Grenzöffnung : Der neue Weg nach Wietingsbek

Die Blaskapelle Utecht auf dem Rückmarsch. Vorher begeisterte sie die Bürger aus Ost und West mit einem Platzkonzert .
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Die Blaskapelle Utecht auf dem Rückmarsch. Vorher begeisterte sie die Bürger aus Ost und West mit einem Platzkonzert .

Heute vor 25 Jahren öffnete sich der Grenzzaun bei Schlagbrügge

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31. Dezember 2014, 09:00 Uhr

Den Schlagbrüggern und ihren Nachbarn steht in der Silvesternacht eine Jubiläumsfeier bevor. Sie begrüßen nicht allein das Jahr 2015. Am 31. Dezember 1989 öffnet sich die Grenze zwischen Schlagbrügge und Wietingsbek. 25 Jahre liegt das Ereignis zurück. Der Ratzeburger Horst Kömme erinnerte mit seinen Fotos an diesen besonderen Tag, der nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 den Menschen eine neue Direktverbindung brachte. „Um 9 Uhr öffnete das große eiserne Tor im Metallgitterzaun unter den Klängen der Utechter Blaskapelle“, so Kömme. Der Weg zwischen Wietingsbek und Schlagbrügge war nach Errichtung des eisernen Vorhangs im August 1961 wieder frei.

Schlagsdorfs heutiger Bürgermeister Ingo Melchin erinnert sich gern an das Ereignis. Der 50-Jährige blickt auf ein Vierteljahrhundert Nachwendegeschichte zurück. „Damals war ich nicht in der Kommunalpolitik aktiv, sondern Wehrführer von Schlagbrügge“, so Melchin. Willi Tönnings als damaliger Bürgermeister von Schlagsdorf und sein Ziethener Amtskollege Karl-Horst Salzsäuler standen in den Woche nach der Wende in Kontakt. Melchin: „Sie bereiteten gemeinsam die Öffnung mit vor.“

Für ihn selbst war die Wendezeit voller Veränderung. Die Familie bekam gerade eine neue Wohnung in einem neuen Haus von der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). „Als die Grenze sich öffnete, erwartete uns ein Silvester der besonderen Art“, erinnert sich Melchin. Er erzählt von zahlreichen Menschen, die von Haus zu Haus gingen und mit den Schlagbrüggern feierten. „Unsere Wohnstube war voll. An die 15 bis 20 Gäste aus Mustin und Ratzeburg stießen auf das neue Jahr an“, sagt Ingo Melchin. Einfach so folgten die Menschen am Grenzzaun der Einladung nach Schlagbrügge: „Kommt mit uns ins Wohnzimmer und stoßt an.“

Vor den Feierlichkeiten galt es den ein oder anderen Graben vor der Grenzlinie zu überwinden. Der Fahrer eines Lada startete den Versuch, den Panzergraben zu durchfahren. Die Feuerwehr fuhr eine Übung. „Damals verfügten wir nur über einen Traktor mit Anhänger“, erinnert sich Melchin. Ziel sei es gewesen, den Graben zu verfüllen. Anschließend stellten die Behörden der DDR ein Pförtnerhäuschen als Grenzstation auf. Gebraucht wurde es nie.

Zeitgleich befürchteten die Schlagbrügger eine starke Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr. Die Grenze wurde anfangs nur für Fußgänger und Radfahrer geöffnet. Das Land hat bei der späteren Sanierung der Lindenstraße reagiert und statt Kopfsteinpflaster Granitpflatser an dieser Stelle verlegt. An all die Begebenheiten wollen die Schlagsdorfer und Schlagbrügger bei einer gemeinsamen Feier am 3. Oktober 2015 erinnern. Ähnlich wie vor fünf Jahren, soll die Feier in der Reithalle Schlagbrügge stattfinden. Mit den Vorbereitungen wollen die Kommunalvertreter von Ziethen und Schlagsdorf im Januar beginnen.

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