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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

16. Dezember 2017 | 06:35 Uhr

Neue Studie : Der Nordwesten altert schneller

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Jugend auf dem Rückzug: Zahl der über 75-Jährigen steigt auf 19 500 bis zum Jahr 2030. Eine neuer Pflegesozialplan zeigt Betreuungslücken.

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Nordwestmecklenburg altert und das schneller als im Bundesdurchschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik Köln/Berlin im Auftrag der Kreisverwaltung erarbeitet und erste Ergebnisse dem Landkreis vorgelegt hat. „Im Jahr 2000 gab es 9  476 Menschen ab 75 Jahren. Ende 2013 waren es 16 384. Das ist ein Zuwachs für den Nordwestkreis um 73 Prozent. Beim Bund waren es im gleichen Zeitraum nur 39 Prozent“, sagt Dr. Dietrich Engels der mit Dr. Regine Köller für die Studie verantwortlich zeichnet.

Die Experten sehen Handlungsbedarf bei Kommunen und Sozialverbänden, die sich auf eine steigende Nachfrage nach Pflegeleistungen einstellen müssen. Davon ist auch angesichts anhaltender Abwanderung bzw. verstärkten Zuzug in Altersruhesitze an der Küstenregion, Schaalsee bis hinüber nach Schwerin auszugehen.

Aus Sicht von Karla Pelzer, Leiterin Fachdienst, Jugend, Soziales und Bildung beim Kreis, besteht Entwicklungsbedarf: „Wir müssen schauen, was da ist, was vorhanden sein müsste, damit die älteren Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben können.“

Genau das soll die Studie bewirken, die den Ist-Zustand beschreibt aus denen sich Entwicklungschancen für den Landkreis ableiten lassen. Bereits heute steht fest: Die Anzahl von Kurzzeitpflegeplätzen und ambulanter Pflege ist zum Bundesdurchschnitt vergleichsweise gering. Dafür sind die ärztliche Versorgung und Kliniken überdurchschnittlich vertreten.

Von der Studie mit dem Schwerpunkt „Wohnen im Alter“ sollen die Sozialverbände als auch Betreiber von Pflegeeinrichtungen partizipieren und sich auf die neue Bedürfnisse vorbereiten. Das stellt sich zumindest Pelzer vor und regt Gespräche mit den „Trägern von Pflegeeinrichtungen und regionalen Akteuren“ an.

Die Fakten: Bei der demographischen Entwicklung liegen Gadebusch und der Amtsbereich Lützow-Lübstorf im Mittelfeld. Der Anteil älterer Menschen zwischen 60 und 74 und darüber hinaus liegt bei 29 bzw. 27 Prozent gemessen an der Gesamteinwohnerzahl. Ein wenig jünger stellt sich die Altersstruktur im Bereich Rehna (24 Prozent) dar. Die meisten Menschen zwischen 60 bis 74 Jahren und älter leben in der Gemeinde Poel mit 36 Prozent.

Was den Zuwachs bis zum Jahr 2030 insgesamt angeht, wird die Zahl im Vergleich zum Bund nur noch um 20 Prozent auf 19 574 Menschen anwachsen. Im Vergleich dazu, wird im gleichen Zeitraum entsprechend der Studie die Zahl hier lebender Menschen unter 40 Jahren von heute rund 57 000 auf 50 974 in Nordwestmecklenburg schrumpfen.

Unterm Strich steigt die zahl der Pflegebedürftigen von heute 6  472 auf 7  480, der Hilfsbedürftigen von 6  335 auf 7  049 und Demenzpflegefällen von 3  269 auf 3  686 bis 2030 an.

Heimplatz oder häusliche Pflege ist den Senioren nicht egal. „Die Senioren von heute haben klare Vorstellungen, wo sie wohnen wollen“, sagt Engels. Platz eins bleibt die eigene Wohnung (70 Prozent der Befragten), gefolgt vom betreuten Wohnen (41 Prozent) und städtischer Wohnlagen (21 Prozent). Hilfe erwarten die Befragten vornehmlich vom Partner, Tochter, Sohn und dann vom Pflegedienst bzw. Sozialstation.

Das Institut für Sozialforschung hat die Senioren auch danach befragt: Wie gerne wohnen Sie an ihrem Ort?

Während Ostsee nahe Gemeinden mit „sehr gerne“ bei 50 bis 75 Prozent der befragten Senioren abschneiden, sprechen in Gadebusch davon lediglich 40 Prozent, aber immerhin 95 Prozent von „gerne“. Das ist der zweitbeste Platz im Kreisvergleich. Lediglich ein Prozent sagt „nicht gerne“. In Rehna wohnen 89 Prozent der Senioren gerne. Der Rest teils und weniger gerne. Ähnlich sieht es im Bereich des Amtes Lützow-Lübstorf aus. Am zufriedensten sind Menschen in der Gemeinde Insel Poel.

Die vollständige Studie soll dem Nordwestkreis in den kommenden Wochen vorgelegt werden. Für Karla Pelzer ist die Ausrichtung bereits erkennbar: „ Wohnen in der eigenen Häuslichkeit und betreutes Wohnen.“

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