Asylbewerber : Die Flucht ins Ungewisse

Die Flüchtlinge mussten Familie und Freunde zurücklassen, um zu überleben.
1 von 2
Die Flüchtlinge mussten Familie und Freunde zurücklassen, um zu überleben.

Fünf Asylbewerber berichten von ihrer Odyssee durch die halbe Welt und ihr Leben in Gadebusch

svz.de von
25. Juli 2015, 08:00 Uhr

Was bewegt jemanden, alles zurückzulassen. Die Familie, die Heimat, das alte Leben? Was bewegt jemanden dazu, auf eine gefährliche Reise zu gehen und ohne zu wissen, wo sie endet?

Ein Pharmazeut, ein Koch, ein Busfahrer und zwei Lkw-Fahrer aus Afghanistan leben zur Zeit in einer Plattenbauwohnung in Gadebusch. Sie sprechen gebrochen Englisch und Deutsch, haben kaum soziale Kontakte.

Sie wurden verfolgt, man wollte sie zwingen, in den Krieg zu ziehen. Einer von ihnen berichtet von einer Verfolgungsjagd mit den Taliban. Sie sind aus Angst geflohen, aus Angst vor den Taliban und vor dem Krieg in ihrem Land. Zurücklassen mussten sie Eltern, Frauen, Kinder, Geschwister.

Mit Taxi, Bus, manchmal auch zu Fuß kamen die Afghanen bis nach Deutschland. Sie flohen über Pakistan und den Iran. Dort musste der 18-jährige Koch seinen zwei Jahre jüngeren Bruder zurücklassen. Er hat bis heute nichts von ihm gehört.

Es ging weiter über die Türkei nach Griechenland - über den Landweg. „Die meisten Menschen fliehen von dort über das Mittelmeer, viele ertrinken“, sagt Mahmoud. Sein richtiger Name und die seiner Freunde sollen zu ihrem Schutz nicht in der Zeitung erscheinen.

Von Griechenland ging es nach Ungarn und dann mit dem Taxi nach Deutschland. „Wir sind nicht in den Ländern geblieben, durch die wir gereist sind, weil diese uns wieder abgeschoben hätten“, sagte Mahmoud. Etwa 8000 Euro habe er für die Reise bezahlt an Schleuser, sagte der 28-Jährige. „Kennengelernt haben wir uns in Horst“, berichtete einer der Afghanen. In der Erstaufnahmestelle in Horst kommen alle Asylbewerber in MV an. Von hier aus werden sie im Land verteilt.

Ihr Alltag in Deutschland ist recht eintönig. „Wir essen und schlafen, manchmal spielen wir draußen Fußball“, sagt Mahmoud. Ihnen fehlen eine Beschäftigung und Kontakte. Sie würden gerne arbeiten, oder sich sportlich betätigen. Seit zwei Monaten lernen sie nun drei Mal in der Woche Deutsch. Ehrenamtlich werden die jungen Männer in Gadebusch unterrichtet.

Kontakt zu ihren Verwandten in Afghanistan halten die Asylbewerber vor allem übers Internet, manchmal auch telefonieren sie. „Meine Familie ist in Frankfurt. Ich weiß aber nicht, wie ich dorthin kommen soll“, sagt Farid. Er hat einen Antrag gestellt, zu seiner Familie ziehen zu können. Seit drei Monaten hat er sie nicht mehr gesehen. Heute kam eine Nachricht, dass dieser in Bearbeitung sei. Lesen kann er nicht, was die Behörden ihm mitteilen wollen. Der Brief war auf Deutsch. Auch generell wissen die Flüchtlinge nicht, wie es um ihre Asylanträge steht und ob sie bleiben dürfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen