Mittelalter-Urkunden in Gadebusch : Die Schätze aus dem Stadtarchiv

Vor den Vitrinen herrscht dichtes Gedränge.  Fotos: peter täufel
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Vor den Vitrinen herrscht dichtes Gedränge. Fotos: peter täufel

Ausstellung im Rathaus zeigt Urkunden und Siegel aus 800 Jahren Stadtgeschichte / Eröffnung ist Auftaktveranstaltung im Luther-Jahr

svz.de von
10. April 2017, 05:00 Uhr

Egal ob es ein Brief von Herzogin Katharina aus dem Jahr 1455 mit bislang bei der Wissenschaft unbekanntem Siegel ist. Oder eine Schenkhausordnung der Münzstadt anno 1588 – der Gadebuscher Urkundenschatz, wie er hier präsentiert wird, ist von Alter, Umfang und Bedeutung durchaus etwas Besonderes unter den mecklenburgischen Kleinstädten. Immerhin seien in Schwerin die meisten Urkunden des Mittelalters durch Stadtbrände verloren gegangen, in Grevesmühlen sind sie in den Wirren des Kriegsendes 1945 verschwunden. Das sagte der ehemalige Leiter des Landeshauptarchivs und aktives Mitglied der Historischen Kommission für Mecklenburg, Dr. Andreas Röpcke bei der Eröffnung der Ausstellung im Rathaus-Foyer.

Diese Ausstellung bildet den Auftakt für das Luther-Jahr. Sie ist in den kommenden drei Wochen der Allgemeinheit zugänglich. Dass sie überhaupt zustande kam, ist dem Engagement einiger Gadebuscher zu verdanken (SVZ berichtete), allen voran Klaus Leuchtemann. „Wir haben hier eine nahezu lückenlose Dokumentation der 800-jährigen Stadtgeschichte und wussten nichts davon“, berichtet der Vorsitzende des Kultur- und Sozialausschusses begeistert. Den Schatz ausgewertet hat er gemeinsam mit Gerhard Schotte und Dr. Andreas Röpcke. Letzterer ist maßgeblich an der Deutung der in Mittellatein und Mittelniederdeutsch verfassten Schriften beteiligt. „Es sind einige ganz erstaunliche Stücke dabei, wie zum Beispiel die Schenkhausordnung. Sie wurde vom Gadebuscher Rat 1588 entworfen und Herzog Christoph vorgelegt, der sie als Obrigkeit dann erließ. Darin werden allerlei Delikte aufgezählt, die mit festgesetzten Geldbußen belegt waren“, so der Landesarchivar im Ruhestand. Auch die große Anzahl der noch vorhandenen Siegel an den Urkunden sei bemerkenswert. „In Gadebusch gibt es mehrere vorzüglich erhaltene Exemplare, die als Kleinkunstwerke des Mittelalters eine von der Kunstgeschichte lange unterschätzte Rolle spielen“, so Röpcke. Er will einige dieser Archivalien im aktuellen Jahrbuch des Vereins für mecklenburgische Geschichte veröffentlichen.

Die Inhalte der Dokumente könnten künftig im Geschichts-, Religions- oder Lateinunterricht genutzt werden.

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