Gadebusch : Die Hilfsbereitschaft wächst

Simone Oldenburg (Die Linke) fordert mehr Schulsport in M-V.hgl
Simone Oldenburg (Die Linke) fordert mehr Schulsport in M-V.hgl

Runder Tisch zur Unterstützung von Asylbewerbern in Gadebusch war positiver Vorreiter. Jetzt reagiert auch der Kreistag

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10. April 2015, 00:07 Uhr

162 rechtsextrem motivierte Angriffe auf Unterkünfte für Asylbewerber, davon 92 in den neuen Bundesländern, wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gezählt. Tendenz steigend. Pro Woche zwei Attacken gegen Asylsuchende und Heime gibt es bereits in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern. Und zuletzt sorgten dieser Tage bereits zwei Übergriffe gegen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in der Wismarer Haffburg für Empörung. Zwei Ägypter wurden auf der Straße tätlich angegriffen, in der Nacht zu Dienstag flogen Bierflaschen gegen das Tor des Asylbewerberheimes in Wismar. Erschreckende Zahlen. Doch die Hilfsbereitschaft im Nordwestkreis für die etwa 400 Hilfesuchenden wächst.

Zuletzt trafen sich Bürger der Stadt Gadebusch zu einem Runden Tisch, um über Hilfsangebote von derzeit elf Flüchtlingen und Asylbewerbern im Amtsbereich der Münzstadt zu sprechen. „Ein absolut positives Beispiel, wie die Bevölkerung sich hier einbringt, um die Flüchtlinge zu unterstützen“, lobt Björn Griese, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag von Nordwestmecklenburg.

Gleich zwei Anträge seiner Fraktion befassen sich in der nächsten Sitzung der Volksvertreter am 16. April um 17 Uhr im Zeughaus der Hansestadt Wismar mit der durchaus kontrovers diskutierten Thematik. Im Fokus steht einerseits die Verbesserung der sozialen und psychologischen Betreuung der Flüchtlinge. Ein weiterer ganz wesentlicher Punkt beschäftigt sich mit der Einrichtung einer Koordinierungsgruppe zur Betreuung der Hilfesuchenden. „Denn es gibt viele Menschen, die helfen möchten, aber nicht wissen, wohin sie sich mit ihrer Hilfbereitschaft wenden sollen“, sagt Regina Groß als Vorsitzende der Fraktion Grüne/Liberale/Familie, die dem Antrag der Linken bereits beigetreten ist. „Darüber hinaus befinden wir uns im Gespräch auch mit den anderen demokratischen Fraktionen im Kreistag. Alle haben ihre Bereitschaft signalisiert, dem nunmehr interfraktionellen Antrag ebenfalls beizutreten“, so Björn Griese.

Eines der wesentlichen Probleme ist grundsätzlich die Beschulung der schulpflichtigen Flüchtlingskinder. „Im Moment besuchen 23 Kinder und Jugendliche unsere allgemeinbildenden Schulen“, zählt Petra Rappen, Pressesprecherin des Landkreises, auf. Zwei 17-Jährige besuchen einen Deutschkurs an der Hochschule Wismar, zwei weitere Gleichaltrige beginnen einen solchen Kurs in der kommenden Woche.

Dennoch Grundproblem Nummer eins: Die zuständigen so genannten Standortschulen in Grevesmühlen (Regionale Schule „Am Wasserturm“) und Wismar (Ostseeschule, Rudolf-Tarnow-Grundschule) sind wegen der dezentralen Lage der Flüchtlingsunterkünfte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht zu erreichen. Problem Nummer zwei: die bei uns geltende Berufsschulpflicht für ältere Jugendliche, die nicht mehr an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden. Doch für den Besuch einer Berufsschule müssten an selbiger erst einmal Deutsch-Intensivkurse eingerichtet werden. „Doch dazu fehlen Lehrer“, sagt Simone Oldenburg. Die geplante Koordinierungsgruppe soll nach Angaben der Kreistagsabgeordneten auch hier helfend eingreifen, damit Angebote für Deutschkurse den Asylbewerbern rechtzeitig unterbreitet werden, um eine zeitnahe Integration zu ermöglichen.

„Es gibt wirklich viele ehrenamtliche Helfer, die sich rührend kümmern. Doch all das muss noch viel besser organisiert werden. Wir möchten mit der Koordinierungsstelle erreichen, dass sich niemand mit seiner Hilfe allein gelassen fühlt. Nicht der Landkreis, nicht die Bürgermeister der Gemeinden und schon gar nicht die vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfer“, sagt Simone Oldenburg. „Sonst habe ich die Befürchtung, wenn jeder irgendwie irgendwas macht, dass dann irgendwann die Luft raus ist.“

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