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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

12. Dezember 2017 | 11:25 Uhr

Roggendorf : Die Härtefälle aus dem Tierheim

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

In der Roggendorfer Einrichtung leben etliche Hunde, die als nicht vermittelbar gelten, eine große Herausforderung für die Mitarbeiter

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2014 | 00:00 Uhr

Auf den ersten Blick sind die drei Hunde so verschieden, wie sie nur sein könnten: Sunny, der schwarze Schäferhund, Stanley, der agile Jack-Russell-Terrier, und Felix, der kräftige Stafford-Mix. Doch Sunny, Stanley und Felix haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind die „Problem-Hunde“ des Roggendorfer Tierheims, „im Prinzip nicht vermittelbar“, sagt Tierheimleiterin Annette Herbing. Vorrangiger Grund bei allen dreien: aggressives Verhalten.

Schäferhund-Rüde Sunny beispielsweise ist fünf Jahre alt, die Hälfte seines Lebens ist er bereits im Tierheim. Die andere Hälfte hat er im Zwinger verbracht, ohne jegliche menschliche Zuneigung. „Nachdem sein Besitzer verstorben ist, wollten dessen Angehörige den Hund einschläfern lassen“, erzählt Annette Herbing. Eine Mitarbeiterin des Tierheims habe sich über Monate das Vertrauen von Sunny erarbeiten können, so dass er zumindest aus dem Zwinger geholt und ins Tierheim gebracht werden konnte. „Hier gibt es Kollegen, die, unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen, mit ihm in den Auslauf gehen können. Fremden gegenüber ist er jedoch unberechenbar aggressiv. Seine Aggressionen entstehen aus Angst und dem Versuch, in der ungewohnten Situation die Oberhand zu gewinnen.“

Stanley ist 2005 geboren, seit 2007 im Tierheim, im Auslauf schüchtern, zu Menschen freundlich – bis man versucht, ihn zu streicheln. „Dann schnappt er zu“, sagt Herbing, „er hat wahnsinnige Angst vor Händen.“ Den Grund dafür sieht die Tierheimleiterin in seiner Herkunft. „Ich gehe davon aus, dass er misshandelt wurde.“ Besonders groß sei die Angst vor Kindern, ein Leben in einer Familie mit Kindern ist deshalb ausgeschlossen.

Und dann ist da Felix, ein sieben Jahre alter Stafford-Mix, seit sechs Jahren in Roggendorf. Mit einem Jahr wurde er angebunden in einer Bushaltestelle in Roduchelstorf gefunden. Felix duldet nur Menschen, die er kennt und denen er vertraut, „für alle anderen würde es in seiner Gegenwart sehr gefährlich werden“, verdeutlicht Annette Herbing. Andere Rüden hasse er, auch mit Hündinnen komme es über kurz oder lang zu Beißereien. „Felix ist ein Hund, der niemals unbeobachtet sein dürfte“, so Herbing.

Der Umgang mit Hunden wie Felix, Stanley oder Sunny stellt das Tierheim vor große Herausforderungen: „Wir haben verschiedene Trainer hier gehabt. Diese Trainer müssten sich jedoch konsequent über einen langen Zeitraum kümmern und das ist nicht zu bezahlen“, so Tierheimleiterin Herbing. Zudem müssten auch die Tierheim-Mitarbeiter im Umgang mit den schwierigen Hunden geschult und problematische Hunde kontinuierlich betreut werden. „Diese Kontinuität ist in einem Tierheim mit Schichtdiensten und wechselnden Mitarbeitern schwer herzustellen“, macht Herbing deutlich. Hinzu komme, dass Felix, Stanley und Sunny nicht die einzigen schwierigen Fälle seien. „Irgendwie sind ja alle unsere Hunde Problem-Hunde, es gibt nur ein Gefälle bei der Ausprägung.“ Um insgesamt 35 Hunde kümmert sich das Tierheim im Moment.

Sie hätten nicht viele Möglichkeiten, macht Herbing deutlich, versuchten jedoch alles. „Bei Stanley arbeiten wir jetzt mit einem ausgestopften Handschuh, damit er sich an die Berührung der Hand gewöhnt. Auch Sunny versuchen wir daran zu gewöhnen, dass von Menschen keine Gefahr droht.“

Annette Herbing hofft dennoch, dass es Menschen gibt, die einem ihrer Härtefälle ein Zuhause geben möchten. „Es müssten Menschen sein, die sich mit den Eigenschaften der Rasse gut auskennen, die verantwortungsbewusst, geduldig und bereit sind, über Monate herzukommen, um den Hund kennenzulernen.“ Die Tierheimleiterin gibt auch die harten Fälle nicht auf: „Immer wieder können auch schwierige Fälle vermittelt werden und finden ein tolles Zuhause. Es könnte jeden Tag auch für Stanley, Felix oder Sunny so weit sein.“

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