zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

11. Dezember 2017 | 05:00 Uhr

Wallensteingraben : Der Traum vom Schiffskanal

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Falko Hohensee veröffentlicht Geschichten, Fakten und Visionen rund um den Wallensteingraben im Heimatheft „Einblicke“

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 13:00 Uhr

Falko Hohensee liebt Heimatgeschichten. Ganz besonders hat es ihm der kleine Bach hinter seinem Dienstsitz, dem Kreisagrarmuseum Dorf Mecklenburg, angetan: der Wallensteingraben. Dicht bewachsen mit Erlen und Weiden plätschert er dort in Richtung Ostsee. Das glasklare Wasser zieht Hohensee in seinen Bann und weckt die Lust auf Recherchen zum 21 Kilometer langen Fließgewässser zwischen dem Schweriner See und der Ostsee. Ein anspruchsvolles Gewässer, das auf seinem Weg nach Wismar ein Gefälle von 40 Metern aufweist.

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Hohensee in seiner Freizeit mit der Geschichte des Wallensteingrabens. Jetzt hat er die Mythen, Fakten und Visionen rund um das Fließgewässer aufgeschrieben und im neuen Heimatheft „Einblicke16“ des Landkreises Nordwestmecklenburg veröffentlicht. 80 Seiten voller Heimatgeschichte. Kerstin Weiss, Fachdienstleiterin Bildung, freut sich über die Neuerscheinung: „Seit Anfang der 1990er-Jahre geben wir das Heimatheft heraus.“ Eine Heftreihe mit unterschiedlichen Themen.

An Inhalt mangelte es nie und der Wallensteingraben verspricht weitere Geschichten, so Hohensee. Für ihn steht fest: „Der Bach hat Potenzial.“ Schon allein vor dem Hintergrund, dass Mecklenburger Herzöge in zurückliegenden Jahrhunderten und auch Politiker und Vereine in heutiger Zeit von einem Schiffsverkehr auf dem kleinen Bachlauf träumten – und immer noch träumen.

Bereits im Jahr 845 habe es Unternehmungen gegeben, Boote von Schwerin nach Wismar zu transportieren. Straßen gab es zur damaligen Zeit nicht. „Somit kann als Transportweg lediglich der Wallensteingraben gedient haben“, meint Autor Hohensee. Doch der „Schiffskanal“, wie er namentlich über Jahre in Karten und Planungen eingetragen war, konnte erst Mitte des 16. Jahrhundert mit dem Durchstich des Sanderriegels nördlich des Schweriner Sees seiner zugedachten Aufgabe gerecht werden. Kanalplaner Tilemann Stellas organisierte für den 10. Juni 1577 den ersten Spatenstich. Zwölf Schleusen von je 30 Metern Länge sollten die Schiffbarkeit sichern. „Als der Kanal 1582 fertig war, schwand das Interesse am Projekt. Zirka 20 000 Gulden verschlang der Bau“, so Hohensee. Letztlich eroberte sich die Natur ihr Terrain zurück. Folglich gewann die Verbindung als weitere Salzstraße vom Lauenburgischen zur Ostsee, trotz einer Versuchstour im Jahr 1594, nicht an Bedeutung.

Erst drei Jahrhunderte darauf erhielt der von Ingenieur Stella gebaute Schiffsweg den Namen Wallensteingraben. „Nicht korrekt“, meint Hohensee. Denn Wallenstein, eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (1583−1634), habe sich dem Kanal als Herzog zu Mecklenburg und Generalissimus nicht wirklich gewidmet. „Erst um 1870 gewinnt der Name Wallensteingraben im Volksmund an Bedeutung und findet sich in den Karten wieder“, sagt Hohensee.

An Visionen zur Schiffbarmachung mangelt es auch im 19. und 20. Jahrhundert nicht. Neue Anhaltspunkte findet Hohensee bei seinen Recherchen, als er in einer Annahmestelle des Unternehmens Altstoffe SERO ein vergilbtes Heft mit dem Titel „Elbe-Wismar“ entdeckt. Es handelt sich um eine Betrachtung der noch jungen DDR. Das Papier gibt Auskunft über Möglichkeiten, wie und ob überhaupt solch eine Wasserverbindung Schiffe aufnehmen kann. Letztlich scheint es eine Art Ironie der Geschichte, dass die Planungen inklusive detaillierter Karten auf dem Altpapierstapel landen. Ein Stempel auf der ersten Seite verrät die Herkunft: „Traditionsstätte der sozialistischen Landwirtschaft Dorf Mecklenburg“ – das heutige Kreisagrarmuseum.

Es sind nicht die einzigen Planungsunterlagen aus der Geschichte einer nie vollendeten Wasserstraße. Das jüngste Papier, verrät Hohensee, stammt aus dem Jahr 2010, als unter Landrat Erhard Bräunig mit dem Verein Wallenstein Wasserwege e.V. das Tourismusprojekt Wallensteingraben angeschoben werden sollte. Verbindungen bis nach Brüssel wurden geknüpft. Es blieb aber wie so oft bei den Vorplanungen.

Heute sichtbar sind die Überreste von 24 technischen Einrichtungen, darunter Mühlen, Kraftwerke, die über Jahrhunderte im Einzugsbereich des Wallensteingrabens entstanden. „Wer genau hinschaut, der kann noch Spuren im Wasser entdecken“, sagt Hohensee. Er selbst könnte sich eine Nutzung des Wallensteingrabens vorstellen: „Als touristisches Angebot für Kanus und nicht als Wasserstraße für Luxusyachten“.


zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen