Serie naturnah : Die Herbstlaubhasser

Ein goldgelber Laubteppich schückt den Kastanienhof
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Ein goldgelber Laubteppich schückt den Kastanienhof

Informatives aus Natur und Garten von Hajo Kahl

svz.de von
15. November 2014, 00:49 Uhr


Sicherlich kennen auch Sie den Anblick der Herbstlaubhasser. Dies sind eigentlich friedvolle Menschen die das ganze Jahr über keine Verhaltensauffälligkeiten zeigen, doch plötzlich im Herbst, wie die Leibgarde des Papstes vor dem Petersdom, allerdings statt mit einer Hellebarde mit einem Rechen bewaffnet unter einem fast kahlen Baum stehen und mit starrem Blick einige wenige Blätter fixieren, die trotz starkem Wind nicht herunterfallen wollen. Andere fuchteln mit Rechen und Besen wild in der Luft herum und versuchen wie beim Tennis herabfallenden Blätter auf das Nachbargrundstück zu schlagen.

Die Technikfreaks unter den Laubhassern sind stundenlang mit lärmenden Laubsaugern oder Pustern unterwegs um auch wirklich jedes böse Blatt vom geliebten Rasen zu entsorgen.

In meinen ersten Jahren als Hobbygärtner drohte auch ich verhaltensauffällig zu werden. Bei mir bestand die Gefahr zu einem meditativen Laubharker zu werden. Zeit und Raum drohte ich beim Laubharken zu vergessen. Wichtige Termine habe ich verpasst.

Nachdem mich Freunde auf mein abnormes Verhalten aufmerksam gemacht hatten, habe ich versucht mich auszutricksen. Ich habe meinen Garten in Laubzonen eingeteilt. Diese Laubzonen wurden nach und nach von den herabgefallenen Blättern befreit. Aber immer nur eine Zone pro Tag. Die schon gesäuberten und durch erneuten Laubfall verunreinigten Zonen habe ich gelernt zu ignorieren.

Ich habe sogar gelernt Laub zu lieben, ganz ohne therapeutische Hilfe.
Manchmal bin ich richtig süchtig nach Laub. Besonders dann, wenn ich den schweren Lehmboden in meinem Gemüsegarten vor dem Winter noch einmal umgraben möchte oder Rosen, Kamelien und andere nicht hundertprozentig winterharte Gehölze einen kuscheligen Kälteschutz bekommen sollen.

Mittlerweile entsorge ich nur noch die von Meniermotten befallenen Kastanienblätter. Sie werden dem Feuer übergeben. Es hat sich gezeigt, dass dieses Vorgehen den Befall der bösen Motten enorm verringert und meine Kastanien bis zum Herbst ein fast unbeflecktes Blätterkleid tragen. Alle anderen Blätter werden auf den Gemüsebeeten verteilt und untergegraben. So entsteht direkt im Boden ein nahrhafter Kompost, den meinen Gemüsepflanzen lieben. So ganz nebenbei wird der schwere Boden in meinem Garten von Jahr zu Jahr feinkrümeliger und leichter zu bearbeiten.

Schwer vergängliches Laub wie das von Eichen und Walnussbäumen benutze ich zum Abmulchen meiner Staudenbeete. Beschwert von Zweigen verhindern sie das Aufkeimen unerwünschter Wildkräuter. Die gleichen Blätter lassen sich übrigens auch sehr gut zum Schutz empfindlicher Stauden wie Montbretien und Agapanthus verwenden. Ein kleiner Zaun aus Kükendraht rund um die zurückgeschnittene Staude aufgestellt und mit einer dicken Blätterschicht aufgefüllt schützt sie selbst vor extremen Minustemperaturen. Im Frühjahr landet dieses Laub als Mulchschicht zwischen den Gemüsereihen.

Tatsächlich gab es mal Zeiten, in denen ich ernsthaft darüber nachdachte einen Garten von laubtragenden Ziergehölzen zu befreien. Gut dass ich diesen Gedanken nie in die Tat umgesetzt habe. So kann ich im Sommer nach wie vor den Schatten meiner geliebten alten Kastanien genießen und im Winter die wenigen Sonnenstrahlen, die Dank der laubfreien Bäume die ersten Frühlingsboten erblühen lassen.

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