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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

25. November 2017 | 10:46 Uhr

Ärger der Woche : Der „Sheriff“ von Gadebusch

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Schilder-Streit: Baumkletterer Marco Kern zieht Reißleine. Er will sich auf die Problem-Kreuzung stellen, um Kinder vor Unfällen zu schützen.

von
erstellt am 13.Dez.2014 | 00:30 Uhr

Unfassbar aber wahr: Weil Behörden trotz tagelanger Kritik von Kommunalpolitikern, Fahrschullehrern, pensionierten Verkehrsexperten und Anwohnern offenbar versagen, zieht ein professioneller Baumkletterer nun die Reißleine: Marco Kern. Er wird sich notgedrungen zum „Sheriff“ von Gadebusch aufschwingen. Denn der Vater von zwei Kindern will sich mit einer Warnweste auf die Problem- Kreuzung im Gadebuscher Bahnhofsbereich stellen, um Kinder und Jugendliche vor Unfallgefahren zu schützen. „Das ist kein PR-Gag. Das ist kein Witz, sondern es ist vielen Gadebuschern und mir bitterer Ernst. Zum Lachen ist uns angesichts dieser abstrusen Verkehrsregelung nämlich nicht mehr zumute“, sagt Marco Kern gegenüber der SVZ.

Der Gadebuscher fürchtet, dass die neue Verkehrsregelung im für rund 300 000 Euro neu gestalteten Gadebuscher Bahnhofsbereich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Er sieht u.a. radfahrende Kinder in Gefahr und drängt auf eine Entschärfung der umstrittenen Verkehrsregelung.

Kommunalpolitiker, Anwohner und Fahrschullehrer pflichten Kern bei – während Behördenmitarbeiter von einer Erleichterung für Kraftfahrer sprechen und das große Ganze bei einem Empfang mit Blick auf den Burgsee feierten.

Experten, die Kritik üb(t)en und auf Gesetzestexte verweisen, werden von Behördenseite derweil als Nörgler diskreditiert. Sie sind aber nicht die Einzigen, die Kritik anmelden. Projekt-Beteiligte meinen gegenüber der SVZ: „Auch wir hätten uns eine andere Ausschilderung gewünscht. Aber lasst um Himmels Willen unsere Namen da raus.“

Noch deutlicher wird ein Einheimischer, der nahezu täglich etwas mit der Straßenverkehrsordnung, mit Paragraphen und mit Verkehrssündern zu tun hat: „Das hier scheint jemand aus der Irrenanstalt fabriziert zu haben. Anders ist das hier nicht mehr zu erklären. Hier gehört jemand schnellstmöglich aus dem Verkehr gezogen.“

Der Gadebuscher Fahrschullehrer Günter Gottschalk warnt: „Durch die jetzige Regelung ist es in etwa so, als wenn an einer Ampelkreuzung gleichzeitig alles auf Grün gestellt wird.“ Fehler könne man machen, aber man müsse diese dann schleunigst korrigieren und nicht auf seine Machtposition beharren.

Angesichts des Schilder-Streits scheint fast in den Hintergrund zu geraten, was Gadebuscher eigentlich geschaffen haben und worauf sie stolz sein können: Sie machten aus einem ausrangierten Güterbahnhof ein Areal mit Busbahnhof, Parkplätzen und neuen Gehwegen. „Hier kann nunmehr eine Verknüpfung des öffentlichen Personenverkehrs mit den Verkehrsmitteln Bahn und Bus gewährleistet werden“, so Bürgermeister Ulrich Howest. Für Pendler werde durch die geschaffenen Stellplätze die Attraktivität der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel deutlich erhöht.

 

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