Von Rehna bis Rügen : Der Pfarrer, dem die Polizei vertraut

Pfarrer Roman Johannsen ist der neue Polizei-Seelsorger.
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Pfarrer Roman Johannsen ist der neue Polizei-Seelsorger.

Roman Johannsen aus Wismar ist neuer Polizeiseelsorger in Mecklenburg-Vorpommern. Der Tod begleitet ihn schon fast sein ganzes Leben.

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06. Juni 2016, 21:00 Uhr

Der Tod gehöre dazu, sagt Roman Johannsen. Er sagt das ruhig, fast schon gelassen. Ohne Angst. „Es macht keinen Sinn, das zu verdrängen.“

Roman Johannsen ist 60 Jahre alt, katholischer Pfarrer in Wismar und neuer Polizeiseelsorger in Mecklenburg-Vorpommern. Er begleitet Polizisten, wenn sie Angehörigen Todesnachrichten überbringen müssen. Oder wenn Polizisten den Tod von Kollegen verkraften müssen.

Er sitzt in einem kleinen Besprechungszimmer im Wismarer Pfarrhaus und erzählt davon, wie die menschliche Seele reagiert, wenn das Schicksal plötzlich zuschlägt. Schreien, schweigen, zusammenbrechen. Das kratzt gelegentlich auch am Seelenleben des Pfarrers. „Bei aller Professionalität, ein paar Tränen zu vergießen, muss erlaubt sein“, sagt der Pfarrer. Warum auch nicht?

Roman Johannsen hat schon viel erlebt in seiner Zeit als Seelsorger. Er hat lange für und bei der Bundeswehr gearbeitet. Als Gemeindepfarrer in Stavenhagen hat er den Standort in Basepohl mitbetreut. Er hat in Stern Buchholz gearbeitet und schließlich fünf Monate im Kosovo mit Soldaten gelebt, gearbeitet, getrauert. Er musste Eltern die Nachricht überbringen, dass ihr Sohn sich totgefahren hat. Er hat Soldaten über den Kummer hinweggeholfen, wenn es zu Hause nicht lief, sie aber tausende Kilometer weit weg sind. „Das sind Erlebnisse, die bekommen sie nirgends“, sagt Johannsen.

Bei der Polizei in Wismar hat er nun seine neue dienstliche Heimat gefunden und trifft auf Beamte, die gerade den Tod eines Kollegen verkraften müssen. „Sie sind aufgewühlt. Es ist schon ein Drama“, sagt Johannsen.

Er ist dann einfach da. Hört zu, spricht mit ihnen. Ohne Druck, ohne Risiken für die Laufbahn. „Die Polizisten wissen, dass Vertraulichkeit oberstes Prinzip ist“, sagt Johannsen. „Alles, was sie mir erzählen, hat keine Auswirkungen auf die Karriere.“ Der Seelsorger muss niemandem Rechenschaft ablegen, er muss nichts melden. „Diese Freiheit ist ein hohes Gut.“

Noch ist der Seelsorger neu bei der Polizei und gerade dabei, sich im Land vorzustellen. Er möchte, dass die Polizisten sein Gesicht kennen. Dann lässt es sich leichter miteinander reden.

Doch wie geht er damit um, dass jeden Moment das Telefon klingeln kann? Dass er jeden Moment los muss, um Angehörige zu stützen, denen die Polizei eine traurige Nachricht bringen muss? „Eine gute Beziehung zu Gott ist wichtig“, sagt Johannsen. Sie hilft ihm, dem Christen, das Schicksal hinzunehmen, wie es ist. Auch mal zu akzeptieren, wenn es auf die Frage nach dem Warum keine Antwort gibt.

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