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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

15. Dezember 2017 | 22:50 Uhr

Gadebusch : Die Nachfrage nach Waffen steigt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Kleiner Waffenschein: 74 Anträge in den ersten sechs Wochen des neuen Jahres im Landkreis

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 00:21 Uhr

Nach den Ereignissen von Köln wird über das Thema Sicherheit auch im Nordwesten weiter diskutiert. Dazu zählen eine stärkere Präsenz der Polizei und die Verbesserung des subjektiven Sicherheitsgefühls durch den Besitz einer Waffe. Ein Gradmesser ist der Kleine Waffenschein, der seit den Silvesterereignissen auch im Nordwestkreis Konjunktur hat. „Mitte November 2015 gab es 19 Neuverteilungen und sieben offenen Anträge. Bis Ende 2015 gingen weitere 16 Anträge ein, im Januar folgten 55 und bis Mitte Februar weitere 19 Neuanträge“, so Kreis-Pressesprecherin Petra Rappen auf Anfrage der SVZ. Im Vergleich dazu: Im Jahr 2014 wurden 24 Kleine Waffenscheine neu erteilt. Die Verkaufszahlen von Schreckschusswaffen dürften aber deutlich höher liegen.

Die steigende Nachfrage kann der Gadebuscher Waffenfachhändler Hans-Otto Bobzien bestätigen: „Die Menschen suchen nach Mitteln der Selbstverteidigung. Uns liegen Anfragen nach Reizgas und Schreckschusswaffen vor. Die Nachfrage ist größer als das, was die Hersteller bewältigen können.“ Es gebe eine Angst in der Bevölkerung, die für ihn persönlich bedenklich ist. Eine mögliche Folge von Einsparungen des Staates bei der Polizei, die sich so bemerkbar mache. „Der Staat muss das Vertrauen zurückgewinnen“, sagt Bobzien.

Über Verkaufszahlen in Gadebusch spricht der Händler nicht, zumal das Internetgeschäft keine Berücksichtigung finden würde. Aber: „Wenn ein Großhändler 40 Schreckschusswaffen in der Woche erhält und weitere 800 im Rückstand sind, dann sagt das einiges“, so Bobzien. Schwerpunkte seiner Arbeit sind eigentlich Beratung, Wartung und der Verkauf von Jagd-, Sport-, Sammlerwaffen und der Bogensport.

Grundsätzlich sieht die Polizei den Besitz von Abwehrwaffen wie Reizgas kritisch. „Ein ,Mehr‘ an Sicherheit geht mit dem Besitz aus polizeilicher Sicht nicht einher. Vielmehr suggeriert es dem Besitzer ein Gefühl von Sicherheit, kann in einer Gefahrensituation jedoch eher zu einer Eskalation der Gewalt führen“, so Isabell Wenzel, Sprecherin der Polizeidirektion Rostock. Sie macht deutlich: Soll die Schreckschusswaffe in der Öffentlichkeit geführt werden, ist der Erwerb eines Kleinen Waffenscheines notwendig.

Das Dokument berechtigt zum Führen von Waffen, deren Besitz nicht erlaubnispflichtig ist. Das sind Schreckschuss und Reizstoff- oder Signalpistolen. Den Waffenscheininhabern wird erlaubt, solche Waffen nicht nur zu Hause, sondern auch im öffentlichen Raum mitzuführen. Bei öffentlichen Veranstaltungen dürfen die Waffen nicht getragen werden.

Die Voraussetzungen, solche Waffen führen zu dürfen, die sind relativ niedrig: Der Antragsteller muss mindestens 18 Jahre alt sein, darf keine Vorstrafen haben, darf nicht drogen-, alkohol- oder medikamentenabhängig sein und darf keine psychische Störungen haben. „Zuverlässigkeit und persönliche Eignung sind wesentliche Voraussetzungen“, so der Landkreis. Einen Kontakt zwischen Polizei und Landkreisbehörde erfolgt laut Polizei allerdings nur, wenn Verstöße gegen das Waffengesetz der Polizei bekannt werden. Teil des Genehmigungsverfahren ist die Abfrage beim Bundeszentralregister.

Auf Dauer ist der Kleine Waffenschein nicht. Laut Landkreis erfolgt in „regelmäßigen Abständen, mindestens jedoch nach Ablauf von drei Jahren, eine Überprüfung der Zuverlässigkeit und der persönlichen Eignung von Inhabern“.  


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