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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. August 2017 | 01:18 Uhr

Winter : Die Krux mit dem Streuen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Naturschutzbund bittet Bürger, auf umweltfreundliche Mittel zum Streuen zurückzugreifen.

Schnee und Glatteis auf den Gehwegen bedeuten Rutschgefahr und zudem ein erhöhtes Haftungsrisiko für Grundstücksbesitzer, die für die Sicherheit auf ihren Bürgersteigen verantwortlich sind. „Laut Gadebuscher Amtsverordnung sind die Anlieger in der Pflicht, das Stück von ihrem Haus bis zur Straße zu räumen und zu streuen“, erklärt Christoph Entelmann vom Ordnungsamt Gadebusch. „Mit eingeschlossen sind hier auch die öffentlichen Gehwege, hier sind die Eigentümer in der Pflicht.“ Diese könnten zudem die Pflicht auf ihre Mieter umdelegieren. Das mit dem Streuen und Räumen klappt allerdings nicht nicht immer so gut, weiß Entelmann: „Wir haben immer wieder Beschwerden, dass irgendwo nicht geräumt wurde. Viele vernachlässigen das oder wissen es gar nicht.“ Entelmann schreibt die Eigentümer dann an: „Das reicht meistens aus“.

Auf den Straßen der Stadt wird mit einem Kies-Salzgemisch gestreut, sagt Uwe Tews Leiter des Bauhofs der Stadt Gadebusch. Der Vorteil an diesem Gemisch liege darin, dass das Salz abtaut und der Kies gleichzeitig rutschhemmend wirkt, so Tews. Doch viel verstreut habe der Bauhof in diesem Jahr noch nicht: „Wir haben erst drei bis vier Tonnen gestreut“, sagt der Bauhofsleiter. Zum Salz-Kies-Gemische gebe es keine umweltfreundliche Alternative, sagt Tews, „Ich kenne zumindest keine. Wir streuen, was alle anderen auch streuen.“

Streusalz wird derzeit viel verkauft doch der Naturschutzbund MV warnt, dass dieses äußerst schädlich für die Natur sei. „Die Auswirkungen von Streusalz sind vielfältig“, erklärt Manuela Heberer von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Nabu. „Das Salz schädigt nicht nur den Nährstoffhaushalt der Straßenbäume, die trotz ausreichender Niederschläge vertrocknen können oder anfällig für Schädlinge und Krankheiten werden. Über die Kanalisation wird das Salz zudem in die Bäche gespült.“ Dort töte oder schwäche es die auf Süßwasser angewiesenen Fische und Kleintiere. Schließlich entzündeten sich viele Wild- und Haustiere am Streusalz die Pfoten. Neben den ökologischen Folgen verursache Streusalz zudem ökonomische Schäden wie die Korrosion an Brücken und Kraftfahrzeugen.

Diese Probleme könnten vermieden werden, so die Nabu-Sprecherin. Sie empfiehlt Privathaushalten die Verwendung von salzfreien, abstumpfenden Streumitteln wie Granulaten, Split, Sand oder Kies. „Im Handel gibt es vom Umweltbundesamt getestete Produkte“, so Heberer. „Das Umweltbundesamt hat für Streumittel, die bestimmte ökologische Anforderungen erfüllen, das Umweltzeichen ,Der Blaue Engel - weil salzfrei’ vergeben. “

Auch im Hagebaumarkt in Gadebusch finden sich neben dem klassischen Streusalz biologische Mittel: „Wir haben ein Stein-Granulat hier. Das ist umweltfreundlich, schadet weder Tieren noch Pflanzen und belastet den Boden nicht“, erklärt Edgar Kieler, Mitarbeiter des Baumarktes. „Meistens wird derzeit aber Streusalz gekauft. Das hat den Vorteil, dass es das Eis abtaut. Danach kann man Granulat draufgeben.“ Der Vorteil des Granulats: Es kann aufgefegt und bei kommender Eisglätte wieder verwendet werden. „Es gibt aber auch viele umweltbewusste Menschen in der Region, die dann zum Granulat greifen sobald kein Eis mehr zu entfernen ist“, so Kieler. Auch bei Raiffeisen in Gadebusch können umweltbewusste Bürger ein Lava-Granulat erstehen, um ihre Gehwege und Einfahrten zu streuen: „Es ist sogar genauso teuer wie das Streusalz“, sagt Raiffeisenmitarbeiter Frederick Sohn.

Doch wer streuen und räumen möchte, sollte nicht nur das Mittel der Wahl dafür überdenken, sondern auch überlegen, was für seine Gesundheit gut ist: „Auch wenn Bewegung grundsätzlich zu empfehlen ist: Menschen mit Herzerkrankungen sollten das Schneeschippen Familienmitgliedern oder Nachbarn überlassen“, rät Ronny Schomann von der Kaufmännischen Krankenkasse in Schwerin. Denn bei Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen. Die Durchblutung wird reduziert. Zugleich muss das Herz mehr arbeiten. Damit steige für Herzpatienten das Risiko für akute Herzbeschwerden wie Druck- und Engegefühl in der Brust, Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern bis hin zum Herzinfarkt. „Schneeräumen kann zudem zur Herausforderung für den Rücken werden, vor allem wenn der Schnee nass und schwer ist“, so Schomann. Mit der richtigen Körperhaltung lasse sich Verspannungen und Verrenkungen jedoch vorbeugen: „Rückenschonend agiert, wer den Rücken so gerade wie möglich hält − mit einem leichten Hohlkreuz im unteren Teil des Rückens – und leicht in die Knie geht.“ Wichtig sei zudem, nicht zu viel Schnee auf die Schippe zu laden und diese vor sich herzuschieben. „Muss der Schnee zur Seite geschaufelt werden, sollte man den gesamten Körper seitwärts drehen“, rät Schomann.




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erstellt am 30.Jan.2014 | 00:15 Uhr

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