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Schwanger in Studium und Referendariat : Der Spagat zwischen Kind und Karriere

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Erst die Karriere, dann das Kind. Das ist noch immer das Prinzip, nach dem die meisten Studentinnen ihr Leben planen. Doch es gibt Ausnahmen: Zwei angehende Wismarer Lehrerinnen sprechen über ihre Erfahrungen.

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erstellt am 04.Okt.2012 | 10:50 Uhr

Wismar | Für Susan Kuhn beginnt der Tag früh. Um vier Uhr morgens klingelt der Wecker. Ganze zwei Stunden hat sie Zeit, um sich auf den Unterricht vorzubereiten. Danach bringt sie ihre Kinder in den Kindergarten und fährt dann zur Schule nach Wismar. Die 26-jährige Rostockerin ist Vertretungslehrerin an der Claus-Jesup-Schule in Wismar. Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt, ist erst einmal "Mamazeit". Susan Kuhn ist Mutter von zwei Kindern. "Lara Lotta und Bennet habe ich während des Studiums bekommen. Das hat mir einiges abverlangt", erinnert sie sich. Bei ihrer Tochter, die 2010 geboren wurde, befand sie sich mitten in der Prüfung zum ersten Staatsexamen. "Ich musste sechs Mal ins Krankenhaus, weil ich Migräne und viel Stress hatte. Am Ende konnte ich die Prüfungszeit aber verlängern lassen", fügt die gebürtige Wismaranerin hinzu. Auch nach der Geburt ihres Sohnes 2011 gab es nur wenig Zeit zum Entspannen. Denn nach nur drei Wochen Eingewöhnungszeit hat sie an ihrer Abschlussarbeit weiter geschrieben. "Mein Tagesplan sah für die kommenden drei Monate so aus, dass ich von sechs Uhr morgens bis acht Uhr abends Mama war, von acht bis drei Uhr morgens meine Studienaufgaben erledigt und von drei bis sechs Uhr geschlafen habe. Jetzt ist es zum Glück wieder ruhiger."

Während für Susan Kuhn und ihre Kinder bereits um 20 Uhr Schlafenszeit ist, beginnt bei ihrer Kollegin die Unterrichtsvorbereitung. "Das Wichtigste ist, dass man lernt, sich sehr gut zu organisieren. Dann ist alles möglich", erklärt Stephanie Drenkhahn. Sie muss es wissen: Die 29-jährige Referendarin und Vertretungslehrerin ist Mutter einer einjährigen Tochter. Nach ihrem Studium der Sonderpädagogik und Grundschulpädagogik in Rostock und Erwerb des ersten Staatsexamens konnte sie mit ihrem Referendariat in Wismar beginnen. "Von April bis Juli 2011 bin ich täglich von Rostock nach Wismar gependelt," bis sie schließlich in diesem Jahr mit ihrem Partner nach Wismar gezogen ist. "Ich habe mich bewusst für eine Schwangerschaft im Referendariat entschieden", sagt Stephanie Drenkhahn.

Auch Susan Kuhn, die für ihr Studium der Sonderpädagogik und Germanistik von Wismar nach Rostock gezogen ist, sieht einen großen Vorteil, während des Studiums ein Kind zu bekommen. "Ich würde es wieder so machen." Positiv sei, dass sie sich im Studium ihre Zeit frei einteilen könne und finanziell durch die Ämter abgesichert sei.

"Dass es im Studium leichter ist, ein Kind zu bekommen, hätte ich nicht gedacht", erzählt Stephanie Drenkhahn. Im Referendariat sei es schon anders. Der Unterricht soll gut vorbereitet werden und es muss viel nebenbei erledigt werden. Auch Unvorhersehbares passiert: "Ich erinnere mich noch daran, als Marthas Tagesmutter für zwei Wochen im Urlaub war. Da musste ich mir überlegen, wie die Betreuung für diese Zeit aussieht. So habe ich mich entschieden, dass meine Mutter in der ersten Woche in Wismar auf sie aufpasst und in der zweiten Woche in meiner Heimat Picher. So bin ich täglich zwischen Picher und Wismar gependelt. Das war schon ziemlich hart. Ein gutes Zeitmanagement ist alles."

Das Thema Familienplanung liegt für die meisten Studenten in weiter Ferne. Doch für manche gehört der Spagat zwischen Kind und Karriere bereits während der Ausbildung zum Alltag. Grundsätzlich sei das Studium eine gute Zeit für die Familiengründung.

Erst die Karriere, dann das Kind. Das ist noch immer das Prinzip, nach dem die meisten Studentinnen ihr Leben planen. Laut Statistischem Bundesamt beträgt das durchschnittliche Alter bei der Geburt eines Kindes durchschnittlich 29,0 Jahre.

Susan Kuhn wollte schon immer junge Mutter sein: "Es hat einfach gepasst. Ich habe meinen Mann kennengelernt und schon bald haben wir mit der Familienplanung begonnen."

Die Kombination von Studium und Kindererziehung bedeutet häufig einen immensen Aufwand. "Ein Kind duldet im Gegensatz zur Hausarbeit nun mal keinen Aufschub", verdeutlicht Susan Kuhn.

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