

Upahl | "Halt, Polizei! Bleiben Sie stehen", ruft ein Mann. Dann heißt es "Voran!" für einen Hund. Er rennt auf eine Frau zu, bleibt einen Meter vor ihr stehen und bellt sie an. Er schnappt zu, als sie eine Bewegung macht und zerrt an ihrem so genannten Schutzarm. Erst beim Kommando seines Herrchen lässt das Tier von der Frau ab. Sekunden später präsentiert sich der Hund in bester Spiellaune.

Walter Strohschein beobachtet die Szene. Der 45-Jährige ist Hundeführer bei der Polizei und vertraut bei seiner Arbeit "Cap’tn Balu". Der belgische Schäferhund machte schon so manchem Ganoven das Leben schwer. Zuletzt verblüffte er sein Herrchen, als er ihn von einem Unfallort direkt vor die Haustür des zu Fuß geflüchteten Autofahrers führte. Von Schlutup bis Selmsdorf war "Balu" der Fährte gefolgt. Er legte eine Strecke von sechs Kilometern zurück. Strohschein hätte diese Leistung kaum für möglich gehalten. "Jetzt weiß ich, dass er’s kann", sagt er.

Die Jagd nach Unfallflüchtigen oder Verbrechern macht nur einen kleinen Teil der Arbeit aus. Wesentlich öfter kommen Polizeihunde bei der Suche nach Vermissten zum Einsatz. Sie sollen Demenzkranke finden oder von zu Hause weggelaufene Kinder. Einmal wurde ein Mädchen gesucht, das ihren Koffer gepackt hatte und ausziehen wollte. Sie war acht Jahre alt.

Strohschein zieht eine Plastiktüte über die Schnauze von "Balu". In der Tüte steckt ein Handschuh von Strohscheins Kollegin. Die Beamtin hat sich irgendwo zwischen Molkerei und Kaffeewerk im Upahler Gewerbegebiet versteckt. Die Suche ist scheinbar ein Kinderspiel für den Capt’n. Er schlägt den selben Weg wie zuvor die Polizistin ein, wechselt die Straßenseite und findet die Beamtin nach mehreren hundert Metern in einem Busch. Zur Belohnung bekommt der Hund ein Beißkissen und stolziert damit durch das Gewerbegebiet. "Eine Belohnung gibt es nur, wenn er etwas findet", verdeutlicht Walter Strohschein.

Vor Ort ist auch Hundeführer Andreas Scheffler. Über das Training der Diensthunde erzählt er: "Wir wollen, dass der Hund freudig arbeitet. Ihm soll es Spaß machen und das erreicht man im günstigsten Fall mit Spielzeug." Schefflers Hund durchlief eine Zusatzausbildung. Das Tier ist spezialisiert auf das Aufspüren von Drogen und wird bei Bedarf in ganz MV eingesetzt. Für Scheffler sei es eine Berufung, den Job eines Hundeführers auszuüben. "Schon als Junge konnte ich mir nichts anderes vorstellen, als mit Hunden zu arbeiten", sagt Andreas Scheffler.

Nach etwa zehn Jahren haben Polizeihunde das Ende ihrer Dienstzeit erreicht. Wer es als Polizist kann, behält seinen tierischen Partner auch danach bei sich. "Die Hunde sind keine Computer, die man mal eben ausschalten kann", erklärt Walter Strohschein. Das weiß auch die 14-jährige Layla Labadeh. Die Wismarerin hat selbst einen Vierbeiner und darf die Diensthundegruppe der Polizeiinspektion Wismar einen Tag als Schulpraktikantin begleiten. Dabei macht sie auch mit "Ossi" Bekanntschaft und spielt mit ihm quasi Versteck im Gewerbegebiet. Dass der Schnüffler vom Dienst die Regionalschülerin aufspürt, war ebenfalls nur eine Frage der Zeit.

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