Wildunfälle : Die Gefahr, die aus dem Wald kommt

Achtung Wild: Jetzt in der dunklen Jahreszeit sollten Verkehrsteilnehmer besonders besonnen unterwegs sein.
Achtung Wild: Jetzt in der dunklen Jahreszeit sollten Verkehrsteilnehmer besonders besonnen unterwegs sein.

In fast jeden zweiten Unfall in der Region ist ein Wildtier verwickelt/ 2013 waren es im Raum Gadebusch bereits 365 Kollisionen.

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:00 Uhr

Abenddämmerung auf der B 104: Plötzlich springt das Reh aus dem kleinen Waldstück am Straßenrand. Reifen quietschen und dann knallt es. Wildunfall. Der Fahrer ist geschockt, das Tier tot. Doch wie geht es jetzt weiter? Wen muss der Autofahrer von dem Zusammenstoß benachrichtigen und was passiert, wenn das Tier noch lebt?

„Bei einem Wildunfall sollten sofort die 110 oder die 112 angerufen werden“, sagt Bernd Schuhmacher, Polizeioberkommissar und Kontaktbeamter der Polizeistation Lützow. Er und seine Kollegen würden dann anrücken, den Unfall aufnehmen und die Untere Jagdbehörde bzw. den zuständigen Jäger informieren. Diese könnten ein verletztes Tier zeitnah ausfindig machen, um es von seinen Qualen zu erlösen, erklärt Schuhmacher. Sei das Wild tot, würden die Jäger dieses beräumen und auch entsorgen.

Ein totes Reh einfach einzupacken und als Entschädigung für die kaputte Stoßstange als Sonntagsbraten einzupacken, das sei Wilderei, betont der Botelstorfer Revierförster Ronald Fass. „Unfall-Wild einzupacken, ist verboten und sogar sehr gefährlich“, so Fass. „Tiere, die bei einem Unfall getötet wurden, werden generell nicht mehr zum Verzehr verwendet.“ Gerade bei Schwarzwild drohe die Gefahr, dass das Tier von Trichinen verseucht sei, warnt Fass.

Oft werden Rehe und Wildschweine schwer oder gar tödlich verletzt, kommt es zu einer Kollision. Wer ein verletztes Wildtier aufsammelt, bringe es meist in Zoos oder Tierparks in der Nähe, sagt Tierarzt Lothar Makowei aus Gadebusch. „Ich selbst bin noch nie mit der Situation konfrontiert worden, dass ein von einem Auto verletztes Wildtier hier hergebracht wurde“, so der Tierarzt.

Ganz anders sieht es im Wildpark Wismar aus: „Wir haben es relativ oft, dass Wildtiere hier bei uns abgegeben werden“, sagt Marina Welsch, Mitarbeiterin des Tierparks. Meist seien es verletzte Vögel, die gebracht würden, manchmal auch ein Reh. „Wir nehmen verletzte Wildtiere natürlich auf“, versichert sie. Doch sei dies nicht unproblematisch. Denn in Mecklenburg-Vorpommern sei nicht klar geregelt, wer die Kosten für die Behandlung, Unterkunft und Pflege der Tiere übernehme, bedauert Welsch. Bisher sei der Wildpark Wismar auf den Kosten für die Arztrechnungen sitzen geblieben. Zudem seien weder genug Unterkünfte noch eine Quarantänestation vorhanden und die Tiere könnten Krankheitserreger in den Park einschleppen. „Aber wir weisen natürlich keinen ab, der sich die Mühe gemacht hat, uns ein verletztes Wildtier zu bringen“, versichert sie.

Nahezu jeder zweite Unfall im Revierbereich Gadebusch ist ein Wildunfall, sagt Polizeioberkommissar Bernd Schuhmacher. „Ich schätze, etwa 40 bis 45 Prozent aller Unfälle sind Wildunfälle. Demnach ist jeden Tag im Jahr ein Wildunfall zu vermelden.“ Im Jahr 2012 wurden in der Zeit von Januar bis November 447 Unfälle mit einem Wild aufgenommen – im gesamten Jahr 2012 waren es sogar 475. In diesem Jahr hat das Polizeirevier Gadebusch von Januar bis November bereits 365 Zusammenstöße eines Verkehrsteilnehmers mit einem Tier verzeichnet. „Und im Dezember sind erfahrungsgemäß durchaus noch weitere Unfälle zu erwarten“, so der Polizeioberkommissar.

Dass in bestimmten Bereichen – beispielsweise am Holdorfer Wäldchen – die Wildunfälle vermehrt auftreten, liege an der Vegetation in diesem Bereich, sagt Schuhmacher. „Wälder, Raps und dichter Bewuchs ziehen Wild besonders an.“ Zudem liefen noch bis Ende Dezember die Drückjagden. Diese scheuchten das Wild auf und in Panik liefe es oft auf die Straße. Deshalb sollten Autofahrer zu dieser Jahreszeit besonders vorsichtig fahren – vor allem in Bereichen, in denen Verkehrsschilder auf Wildwechsel und Jagden hinweisen. „Die Warnschilder stehen da nicht umsonst“, macht der Polizist klar.

In den meisten Fällen würden Autos oder Zweiradfahrer mit Rehen oder Wildschweinen kollidieren, so Schuhmacher. „Und ein Zusammenstoß mit einem Wildschwein ist, als ob man mit dem Auto gegen eine Wand oder einen Baum fährt. 90 bis 100 Kilogramm machen schon einen erheblichen Schaden.“ Zwar verliefen die meisten Wildunfälle nicht tödlich für Autofahrer, bei Zweiradfahrern sehe das allerdings schon wieder anders aus, so der Lützower Polizist. „Motorradfahrer sind deutlich höher gefährdet als andere Verkehrsteilnehmer.“

Werden Autofahrer bei einem Zusammenstoß mit Reh oder Wildschwein verletzt, sei dies meist die Konsequenz aus einer falschen Reaktion des Fahrers, sagt Schuhmacher. „Wichtig ist, zu bremsen, abzublenden und dem Tier nicht auszuweichen, so schwer das auch fällt“, so der Polizist.


zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen