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Gadebusch sagt Nein : Die Front der Windkraft-Gegner

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Hunderte Bürger kamen zu einer Infoveranstaltung der Stadt Gadebusch und Pokrent. Sie fordern Korrekturen und drohen mit Protestwahl

von
erstellt am 22.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Der Ruf nach Kurskorrekturen in der Energiepolitik wird immer lauter. Das wurde bei einer Infoveranstaltung der Kommunen Gadebusch und Pokrent deutlich. Mehrere hundert Bürger nahmen daran in der Münzstadt teil und machten klar, was sie von weiteren Eignungsflächen für Windparks halten: Nichts. Sie drohen inzwischen offen mit einer Protestwahl am 4. September, wenn in MV ein neuer Landtag gewählt wird.

Vor Ort in Gadebusch waren Karl Schmude und Matthias Wolf von der Geschäftsstelle des regionalen Planungsverbandes. Sie informierten über die Teilfortschreibung des regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg. Eine Welle der Empörung schlug ihnen entgegen. Einer der Gründe ist ein geplantes Eignungsgebiet bei Gadebusch, wo nach Angaben einer Interessengemeinschaft 25 Windkrafträder mit einer Höhe bis zu 235 Meter errichtet werden sollen. Auch in umliegenden Gemeinden sollen neue Eignungsgebiete ausgewiesen bzw. bestehende vergrößert werden. „Natur, Landschaft und unsere Lebensqualität werden geopfert für Windkraft-Industriegebiete“, kritisiert Simone Makowei von der Bürgerinitiative Lützow-Renzow. Dort soll das mit 14 Anlagen bestehende Gebiet Renzow-West um weitere 173 Hektar erweitert werden. Hinzu soll das 61 Hektar große Gebiet Renzow-Ost kommen. „Das ist Horror“, so Simone Makowei gegenüber der SVZ.

„Der Unmut ist groß“, weiß auch Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest. Sein Pokrenter Amtskollege Stefan Janssen warnt: „Es sollen Industrielandschaften entstehen.“ Und Jürgen Scherrer vom Freien Horizont sagt das, was nicht mehr zu übersehen ist: „Die Leute haben keine Lust mehr, sich das gefallen zu lassen.“

Die Geschäftsstelle des regionalen Planungsverbandes rechnet inzwischen mit 1200 Stellungnahmen und 6000 Argumenten aus Westmecklenburg im derzeit laufenden 1. Beteiligungsverfahren. Hunderte Einwände könnten allein aus dem Altkreis Gadebusch stammen. Dort ist die Interessengemeinschaft „Gemeinsam gegen den Wind“ seit Monaten aktiv. Deren Sprecherin Silke Hansen holte während der Infoveranstaltung in Gadebusch zu einer Generalabrechnung aus. Sie erinnerte an 1700 gesammelte Unterschriften und an einen Stadtvertreter-Beschluss aus dem Jahre 2014 (keine weiteren Windräder). „Anderthalb Jahre später wird dennoch ein Windeignungsgebiet ausgewiesen, obwohl völlig klar ist, dass diese Stadt das auf keinen Fall will. Da braucht sich die Politik nicht zu wundern, wenn Protestwähler zur Wahl geben, um sich dagegen zu wehren“, so Hansen. Applaus und vereinzelte Bravo-Rufe im Saal der Feuerwehr.

Auch der Gadebuscher Unternehmer Holger Hempel mischte sich in die Diskussion ein. Er richtete folgende Frage an Karl Schmude von der Geschäftsstelle des regionalen Planungsverbandes: „Wo übernehmen Sie Verantwortung?“ Schmudes Antwort: „Wir haben keine Meinung. Wir haben einen Auftrag. Wir führen aus.“ Wenig später verließ Hempel vorzeitig den Saal. Er spricht von „bewusster Irreführung der Bevölkerung“.

Wie lukrativ das Geschäft mit der Windkraft sein kann, wird anhand dieser Zahlen deutlich. Landeigentümern könnten mit jährlichen Pachteinnahmen von 70 000 bis 90 000 Euro pro Windrad rechnen, so Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest.

Das Stadtoberhaupt kündigte gegen Ende der Infoveranstaltung an, eine zweite Diskussionsrunde initiieren zu wollen. Dann sollen Landtagsabgeordnete und Energieminister Christian Pegel (SPD) den Menschen in Gadebusch Rede und Antwort stehen.

Der Landtag hatte in dieser Woche den Weg für eine Beteiligung der Gemeinden und Bürger in unmittelbarer Nachbarschaft zu Windenergieanlagen frei gemacht. Die Grundidee des Gesetzes ist laut Ministerium die Verpflichtung von Projektträgern, für neue Windparks eine haftungsbeschränkte Gesellschaft zu gründen und Anteile von mindestens 20 Prozent dieser Gesellschaft unmittelbaren Nachbarn zur Beteiligung anzubieten.

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