zur Navigation springen

Schützen suchen dringend Nachwuchs : Die Cowboys von Wakenstädt

vom

Der Wilde Westen beginnt gleich am Ende der Schotterpiste am Rande Wakenstädts. Hier liegt, umgeben von hohen Bäumen, das "Smoking Valley", das rauchende Tal - die Heimat der Schützen des Sportvereins 1712 Köchelstorf.

svz.de von
erstellt am 27.Jun.2013 | 05:45 Uhr

Wakenstädt | Der Wilde Westen beginnt gleich am Ende der Schotterpiste am Rande Wakenstädts. Hier liegt, umgeben von hohen Bäumen, das "Smoking Valley", das rauchende Tal - die Heimat der Schützen des Sportvereins 1712 Köchelstorf. Genauer: die sportliche Heimat der Cowboys der Abteilung Westernschießen des Vereins.

Westernschießen, sagt Andreas Thielbörger, machen vor allem drei Dinge aus: Die Dynamik des Sports, bei dem nicht von einer Feuerlinie aus auf Ringscheiben geschossen wird. "Stattdessen gibt es Metallziele, die deutlich sicht- und hörbar getroffen werden und in möglichst kurzer Zeit innerhalb eines bestimmten, festgelegten Parcours fehlerfrei getroffen werden müssen." Zweite Besonderheit: die Waffen. Westernschützen schießen mit einer Schrotflinte, einer Winchester und zwei Revolvern. Angetreten wird in drei Disziplinen: Waffen, die bis 1890, bis 1880 und bis 1870 gebaut wurden. "Alle Waffen müssen vor 1900 gebaut sein. Natürlich gibt es auch Replikate, aber das Patent muss vor 1900 erteilt worden sein", erzählt Westernschütze Michael Schmidt, während er mit einer Hand die Krempe seines Cowboy-Hutes hochschiebt.

Denn das ist das dritte Charakteristikum des Westernschießens: Zu den authentischen Waffen gehört auch die authentische Kleidung. "In den Klassen sind bestimmte Outfits vorgeschrieben und das wird bei Wettkämpfen auch überprüft", so Andreas Thielbörger. Cowboyhut, hoch geschnittene Hosen mit Hosenträgern oder lederne Beinkleider, Weste, Halstuch, Sporen, Taschenuhr, Messer oder Revolverholster gehören zu den vorgegebenen Accessoires, von denen beim Wettschießen je nach Disziplin eine bestimmte Anzahl vorhanden sein muss.

Und damit endet die Begeisterung für die gelebte Geschichte noch lange nicht: "Bei Meisterschaften lebt man in einer Zeltstadt aus bis zu 50 Zelten. Keine modernen Zelte", erklärt Andreas Thielbörger, "sondern Zelte aus derbem Leinwandstoff." Das, fügt Michael Schmidt hinzu, sei wie eine kleine Zeitreise, versetze einen in die legendären Goldgräbercamps: "Wir versuchen dann, mit den wenigen Dingen, die man hat, auszukommen. Die Aktiven, die zu den Meisterschaften kommen, sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Zusammenhalt und Gemütlichkeit spielen eine große Rolle."

Zugleich, das machen die Western schützen deutlich, gehöre zu ihrem Hobby weitaus mehr als Lagerfeuerromantik und der Traum vom Cowboy-Leben: Sicherheit werde zu jedem Zeitpunkt groß geschrieben. "Bei Meisterschaften gibt es eine Person, die nur dafür da ist, den Schützen auf dem Parcours zu begleiten und ihn abzusichern", erklärt Michael Schmidt. Zudem sind die gesetzlichen Hürden hoch: Für das Westernschießen benötigen die Schützen spezielle Lizenzen, hinzu kommt eine mindestens einjährige Probephase, bis man eine Western waffe besitzen darf sowie regelmäßige Überprüfungen der Schützen. "Richtig und wichtig", sagen Thielbörger und Schmidt, "immerhin hantieren wir mit Waffen, die auch gefährlich sind." Zugleich schrecke gerade die Langfristigkeit Interessenten ab. Und so ist das Leben im "Smoking Valley" am Rande von Wakenstädt bei weitem nicht unbeschwert: "Wir würden uns sehr über Nachwuchs freuen", betont Thielbörger. Derzeit seien es drei aktive Schützen, die auch zu Meisterschaften fahren - und das ausgesprochen erfolgreich: Michael Schmidt ist Landesmeister in der Klasse 1890, Andreas Thielbörger Vize-Landesmeister in der Klasse 1870 und Vereinskollege Stefan Ringelmann wurde Dritter bei der Landesmeisterschaft in der Klasse 1890. Hinzu kommen fünf bis sechs weitere Westernschützen im Verein.

Um allen Interessierten einen Einblick in ihr Hobby zu gewähren, laden die Westerschützen vom 6. bis 8. September, auf ihren Schießstand ein. Neben Schnupperkursen im Westernschießen erwarten die Besucher Bogenschießen, Axt- oder Hufeisenwerfen. Und natürlich das ganz besondere Lebensgefühl im Wilden Westen in Wakenstädt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen