Rehna : Die Angst vor der Regenflut

Die Erschließungsarbeiten stellen die Stadt Rehna und die Anlieger vor neue Herausforderungen.
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Die Erschließungsarbeiten stellen die Stadt Rehna und die Anlieger vor neue Herausforderungen.

Michael Drews warnt vor überschwemmten Weideflächen. Stadt Rehna lehnt den Bau eines Entlastungskanals ab

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28. März 2015, 00:07 Uhr

Zottelig und irgendwie knuffig anzuschauen sind die Hochlandrinder von Michael Drews. Weit ab vom schottischen Hochland setzt der Rehnaer auf die Haltung dieser Tierrasse. „30 Muttertiere sind das Ziel, ein paar sogenannte Fleckrinder kommen noch hinzu“, erzählt der Agrar-Akademiker. Das hochqualitative und fettarme Fleisch sei für Gourmetrestaurants und lokale Interessenten gedacht.

Ein ausbaufähiges Projekt. Vorausgesetzt, die Tiere finden ausreichend Weideland vor. Eben dieses ist aus Sicht von Drews in Gefahr. Grund: Die Stadt Rehna baut ein neues Gewerbegebiet, sammelt dort das Regenwasser und leitet es über Rückhaltebecken durch die von Drews gekauften Wiesen ab. „Die Versickerung findet nicht auf der Gewerbefläche statt. Bei rund 7,2 Hektar müssen wir mit zusätzlichen 50 bis 60 Millionen Liter Wasser rechnen“, so Drews. Wasser, das die Gräben auf Grund der hohen Anschlussdichte nicht aufnehmen könnten. Hinzu komme ein Rückstau an der Autobrücke in der Gletzower Straße: „Die Vorflut ist erschöpft.“ Darüber hinaus zweifelt er das Genehmigungsverfahren zum Gewerbegebiet an. Dies sei auf „Grundlage falscher und vereinfachter Gutachten und Planungen erstellt“ worden. „Wir sollten vor Abschluss der Baumaßnahme noch einmal darüber sprechen“, wünscht sich Drews von der Stadtvertretung.

Bürgermeister Hans Jochen Oldenburg sieht keinerlei Spielraum. „Wir müssen uns auf die fachliche Beratung verlassen“, sagt er. Eine neue von Drews vorgeschlagene und nordöstlich unter der B 104 zum Bürgermeistergraben geführte Leitung lehnt er ab. „Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt bleiben“, sagt Oldenburg. Amt und Stadt rechnen bei solch einem Projekt mit einem zusätzlichen Finanzbedarf von mehr als 500 000 Euro. Drews hingegen mit rund 150 000 Euro. Er macht deutlich: „Eine Lösung muss her. Die Stadt sollte anerkennen, dass sich die Eigentumsverhältnisse seit den Planungen von 2008 verändert haben.“ Hans Jochen Oldenburg verweist auf einen Gesprächstermin am 20. April. Zu spät meint Drews, denn bis dahin sei das Regenrückhaltebecken gebaut, der Überlauf in die Wiesen vorprogrammiert.

Rehnas Amtsleiter Hans Martin Buschhart sieht einen Lösungsansatz: „Es werden nur 5,2 der 7,2 Hektar Fläche bebaut. Folglich versickert mehr Wasser als rechnerisch in die Rückhaltebecken gelangt.“ Zudem zwingt eine jetzt freigelegte alte Mülldeponie Stadt und Amt zur Planänderung. Gilt der Standort der Rückhaltebecken gar als problematisch. „Die alte Planung sieht 1,5 Meter tiefe Teiche vor. Nun muss der Boden bis auf 3,5 Meter ausgekoffert und teilweise mit Kies aufgefüllt werden. Wir erhalten dadurch einen versickerungsfähigen Boden. In einem weiteren Schritt wird der Wall erhöht, somit kann das Becken Spitzenlasten aufnehmen“, so Buschhart gegenüber der SVZ.

Über das Rückstauproblem an der Feldsteinbrücke Gletzower Straße sei man im Bilde. Zur Stabilisierung des Bauwerks erhöhte vor Jahren das Straßenbauamt dort die Betonsohle. Dies führt an niederschlagsreichen Tagen zum Rückstau bis auf die Wiesen von Michael Drews.

Andrea Buhr, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Stepenitz-Maurine, sieht eine Lösung: „Wir haben erwirkt, dass der Durchlass an der B 104 erneuert wird.“ Das Straßenbauamt habe dies für 2016 in die Planung mit aufgenommen.

Ein Brückenneubau wird als heikel eingestuft. Hans Martin Buschhart befürchtet: „Eine komplette Sanierung zieht eine Vollsperrung und Bauzeit von mindestens zwei Monaten nach sich.“

Wochenlange Staunässe, die wirkt sich allerdings auf die Ertragsleistung der Landwirtschaft aus, so Reinhard Drews, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Köchelstorf. Sein Unternehmen bewirtschaftet zwischen Löwitz und Rehna verschiedene Flächen. Auch er hofft auf eine zeitnahe Lösung des Problems.  

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