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Nachwuchs fehlt : Die Hühner hat der Fuchs geholt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zum 60-jährigen Jubiläum des Gadebuscher Rassegeflügel-Zuchtvereins konnte Günter Greßmann aber immerhin noch seine Enten präsentieren

Huhn ist Huhn, mag sich der Fuchs gedacht haben, und fraß die schönen und seltenen Orpingtons von Günter Greßmann. Ausgerechnet seine und ausgerechnet im Vorbereitungsjahr zum 60-jährigen Bestehen des Gadebuscher Rassegeflügel-Zuchtvereins. Weil im vergangenen Jahr auch alle Küken starben, steht der Störlitzer im Jubiläumsjahr ohne ausstellungsreife Orpintons da. Nur schöne weiße Landenten mit Haube hat er in die alte Kita nach Lützow mitgebracht.

Greßmann hat die Mitgliedsnummer eins. Seit 1955 gehört er dem 1953 gegründeten Verein an, so lange, wie kein anderer. „Für uns war es damals einfacher und schwieriger zugleich“, erzählt er. Schwieriger sei es gewesen, Futter zu beschaffen. Es wurde selbst gemischt aus allem, was Hühner so fraßen und was man gerade irgendwie bekam. „Beziehungen waren damals alles“, erinnert er sich mit einem kleinen Schmunzeln. Viele traten nur deshalb dem Verein bei, weil es darüber Futterzuteilungen gab. Heute könne man zwar alles kaufen, aber nicht jeder könne es mehr bezahlen.

Züchten war zu Zeiten der DDR eine Herausforderung. „Die internationalen Rassestandards änderten sich. Aber man bekam keine Zuchttiere in den neuen Färbungen“, erinnert sich Greßmann. So züchtete er über Jahrzehnte selbst die neuen Farbschläge heraus. Eine Leistung, auf die er noch heute sehr stolz ist.

War die Beschaffung von Futter und Zuchttieren schwieriger, ist heute die Organisation anspruchsvoller. Ausstellungsleiter Karl-Heinz Zollhöfer(65), seit 1977 im Verein, erinnert sich: „Wir wurden ganz anders anerkannt, es war viel einfacher, Räume zu bekommen. Vereine waren politisch gewollt, für Ausstellungen und Vereinsarbeit wurden wir freigestellt.“ Greßmann, damals Arbeiter in einer Molkerei, wusch vor Ausstellungen seine Hühner am Arbeitsplatz. „Als Gegenleistung machte ich Überstunden.“ Zu den Veranstaltungen fuhren alle gemeinsam mit Gerät und Geflügel in gemieteten Bahnwaggons. „Das schweißte zusammen und schuf Gemeinschaftsgefühl.“ Räumlichkeiten für 350 krähende, schnatternde und gurrende Federtiere zu bekommen, sei heute schwierig. „In den letzten Jahren stand uns die Roggendorfer Turnhalle zur Verfügung, in diesem Jahr stimmte die Gemeindevertretung dagegen“, so der 1. Vorsitzende des Vereins, Jens Zollhöfer (37). Man habe ihnen gesagt, es würde hinterher immer so nach Tieren riechen, das wolle man nicht mehr. Für den Gadebuscher, der wegen der Einbrüche in die neue Kita sicherheitshalber bei den Tieren schlief, sind Familie und Verein eng verknüpft. Er ist der dritte im Amt des 1. Vorsitzenden, übernahm die Aufgabe von seinem Vater. „Ich war schon als Knirps immer dabei.“ Mitglied ist er seit fast 30 Jahren.
Angefangen hat es in einem kleinen Restaurant, heute verfügt der Verein über ein eigenes Vereinsheim. In Eigenleistung wurde und wird ständig an- und umgebaut, verschönert, repariert. Jeder kennt jeden, die Mitglieder stehen sich in Zuchtfragen zur Seite. In den 60 Jahren der Vereinsgeschichte ist ihre Zahl fast konstant geblieben „Es waren immer um die 30, aktuell haben wir 35 Mitglieder“, sagt Jens Zollhöfer.

Auch der Lützower Bürgermeister Tino Waldraff (29) ist gekommen: „Ich freue mich, dass wir dem Zuchtverein im Jubiläumsjahr Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnten.“ Als Dankeschön erhielt er die Ehrenplakette des Vereins.


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