Perlin : Die geschlossene Idylle

Sorgenvoller Blick in eine ungewisse Zukunft: Sonja und Ferdinand Korte vom Naturcamping-Platz Perlin.
Sorgenvoller Blick in eine ungewisse Zukunft: Sonja und Ferdinand Korte vom Naturcamping-Platz Perlin.

Auf dem wegen Corona geschlossenen Naturcamping-Platz Perlin herrscht derzeit gähnende Leere

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23. April 2020, 18:30 Uhr

Die Sonne lacht, der Himmel ist strahlend blau, Vögel zwitschern, leuchtend gelber Löwenzahn macht sich auf den viel  zu trockenen Rasenflächen breit. Idylle pur. Und doch stimmt etwas nicht. Die Menschen fehlen. Genauer gesagt: Weit und breit ist kein Camper in Sicht. Der Naturcamping-Platz Perlin ist wegen Corona geschlossen und völlig verwaist. Platz-Betreiberin Sonja Korte und ihrem Ehemann  Ferdinand bleibt nur eines: warten. Warten auf das sehnlichst erhoffte Signal zur Wiedereröffnung.

„Unsere Dauercamper rufen ständig an und fragen, wann denn  nun wieder geöffnet wird“, erzählt Ferdinand Korte. Hamburg, Magdeburg, sogar aus Bayern kommen 25 Stammgäste Jahr für Jahr an den Dümmer See. Ein Pärchen zieht es bereits seit 35 Jahren nach Perlin. Doch anno 2020 ist alles anders. Keine Dauercamper, keine Tagestouristen, nichts. 52 000 Quadratmeter geschlossene Natur bedeuten für die Platzbetreiberin gleichzeitig auch keine Einnahmen. Etwa 3000 Euro fehlen bereits jetzt, der ansonsten umsatzstarke Monat Mai kommt erst noch. „Den Mai halten wir noch durch. Danach wird es richtig schwierig“, sagt Sonja Korte. Der vom Land  Mecklenburg-Vorpommern in Aussicht gestellte Zuschuss sei beantragt, aber noch nicht gewährt worden. Die Aufnahme von Krediten komme eher nicht in Frage. Schließlich müssen die ja auch irgendwie zurückgezahlt werden. Fragt sich  nur: Wovon, wenn die Einnahmen fehlen und niemand weiß, wann touristische Einrichtungen wieder öffnen dürfen?

Die Unsicherheit über das, was kommt, oder aber eben nicht, ist mit  Händen zu greifen. Klar haben die Kortes Verständnis für die einschneidenden Maßnahmen. Besser wird deren Situation dadurch aber auch nicht. Immerhin lockerte das Land gestern das Einreiseverbot für Dauercamper ab Anfang Mai. „Die haben ja Dusche und WC in ihren Wagen und können problemlos Abstandsregelungen einhalten“, sagt Ferdinand Korte.

Doch schon bei allen anderen Gästen wird es schwierig. „Wer will kontrollieren, wie viele unserer Gäste sich im Waschhaus aufhalten? Und zwischen Waschbecken und Urinal müssten wir vermutlich Spritzschutze installieren“, ergänzt Ehefrau Sonja. Vorbereiten indes kann das Paar nichts, solange nicht klar ist, was passiert.

Und so läuft außer den anfallenden Erhaltungskosten  auf dem Naturcamping-Platz erst einmal nichts. Das ist insbesondere auch deshalb schlimm, weil das Ehepaar jetzt eigentlich anfängt, das Geld zu verdienen, das sie über den Winter bringen soll. Ferdinand Korte: „Im vergangenen Jahr hat das gut geklappt. Da waren  die Plätze an der Ostseeküste im Sommer so überlaufen, dass viele Feriengäste zu uns ausgewichen sind.“ Seit mehr als acht Jahren geben Sonja und Ferdinand Korte ihren Gästen für die schönste Zeit des Jahres ein zweites Zuhause. Ein Bootshaus am Dümmer See, drei Finnhütten, ein großer Wohnwagen stehen Urlaubern ebenfalls zur Miete zur Verfügung. Wie lange das Paar noch durchhält, ist unklar.

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