Vorsorge : Die Krux mit der Rente

Andrea Enders erläutert Versorgungslücken und Vorsorgemöglichkeiten Fotos: volker bohlmann
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Andrea Enders erläutert Versorgungslücken und Vorsorgemöglichkeiten Fotos: volker bohlmann

Sparkasse setzt auf frühzeitige Vorsorge für den Ruhestand zur Vermeidung von Altersarmut

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19. November 2014, 09:10 Uhr

Jung, dynamisch, erfolgreich und lieber im Heute seinen Traum leben, als ein Leben lang seinen Träumen hinterherlaufen: Gegen junge Lebenseinstellungen wie diese hat Horst-Dieter Hoffmann nichts einzuwenden. Wer allerdings im Alter Spielraum für seine Träume behalten möchte, der muss vorsorgen, betonte der Vorstandschef der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest. Das nordwestmecklenburgische Geldinstitut regte gestern eine Debatte um Rente und private Vorsorge am Firmenstandort Wismar an.

Auslöser sind die Prognosen zur staatlichen Rente. Nach Einschätzungen der Sparkasse und ihres Partners Neue Leben wird sie von heute 67 Prozent des Nettolohnes auf 45 Prozent sinken. „Da ist Vorsorge wichtig. Uns ist klar, dass die Bereitschaft dazu nicht ausgeprägt ist, wenn es um die Zukunft geht, sie vom gesparten Geld womöglich erst in 25 Jahren profitieren werden“, so Hoffmann.

Allerdings sollten drohende Versorgungslücken geschlossen werden, wie Andrea Enders vom Versicherungspartner Neue Leben betont. „Der durchschnittliche Bruttolohn in MV liegt bei 2544 Euro. Netto bleiben 1640 übrig. Daraus ergibt sich eine Rentenzahlung (67%) von 1140 Euro“, so Enders weiter. Durch Inflation wachse die Rentenlücke. „Wer im Alter annähernd einen ähnlichen Lebensstandard wie in seinen Arbeitsjahren wünscht, der muss in diesem Beispiel 500 Euro zusätzlich aufbringen“, so Enders, denn die Lebenshaltungskosten würden nicht günstiger werden.

Angesichts einer nicht geringen Zahl von Löhnen unterhalb von 2500 Euro brutto in Nordwestmecklenburg wird sich womöglich nicht jede Familie eine umfassende Altersvorsorge leisten können. Hoffmann ist dies bewusst: „Wir können als Sparkasse nicht die gesellschaftlichen Probleme bewältigen, aber all jene, die vor allem jung sind, dazu raten, eine bezahlbare Vorsorge zu betreiben.“ Alternativ bleibe im Alter nur die staatliche Grundsicherung von 960 Euro im Monat.

Fakt ist: Unter den rund 160 000 Einwohnern von Nordwestmecklenburg gibt es laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit 10 794 Menschen ohne Job, Leistungsbezieher sowie Geringverdiener, die mit dem vorhanden Geld lediglich ihr täglich Brot finanzieren. Davon erhalten 3688 Frauen und Männer einen Niedriglohn, den sie mit Hilfe des Staates zum Leben aufstocken müssen. Die Masse von ihnen verdient 450 Euro und weniger im Monat (1848 Menschen).

Ein Großteil der Arbeitnehmer muss sich letztlich genau überlegen, in welche Sparte der Altersvorsorge sie investiert. Immobilien gehören nach wie vor dazu, betont Hoffmann. Entscheidend sei der Standort. Wismar als Zentrum sei beständig, wer aber in 20 Jahren und mehr ein Haus auf dem flachen Land verkauft, müsse vor dem Hintergrund veränderter Ansprüche der Menschen nicht zwingend eine Wertsteigerung erfahren.

Entscheidungen über Möglichkeiten und Wege, die müsse jeder selbst treffen, betont Sebastian Greif, Vorstandsmitglied Neue Leben, der auf eine individuelle Beratung setzt. „Je früher die Menschen mit der Vorsorge beginnen, desto besser und günstiger lässt sich die Lücke im Alter schließen“, so Greif weiter.

Als Faustregel gilt bei der Sparkasse: Wer als Rentner aus der privaten Vorsorge 500 Euro monatlich ausgezahlt haben will, der muss als 20-Jähriger bis zur Rente 40 Euro monatlich aufbringen. Wer als 45-Jähriger einsteigt, bereits 215 Euro monatlich einzahlen. Für Vorstandschef Hoffmann ein Weg angesichts dessen, dass die durchschnittliche Altersrente bei Neurentnern mit 858 Euro unter der Armutsgrenze von 940 Euro liegt.


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